Kochtreff im Domgemeindezentrum gibt Flüchtlingen ein Stück Zuhause

Auch die Heimat geht durch den Magen

Mmmh, lecker: Angesichts der Spezialitäten, die in der Küche des Domgemeindezentrums entstehen, läuft einem sofort das Wasser im Munde zusammen. Immer freitags kochen dort Flüchtlinge, die in der Turnhalle des Gymnasiums am Wall untergebracht sind.

Verden - Freitagvormittags herrscht reges Treiben im Domgemeindezentrum, genauer gesagt in der Küche. Hier kochen seit einigen Monaten Flüchtlinge, die in der Turnhalle des Gymnasiums am Wall untergebracht sind, Gerichte aus ihrer Heimat. Essen hält Leib und Seele zusammen – mit diesem Gedanken haben Mitarbeitende der Domgemeinde zu den Treffen eingeladen.

„Wir haben uns überlegt, dass man mit dem gemeinsamen Kochen und Essen von vertrauten Gerichten ein Stück Heimat hierher holen kann“, erklärt Diakon Christian Wietfeldt die Idee der Kochtreffen. Leben in einer Gemeinschaftsunterkunft heißt eben auch: Gemeinschaftsverpflegung und keine selbst ausgewählte oder zubereitete Nahrung. Und die fremde Kost wird auch manchmal nicht so gut vertragen, hatten Pastor Lueder Möring und der Diakon in Erfahrung gebracht.

Es fand sich schnell eine Gruppe von Unterstützern am Dom, die bereit waren, dieses neue Projekt mit zu tragen und an den Freitagen dabei zu sein.

Mit Aushängen in vier Sprachen am schwarzen Brett der Turnhalle wird eingeladen und bis zu 30 Personen können an einem Vormittag teilnehmen. Dabei sind ausdrücklich auch Familien willkommen. „Wir haben Gäste, die immer mal wieder kommen, aber es gibt auch einen Wechsel, so dass die Treffen für viele offen sind. Etwas schwierig ist es noch mit den Nationalitäten, meist kommen sie an getrennten Tagen zu uns“, berichtet Wietfeldt. „Die Verständigung läuft meist auf Englisch oder im Notfall mit dem Handy und dem Google-Übersetzer. Bisher hat es immer noch irgendwie geklappt.“

Die große Küche im Domgemeindezentrum mit zwei Herden bietet Platz für mehrere Personen zum Vorbereiten und zum Kochen. Das übernehmen meist die Frauen. Für Männer gibt es während dieser Zeit nebenan Übungen in der deutschen Sprache oder einfach Zeit und Raum, um Tee zu trinken und sich zu unterhalten. Für die Kinder stehen Spiele bereit und es sind Möglichkeiten zum Malen vorhanden.

Der Vormittag beginnt immer mit dem gemeinsamen Einkauf auf dem Markt: Reis und Kartoffeln, Rindfleisch und Hühnerfleisch, Gemüse, Joghurt, Weinblätter, Salat. Daraus werden Gerichte aus Syrien, Afghanistan, dem Irak zubereitet und danach gemeinsam gegessen. „Mal eben für eine Gruppe von 30 Personen zu kochen, ist für die Frauen überhaupt kein Problem“, staunt Christian Wietfeldt, „und so viele Leute sind wir eigentlich immer, denn manchmal kommen noch spontan Jugendliche nach der Schule dazu, die sonst auch ehrenamtlich in der Domgemeinde engagiert sind und mal sehen wollen, was heute bei uns los ist.“

So lange die Turnhalle noch als Gemeinschaftsunterkunft genutzt wird, sollen die Kochvormittage weiter bestehen. „Was danach kommt, wissen wir noch nicht. Aber in der Arbeit mit Flüchtlingen ist ja sowieso Spontaneität gefragt.“

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