Aufforderung zum Dialog

Bauer Willi bei Freunden der Landwirtschaft

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Eine Frage der Haltung: Bauer Willi demonstriert, wie verschlossen ein Gesprächspartner mit verschränkten Armen wirkt.

Verden - Der Verein Freunde der Landwirtschaft hatte einen sehr bekannten Referenten bei seiner Jahreshauptversammlung am Freitag in Verden zu Gast. Bauer Willi nennt sich Dr. Willi Kremer-Schillings, wenn er als Landwirt seine ganz persönliche Sicht auf die Dinge darstellt und dabei vielen Berufskollegen aus der Seele spricht. Dabei ist er ein Freund des Dialogs zwischen Landwirt und Verbraucher.

Seinen Anfang nahm Bauer Willi, als ein Nachbar ihm die Polizei auf den Hals gehetzt hatte, weil er bei endlich trockenem Wetter länger als 22 Uhr mit dem Mähdrescher erntete. Den Vorwurf des ruhestörenden Lärms konnte er nicht auf sich sitzen lassen, weshalb er dann den „Brief an den lieben Nachbarn“ verfasste. Es folgte der „Brief an den lieben Verbraucher“, nachdem er bei einem Kartoffelbauern den derzeitigen Abnahmepreis von einem Cent pro Kilo geernteter Kartoffel erfuhr.

Beide Schreiben sorgten im Netz für so viel Furore, dass eines Tages Markus Lanz anrief und zur Sendung einlud. Aus dem Auftritt in der Talkshow wurde erst mal nichts, aber später diskutiert Bauer Willi dann bei Günther Jauch mit Gästen wie Renate Künast von den Grünen. Und unter dem Titel „Sauerei – Bauer Willi über billiges Essen und unsere Macht als Verbraucher“ hat Willi Kremer-Schillings inzwischen auch in einem Buch seinem Unmut Luft gemacht.

Der Landwirt stört die Idylle

„Städter wollen auf dem Land leben, aber es gibt einen, der die Idylle stört – der Landwirt“, sagte er in Verden. Um diesem schlechten Image entgegenzuwirken, riet er seinen Kollegen, offener auf die Bevölkerung zugehen. Denn auf der persönlichen Ebene erfahre der Landwirt eine hohe Akzeptanz.

„Kannst du mir nicht mal eben das Fuder Muttererde mit deinem Frontlader im Garten verteilen?“, sei er schon mal gefragt worden, berichtete Bauer Willi und betonte, dass auch Hilfsbereitschaft zu Anerkennung führe.

Tag des offenen Hofes

Die Landfrauen seien in Sachen Kommunikation schon weiter als die Männer, so Kremer-Schillings. Sie böten den Landwirten ein sehr gutes Beispiel für gelungene Öffentlichkeitsarbeit, sagte er und forderte, dass Imagepflege zu einem eigenen Betriebszweig werden müsse. Ein Tag des offenen Hofes für Nachbarn und Neubürger sei ein erster Schritt.

Als er dazu auf seinen Vierkanthof im Rheinländischen eingeladen habe, seien die Menschen in Massen gekommen. „Ein Städter durfte dann sogar nicht nur meinen Trecker fahren, sondern meinen Fendt. Und der freute sich wie ein kleiner Junge“, berichtete Bauer Willi schmunzelnd.

Auch kritische Themen

Aber auch kritische Themen, wie die Boxengröße im Schweinstall, sollten sachlich diskutiert werden. „Wenn ich für meine 1 000 Mastschweine pro Tier 100 Quadratmeter hätte, dann bräuchte ich insgesamt 10 Hektar, also 100 000 Quadratmeter Fläche. Dann ist klar, dass das Schweinefleisch ein Vielfaches kosten würde.“

Bauer Willi berichtete auch von einem Besuch in dem Forschungsgebiet bei Krefeld, wo die aktuelle Studie über einen 80-prozentigen Insektenschwund erstellt worden sei. „Dort wäre ich als Insekt auch weggegangen“, sagte er, denn in besagter Gegend würde sehr viel Kopfsalat angebaut, unter einem hohen Einsatz von Insektiziden. „Aber der Verbraucher wünscht eben Salate ohne Läuse, sonst wäre der Salat ja auch nicht mehr vegan“, so der Referent, der damit vor allem bei den Schweinemästern großes Gelächter erntete.

Zum Abschluss seines erfrischenden Vortages forderte er die Freunde der Landwirtschaft noch zu einigen Gymnastikübungen auf: „Wenn Sie die Hände mal anders Falten oder die Arme ganz als anders als sonst verschränken, merken Sie, wie sich anderes Verhalten wie bei anderer Öffentlichkeitsarbeit anfühlt.“

lee

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