Schienenausbau Rotenburg-Verden: Verkehrspolitikerin zur Umsetzung

Arbeit für Lärmschutz fängt in Verden erst an

Eine Gruppe von Leuten stehen am Ende eines Bahnsteigs Im Hintergrund links rauscht ein Inter-Region-Zeug heran.
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Gespräche im Rhythmus des Zugfahrplans. Für die Anwohner am Bahnhof und an der Strecke ist das Alltag.

Verden – 193 Millionen Euro allein dafür, dass beim zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Verden-Rotenburg der Schallschutz über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgeht. Das hat der Bundestag am 24. Juni nach langen Verhandlungen in der Region und einem zähen Ringen im Berliner Parlament beschlossen. Dass damit aber an den Gleisen automatisch die Stille einkehrt, ist nicht zu erwarten. Die SPD-Politikerin Kirsten Lühmann empfahl bei einem Besuch am Verdener Bahnhof Wachsamkeit, dass die Verhandlungsergebnisse von Projektbeirat und Arbeitsgruppen auch umgesetzt werden.

Alle, die geglaubt hatten, dass mit dem Beschluss des Bundestages alles geregelt ist, musste das Mitglied des Bundestagsausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur schon mal enttäuschen. Erst mit dem Planungsauftrag für die Bahn aus dem Ministerium werde die Umsetzung überhaupt in Gang gesetzt. Was über den gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutz hinausgehe, sei noch gar nicht geplant. Für manches gebe es nicht einmal Standards. „Mindestens acht Jahre wird es noch dauern, bis dann die Bagger rollen“, war Lühmanns Prognose, als sie sich mit Ratsmitgliedern und Anwohnern traf. Das ist zwei Jahre später als der bislang geplante Baubeginn im Jahr 2026.

Im Tosen der vorbeirauchenden Züge

„Am Ende geht es darum, dass die Menschen an der Strecke einen Vorteil mit weniger Lärmbelastung haben“, machte Bürgermeister Lutz Brockmann noch einmal deutlich, was die Anrainer-Kommunen bei den jahrelangen Verhandlungen mit der Bahn erreichen wollten. Und was durchrollende Züge für Lärm, Erschütterung und Einschränkungen mit sich bringen, machten einige, die es täglich erleben, wie Susanne Stegmann, Jens Richter und Birgit Mellerowitz, am Bahnhof deutlich. Immer unterbrochen vom Tosen vorbeirauschender Züge.

Beim Ausbauprojekt der Bahn mit einem Volumen von 1,3 Milliarden Euro hatten die Verhandlungen im Projektbeirat Alpha-E und kommunalen Arbeitsgruppen allein für Verden, Kirchlinteln, Westerwalsede, Ahausen und Rotenburg über das gesetzliche Maß hinaus Schallschutz für 70 Millionen Euro ausgehandelt. Tunnelbauten und -erweiterungen wie am Verdener Holzmarkt oder, wie an der Querung der Bundesstraße 215, Ersatz für bestehende Anlagen stehen aber auch im Katalog der Kommunen. Und die wurden Bestandteil des Beschlusses im Berliner Parlament.

Schnelle Radverbindung zu den BBS

Auch die schnelle Radverbindung vom Bahnhof zu den BBS berührt an mehreren Punkten das Ausbauprojekt. Am Güterbahnhof seien noch Details zu klären, berichtete Brockmann. Aber der Bundestagsbeschluss sehe auch schon 200 000 Euro für eine Stützwand an einem Tunnel am Stadtpark vor. Für die Aufhebung eines höhengleichen Bahnübergangs in Walle sind 16,2 Millionen Euro vorgesehen.

Wenn im Planfeststellungsverfahren die Details geprüft werden, ist damit zu rechnen, dass sie Verhandlungsmasse werden, warnte die SPD-Politikerin. Dass die Kosten irgendwann in Dimensionen steigen könnten, die das Projekt gefährden, hält sie allerdings für unwahrscheinlich. „Alles, was vernünftig ist, wird genehmigt werden“, wagte sie eine Prognose.

Paradebeispiel und Vorzeige-Projekt

Es sei wichtig, wachsam zu sein, wenn das Projekt in der Planfeststellung sei, riet Lühmann den Vertretern der örtlichen Politik. Nicht zuletzt auch, weil dieser Streckenausbau der erste des Gesamtvorhabens ist. „Verden ist das Paradebeispiel und Vorzeige-Projekt“, sagte Lühmann. Die Bahn werde beim übergesetzlichen Lärmschutz genau verhandeln, weil sich die folgenden Vorhaben daran orientieren werden.

Als hilfreich bewertete Lühmann, dass sich die Verdener über die Fraktionsgrenzen hinweg einig sind. Auch wenn die Anrainer-Kommunen weiterhin mit einer Stimme sprechen, sei das gut. Lutz Brockmann plädierte denn auch dafür, dass die Arbeitsgruppen weiter im Amt bleiben. Auf die Politikerin, ihren Rat und ihre Schützenhilfe werden sie sich bei künftigen Verhandlungen aber nicht mehr verlassen können. Die 57-Jährige stellt sich in ihrem Celler Wahlkreis nicht wieder zur Wahl.

Minister steht hinter den Kommunen

Ihr liege nach all den Gesprächen, auch mit Vertretern der Stadt, das Projekt am Herzen, bekannte Lühmann. Deshalb stattete sie die Anwesenden mit einer Liste von Tipps aus. „Die Arbeit fängt erst an“, stellte sie klar. Und weil auch Zuständigkeiten des Landes berührt sind, erhielt auch die Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth ihre Hausaufgaben. Mit Überraschungen aus Hannover rechnete die SPD-Abgeordnete allerdings eher nicht. In Sachen städtebauliche Begleitplanung etwa habe sich Minister Olaf Lies in der Vergangenheit bereits hinter die Forderungen der Kommunen gestellt.

Von Ronald Klee

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