BGE gibt nicht Entwarnung

Endlager im Kreis Verden: Wohin mit dem Atommüll?

Eine Karten vom Landkreis Verden, die potenzielle Standorte für ein Atommüll-Endlager zeigt.
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Weiträumig verteilt und in einigen Bereichen überlappend: die Teilgebiete für die Endlagersuche im Raum Verden/Achim. Die federführende Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stellt die Tongesteine in rötlichen Farben dar, die Salzgesteine in Grün.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) sucht deutschlandweit nach einem Endlager für Atommüll. Zwar ist der Landkreis Verden mittlerweile ein wenig aus dem Blickfeld der Behörde mit Sitz in Peine geraten. Entwarnung für die Region gibt die BGE aber nicht.

Verden/Achim – Bei der Endlagersuche für atomaren Müll verziehen sich die zuständigen Behörden in den Süden der Republik und nach Hamburg. Gleichzeitig aber steht fest: Entwarnung für den Raum Achim/Verden gibt es nicht. „Wir befinden uns noch ganz am Anfang“, sagt Monika Hotopp von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) in Peine auf Nachfrage.

Allerdings spitze sich die Lage zu. Am Ende des aktuellen Schrittes bei der Suche nach einem Nachfolger Gorlebens soll die Anzahl möglicher Endlager deutlich eingeschränkt werden. Das Zeitfenster, das die BGE dafür geöffnet hat: „In einigen wenigen Jahren“, so Hotopp, „wissen wir mehr.“

Unterirdische Salzstöcke werden untersucht

Untersucht wird weiterhin alles, was nach festerer Form tief unter der Erdoberfläche aussieht und irgendwie als Standort für Atomfässer in einem Zeitraum von gut einer Million Jahre infrage kommt, dies aber zunächst nur exemplarisch an vier Standorten deutschlandweit. Der Salzstock Bahlburg bei Hamburg wird untersucht, was Auswirkungen für unterirdische Salzstöcke zwischen Achim und Thedinghausen sowie bei Dörverden links und rechts der Weser hätte.

Den sogenannten Opalinus-Ton nehmen die Experten in Baden-Württemberg und Bayern unter die Lupe, was ebenfalls nicht zur Beruhigung beitragen dürfte. Ähnliche Strukturen finden sich entlang der Weser zwischen Achim und Verden, vorrangig in der Gemeinde Langwedel, sowie beidseitig der Aller zwischen Otersen und Hodenhagen. Richtig Entwarnung gilt nur für wenige Bereiche im Kreis Verden: eine schmale Schneise von Fischerhude und Quelkhorn über Oyten und Bassen, die Achimer Kernstadt und Uesen sowie der Raum Lunsen und Morsum. Auch die Verdener Kernstadt, Holtum (Geest) und der Süden der Gemeinde Dörverden kommen davon. Der Landkreis Verden ist überproportional von der Endlagersuche betroffen. Bis zu 85 Prozent der Kreisfläche kommen theoretisch in Frage, bundesweit sind es nach BGE-Angaben 54 Prozent.

Im Auge behalten wolle man ferner das tertiäre Tongestein, das am stärksten kreisweit vertreten ist. Ob Ortschaften wie Sagehorn, Uphusen, Blender, Walle, die gesamte Gemeinde Langwedel oder ausladende Bereiche in Kirchlinteln, nichts darf sich in absoluter Sicherheit wiegen. Allerdings klingen die BGE-Ausführungen zu dieser Erdschicht moderat bis distanziert: „Die Übertragbarkeit der Methodenentwicklung auf andere Teilgebiete (auch tertiären Ton) wird fortlaufend mit betrachtet“, heißt es eher windelweich.

90 Teilgebiete werden bewertet

Die BGE indes will sich auf Interpretationen ihrer Mitteilung nicht einlassen. Steffen Kanitz, Geschäftsführer für den Bereich Standortauswahl, betont: „Wir befinden uns im Stadium der Methodenentwicklung. Jedes Gebiet, das jetzt näher untersucht wird, ist nicht besser oder schlechter geeignet als andere Gebiete. Sie dienen uns in dieser Phase des Verfahrens lediglich zur Entwicklung von Methoden für die weitere Eingrenzung der Flächen aller 90 Teilgebiete.“ Das Ziel sei es, mithilfe der Daten aus den ins Auge gefassten Gebieten im Frühjahr nächsten Jahres ein vorläufiges Konzept zur Anwendung der folgenden Sicherheitsuntersuchungen öffentlich zur Diskussion zu stellen. Kanitz: „Es bleiben alle 90 Teilgebiete weiter im Verfahren und werden nach und nach mit diesen neuen Methoden bewertet.“

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Das Bewerten einzelner Teilgebiete stoße in neue Dimensionen vor. Neben der Bewertung der geologischen Eigenschaften anhand existierender, zum Teil aktuell zusätzlich abgefragter Geodaten, seien vorläufige Sicherheits- und Endlagerkonzepte zu entwickeln, die für ein Bewerten der jeweiligen Endlagersysteme eine Rolle spielen. Hier müsse neben natürlichen Prozessen wie zukünftigen Eiszeiten auch die grundsätzliche Möglichkeit eines sicheren Betriebs dargestellt werden. Die Festlegung eines konkreten Standortes für ein Endlager wird gemäß Standortauswahlgesetz für das Jahr 2031 angestrebt. Wird dieser Zeitplan eingehalten, könnte ein Endlager optimistisch etwa im Jahr 2050 zur Verfügung stehen.

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