Jeder dritte Crash durch Fehlverhalten ausgelöst

Kreis Verden: Polizei sagt Sündern Kampf an

Einsatzkräfte an Unfallstelle.
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Einer der typischen Unfälle: Im Dezember war auf der A1 bei Oyten ein Sattelschlepper aufgefahren. Archivfoto: Butt

Rückläufige Unfallzahlen, aber dennoch erhöhtes Augenmerk der Polizei: Die Beamten sagen den Verkehrssündern im Kreis Verden den Kampf an. Das kann Autofahrern teuer kommen.

Achim / Verden – Weniger Todesfälle, weniger Schwerverletzte, weniger Unfälle: Wenn das zurückliegende Corona-Jahr eine positive Seite haben sollte, dann für Fußgänger, Radler und Autofahrer. Für sämtliche Kategorien meldete die Polizeiinspektion Verden rückläufige Zahlen, zuweilen sogar Rekord-Rückläufe. Sogar die Pedelec-Fraktion gehörte 2020 nicht mehr zu den Opfern mit den großen Steigerungsraten.

Jetzt also entspannt auf den Fahrersitz? Nicht ganz. Ordnungshüter und Landkreis kündigen Verkehrssündern verstärkt den Kampf an, und vor allem denjenigen, die es auf der Autobahn mit dichtem Auffahren mal so richtig krachen lassen, auch wenn es meistens im allerletzten Augenblick dann doch nicht kracht.

Das größte Risiko bestehe im nicht angepassten Fahrverhalten. Fast jeder dritte der insgesamt 3 700 Unfälle kreisweit gehe auf das Konto zu hohen Tempos oder zu niedrigen Abstandes. Und dabei der absolute Tabellenführer: Das Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes, das als Ursache für alarmierende 901 Zusammenstöße ausgemacht wurde. Polizeiinspektion und Landkreis Verden hielten deshalb einer Pressemitteilung zufolge neben der Präventionsarbeit sowohl die eigenen als auch die gemeinsamen Kontrollaktionen aufrechterhalten. Das Ergebnis gab beiden recht. Auf der Autobahn wurden im Jahr 2020 trotz geringeren Verkehrsaufkommens noch 5 341 Verstöße geahndet (2019: 6 098). Zudem zeigten die 55 137 Ordnungswidrigkeiten, die im vergangenen Jahr festgestellt wurden, trotz sinkender Zahlen in aller Deutlichkeit die Notwendigkeit von Kontrollen, da es sich bei 98 Prozent dieser Verstöße um Verkehrsdelikte gehandelt habe. Klartext: Rechnerisch hat es fast jeden zweiten Einwohner des Landkreises erwischt.

Vier Todesopfer forderte das Verkehrsgeschehen 2020 im Kreis Verden.

Wen es trifft, der hat ordentlich zu blechen. Als Sicherheitsabstand dient der halbe Tachowert in Metern. Wer ihn um die Hälfte unterschreitet, hat 75 Euro zu zahlen, wem nur noch ein Zehntel nachgewiesen wird, der ist mit 320 Euro dabei. Hinzu kommen Punkte in Flensburg. Ferner gilt: je höher das Tempo, desto drastischer die Bußgelder.

Eine nächste große Unfallursache sind den Angaben zufolge abgelenkte Fahrer. Zusätzlich zu den Kontrollen setze die Polizei auf neue „technische Mittel“, dies vor allem, um den Verstößen im Schwerlastverkehr besser Herr zu werden. Allein dadurch seien 75 Vergehen von Autofahrern und 215 von Lasterfahrern registriert worden. Die Anzahl der geahndeten „Handyverstöße“ blieb mit 1 194 etwa auf dem Vorjahresniveau von 2019 (1 208). Zwar sanken auch die Unfallzahlen für Motorrad- und Fahrradfahrer, alarmierend sind sie jedoch geblieben. Von 274 beteiligten Zweiradfahrern im Landkreis Verden wurden 191 leicht, schwer oder sogar tödlich verletzt. Das entspricht nach Polizei-Angaben einem Anteil von rund 70 Prozent.

Auch die Risikogruppe der jungen Fahranfänger und der Senioren standen im Fokus. Bei den 18- bis 24-Jährigen registrierte die Polizei im Jahr 2019 noch 22 Schwerstverletzte (schwer verletzt und getötet). 2020 sank die Zahl auf 16. Bei den Ü-64-Jährigen wurde ebenfalls ein Rückgang festgestellt – um 13 Fälle auf nunmehr 15 (2019: 28).

Die Gesamtunfallzahl im Landkreis Verden ist im Vergleich zum Vorjahr um 17,35 Prozent auf 3729 gesunken und liegt damit im Trend des Landes. Niedersachsenweit sanken die Zahlen um 15,2 Prozent. Die meisten Unfälle wurden in den Städten Verden (971) und Achim (773) verzeichnet, am wenigsten in der Gemeinde Dörverden mit 162. Die Zahl der Getöteten ist deutlich von 15 im Vorjahr auf 4 gesunken. Nur 2015 sind noch weniger Menschen bei Unfällen ums Leben gekommen (2015: 3). Zwei Personen wurden bei Unfällen auf der Autobahn getötet, je eine kam bei einem Unfall außerhalb und innerhalb geschlossener Ortschaft ums Leben.

„Die Verkehrssicherheitsarbeit ist Polizei, Landkreis und Netzwerkpartnern ein besonderes Anliegen. Unser Ziel ist die Reduzierung von Verkehrsunfällen, daher werden wir auch künftig die Unfallursachen und Risikogruppen genau in den Blick nehmen“, so Ingo Jans, Leiter der Polizeiinspektion. Landrat Peter Bohlmann bestärkt dieses Ziel: „Weil das dem Landkreis so wichtig ist, haben wir uns entschlossen, die Verkehrssicherheit mit einem festen jährlichen Budget zu unterstützen.“

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