Begegnung mit Flüchtlingen beim ökumenischen Bibelgesprächsabend

Arbeit und eine Wohnung

Pastor i.R. Ludolf Ulrich im Gespräch mit Misghina aus Eritrea.

Verden - „Fremde unter uns – Herausforderung annehmen und Türen öffnen“. Dazu liefert die Bibel viele Vorlagen. Doch auch die Gegenwart ist voll davon. Direkt vor der Haustür. Die Verdener Johannis- und Josefgemeinde hatten gemeinsam zu Gesprächen und Diskussionen eingeladen.

An drei Abenden widmeten sich ökumenische Bibelgesprächsabende im Stadtkirchenzentrum dem aktuellen Thema, wie die Begegnung mit den Flüchtlingen auf dem Hintergrund der biblischen Botschaft gestaltet werden kann. Der letzte Abend am Donnerstag stand unter dem Motto „Fremde unter uns – Herausforderung annehmen und Türen öffnen“. Ziel war es, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich besser kennenzulernen und weitere Formen der Begegnung zu entwickeln.

„Wir möchten mit unseren Gästen reden und nicht über sie“, brachte es Pastor Marko Stenzel zu Beginn des Abends auf den Punkt. Ehrenamtliche Helfer hatten acht Flüchtlinge eingeladen, viele hatten aber noch Freunde mitgebracht, so dass es schließlich noch weitaus mehr Gäste waren.

Der Vorbereitungskreis hatte sich zum Einstieg einige Fragen überlegt, zum Beispiel über die Herkunft, die Familie oder auch welche Hilfen noch benötigt werden. In kleineren, gemischten Gruppen kam man so schnell ins Gespräch.

Viele der jungen Männer aus Eritrea dem Sudan oder Syrien leben noch mit bis zu 15 anderen in einer Unterkunft zusammen. Die meisten hätten gern eine eigene Wohnung und Arbeit. Haileab aus Eritrea hatte Glück. Er fand Aufnahme bei einer Familie in Borstel. Auch Ostern hat er mit der deutschen Familie gefeiert, inklusive einen Besuch beim Osterfeuer. „Das war sehr spannend“, sagt er. Er freut sich, dass er in Deutschland so guten Kontakt gefunden hat. Demnächst tritt der junge Mann ein Praktikum bei einer Firma für Logistik und Dienstleistungen in Oyten an.

Rashed ist aus dem Sudan nach Deutschland gekommen. Für die Überfahrt mit dem Boot habe er viel Geld bezahlen müssen, erzählt er. Der junge Sudanese ist schon seit zwei Jahren in Deutschland. Er hat ein Praktikum bei einer Firma für Straßenbau gemacht und würde auch gern in diesem Bereich arbeiten. Er bedauert, dass es bislang noch nicht geklappt hat.

Rashed wohnt mit zehn seiner Landsleute in der Innenstadt. Wie so viele möchte auch er nichts lieber als eine eigene Wohnung. Einen großen Wunsch hat er noch. Er möchte einmal ein Spiel von Werder Bremen im Weserstadion sehen. Rashed ist ein großer Fußballfan, hat in seiner Heimat auch in einem Verein gespielt. Auch in Deutschland will er unbedingt wieder kicken.

Nach der allgemeinen Gesprächsrunde führte Pastor i.R. Ludolf Ulrich noch ein Interview mit Misghina aus Eritrea. Der junge Mann lebt seit eineinhalb Jahren in Deutschland und wurde mittlerweile als Asylsuchender anerkannt. Somit hat er zunächst ein Bleiberecht für drei Jahre. Über seine Flucht aus Eritrea über Äthiopien, Sudan und dann von Libyen aus über das Mittelmeer spricht er nicht gern. Er sei mit 640 Personen in einem Holzboot in schlechtem Zustand geflohen, berichtet er. Von der italienischen Marine wurde er dann aus dem Mittelmeer gerettet. Auch Misghina hat noch keine Wohnung, lebt gemeinsam mit 15 Landsleuten in einer Unterkunft. „Wir sind zwölf Christen und drei Muslime. Wir haben kein Problem mit der Religion und vertragen uns gut“, betont er.

ahk

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