Neue Rechtslage und veränderter Markt erfordern Umbau von ALV und Kreisverwaltung

Arbeitsvermittlung wird Wirtschaftsförderung

Ein Proträt von Petra Schütte.
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Petra Schütte.

Verden – Wer auf der Suche nach einer Arbeitsstelle zum Jobcenter will, findet ab der Jahresmitte seine Ansprechpartner in der Wirtschaftsförderung des Landkreises. Die Ansprechpartner für Arbeitgeber und solche, die es werden wollten, stehen vor Veränderungen. Die Verwaltung schlägt dem Kreistag eine „arbeitsmarktpolitische Ausrichtung“ wegen Veränderungen der Rechtslage und des Arbeitsmarktes.

Sie erfordern den Umbau der kommunalen Anstalt Arbeit im Landkreis Verden (ALV) und ziehen Umstrukturierungen im Kreishaus nach sich.

Die Wirtschaftsförderung des Landkreises hatte traditionell die Aufgabe, Unternehmen bei der Ansiedelung im Landkreis und bei ihrer Weiterentwicklung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Hilfestellungen aus dem Kreishaus, von der Existenzgründungsberatung, der Offensive gegen den wachsenden Fachkräftemangel, dem Bildungsverbund Schule-Beruf, Technologie- und Innovationsberatung, aber auch der Unterstützung bei Förderanträgen haben das Service-Angebot für Unternehmen nach und nach deutlich ausgeweitet. Auch Breitbandausbau und Digitalisierung sind Standortfaktoren für Unternehmen und deshalb nicht unabhängig von der Wirtschaftsförderung zu sehen.

Mit diesen Entwicklungen hat sich auch die Arbeit von Fachdienstleiterin Maren Wülpern verändert. Die Ausrichtung der Abteilung wurde immer aktiver und hat längst einen großen Schritt über die Beratertätigkeit mit dem Knüpfen von Kontakten und Aufzeigen von Möglichkeiten hinaus getan.

Eine umfangreiche Umstrukturierung bei der ALV führt jetzt dazu, dass die Wirtschaftsförderung ab Mitte des Jahres auch die Arbeitsvermittlung übernehmen soll, die seit 15 Jahren in der kommunalen Anstalt angesiedelt war. „Das ist nicht völlig neu. Mit Kerstin Wendt als ALV-Vorständin und Leiterin der Wirtschaftsförderung in Personalunion hatten wir diese Verbindung bereits“, kommentiert Wülpern die Pläne, die jetzt in die politische Beratung gehen sollen. Wendt verließ die Verwaltung im vergangenen Sommer.

15 Jahre lang hatte die ALV für den Landkreis als Optionskommune die Arbeitsverwaltung für die Empfänger von Hartz-IV-Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II und alles, was die Vermittlung dieser Leistungsbezieher wie Langzeitarbeitslosen auf den Arbeitsmarkt umfasst unter einem Dach vereinigt. Dazu gehörten auch die Aktivierung und Qualifizierung der Leistungsbezieher.

Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts vom September vergangenen Jahres ist es aber nicht mehr zulässig, dass Kommunen wie der Landkreis diese Leistungen zur Eingliederung an eine kommunale Anstalt öffentlichen Rechts wie die ALV überträgt. Die Richter hatten entschieden, dass die hoheitlichen Aufgaben „aus einer Hand“ erledigt werden müssten. Für die ansonsten erfolgreich arbeitende Anstalt bedeutet das, dass die Arbeitsvermittlung wieder in die Kreisverwaltung zurückkehren muss. „Das betrifft 57 Kräfte“, erklärt Petra Schütte. Die Leiterin des Fachdienstes Arbeit im Kreishaus ist zuständig für Verwaltung der Sozial-Leistungen an die Kunden des Jobcenters.

Schütte sieht aber nicht nur die rechtliche Entwicklung. Auch der Arbeitsmarkt habe sich verändert, stellt sie fest: „Vor Jahren haben wir nicht für möglich gehalten, dass über 30-Jährige noch Ausbildungen beginnen können, um sich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erarbeiten. Mit dem zunehmenden Fachkräftemangel wird die Bereitschaft der Firmen größer, auch ältere Mitarbeiter für ihre Betriebe auszubilden“, berichtet sie.

„Das passt zu unserem Angebot im Arbeitgeberservice“, sieht Maren Wülpern durchaus Vorteile, wenn die Leiterin der Arbeitsvermittlung, Natalia Schäfer, im Sommer mit ihrer Mitarbeiterschar bei ihr einzieht. Die ALV wird dann weiter die Qualifizierungsmaßnahmen für die Leistungsempfänger organisieren und was ihnen sonst einen Zugang zum Arbeitsmarkt verschafft.

Für die Kunden des Jobcenters, zu denen seit 2016 auch die zugewanderten Flüchtlinge gehören, sollen die neuen Strukturen keine Nachteile bringen. „Wir wollen die enge Verbindung erhalten“, sagt Schütte. Auch sie erwartet Synergieeffekte aus der neuen Konstruktion.

Die Rückführung der Arbeitsvermittler in die Kreisverwaltung und die Umstrukturierung der Kreisverwaltung soll der Finanz- und Personalausschuss des Kreistags am Dienstag, 13. April, beraten. Die Entscheidung soll dann der Kreistag am 30. April treffen.

Von Ronald Klee

Maren Wülpern.

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