Die Arbeit als Altenpflegerin hat für Stephanie Haenel sehr viele schöne Seiten

Mit 41 Start in einem neuen Beruf

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Ruhige und schöne Momente im Arbeitsleben von Stephanie Haenel entstehen beim Essen.

Verden - Die Diakonie ist der soziale Dienst der evangelischen Kirchen. Seine hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden setzen sich ein für Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, die auf Hilfe angewiesen oder benachteiligt sind. Jedes Jahr in der Woche der Diakonie soll auf diese Arbeit aufmerksam gemacht werden. Vom 6. bis 13. September finden deshalb verschiedene Veranstaltungen im Kirchenkreis Verden statt. Und in dieser Serie wird täglich ein Gesicht der Diakonie vorgestellt.

Stephanie Haenel braucht Herausforderungen. Was sie tut, muss sie fordern und für sie einen Sinn ergeben. Da kann sie sehr konsequent sein. Und so ist es auch zu erklären, dass sie nach 22 Berufsjahren ihren Job als Rechtsanwaltsfachangestellte kündigte und noch einmal ganz neu anfing. Heute ist die 41-Jährige Auszubildende in der Altenpflege im zweiten Lehrjahr.

Den praktischen Teil absolviert sie im St. Johannisheim in Verden. Sie hat sich bewusst für diese diakonische Pflegeeinrichtung entschieden. „Der Aspekt der tätigen Nächstenliebe für Hilfsbedürftige entspricht meinem Grundverständnis“, sagt sie. Im St. Johannisheim findet sie das umgesetzt. Mit ihrer offenen, freundlichen Art kommt sie sehr gut an bei den Bewohnern. Besonders genießt die Pflegeschülerin das Frühstück. „Das ist ein ruhiger und schöner Moment – als wenn man gemeinsam an einem Tisch sitzt“, sagt sie. Diese Zeit nimmt sie sich, denn es ist ihr wichtig, die Menschen gut kennenzulernen und ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen.

Gern hat sie es auch, wenn im St. Johannisheim Geburtstag gefeiert wird. Dann versammeln sich viele Bewohner und Mitarbeitende, lachen und singen. „Das Geburtstagskind ist häufig richtig gerührt“, sagt Haenel und ihr freundliches Gesicht strahlt. „Außenstehende können sich das sicher nicht vorstellen, dass bei uns so viel los ist und auch viel gelacht wird.“

Natürlich kennt sie auch die andere Seite ihres Berufes. Es gibt Bewohner mit sehr herausforderndem Verhalten. Sie können aggressiv sein, schlagen oder spucken. „Da lernt man seine eigenen Grenzen neu kennen – im Positiven wie im Negativen.“ Haenel bemerkt an sich selbst, dass sie immer besser mit diesen Situationen umgehen kann. „Wenn es gar nicht geht, kann man die Kollegen bitten, die Person zu übernehmen. Manchmal klappt es eben mit dem einem besser als mit dem anderen.“

Das Gespräch im Team ist ihr sehr wichtig. Ein zugewandter, respektvoller Umgang herrscht im ganzen Haus. Das gibt Sicherheit im Umgang mit einem weiteren schwierigen Thema, das in einem Pflegeheim einfach dazugehört – dem Sterben. „In St. Johannis herrscht eine Atmosphäre, in der die Menschen einen friedlichen und würdevollen Abschluss finden können. Hier kann ich gut damit umgehen“, sagt Haenel.

Und doch bleibt Altenpfleger ein anstrengender Beruf. Haenel, die in Luttum wohnt, findet Ausgleich bei den Tieren. Sie reitet leidenschaftlich gern und zu Hause warten Hund und Katze auf sie.

Fasziniert ist sie von der Wirkung, die Hunde auf kranke und dementiell veränderte Menschen haben können. Das sieht sie auch im St. Johannisheim. „Wenn Tiere kommen, leben manche Bewohner richtig auf, von denen man gedacht hat, sie bekommen nicht mehr viel mit.“ Bei ihrem eigenen Hund überlegt sie, die anspruchsvolle Ausbildung zum therapeutischen Begleithund anzufangen.

Zudem engagiert sich die Tierliebhaberin in einem Verein, der Assistenzhunde ausbildet. Zusammen mit diesem Verein arbeitet Haenel an der Entwicklung einer Ausbildung für Hunde, die anschließend in einer Privatwohnung einem Menschen mit einer Demenzerkrankung helfen sollen. „So ein Hund kann dem Erkrankten Struktur und Halt geben. Das ist besonders in den Anfängen der Krankheit sehr hilfreich“, sagt Haenel und die Begeisterung für dieses Projekt blitzt in ihren Augen auf.

Das jetzige Leben von Stephanie Haenel ist erfüllt. „Man wird nicht reich und berühmt. Aber ich habe mir noch kein einziges Mal die Frage gestellt, ob ich nicht besser in meinen alten Beruf zurückkehren sollte“, sagt die Pflegeschülerin.

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