Baudenkmal steht seit vielen Jahren leer

Apotheke ohne Kundschaft

Einst war es ein herrschaftliches Haus, das sich in einem historisch zusammenhängenden Bereich um den Dom in Verden befindet. Heute blättert der Putz ab, die Farbe ist verblasst und die Fensterscheiben sind schmutzig. Noch immer weist ein Schild über der Eingangstür auf eine Apotheke hin, aber die ist bereits seit 16 Jahren geschlossen. Auch der Rest des Gebäudes wird nicht genutzt beziehungsweise ist unbewohnt.

Verden – Licht brennt hier selten, eher gar nicht. Durch große, verschmutzte Schaufensterscheiben sieht man einen alten Verkaufstresen, eine Kasse, die aussieht wie eine Rechenmaschine aus den 1970er-Jahren, und ein großes Gerät auf einem Tisch gegenüber – ein längst ausgedientes Blutdruckmessgerät. Eine Zimmerpflanze steht vertrocknet hinter dem Tresen, alles Grün ist verschwunden, Wasser hat sie seit sehr langer Zeit nicht mehr bekommen. Blickt man weiter nach oben, liest man auf einem Schild „Dom Apotheke“.

So mancher wird sich noch daran erinnern, dass er sich hier, in der Grünen Straße 18, Kopfschmerztabletten gekauft oder ein Rezept vorgelegt hat. Aber das ist lange her. Im Stadtarchiv war von Wencke Hinz zu erfahren, dass es eine erste Erwähnung in Adress- und Telefonbüchern im Jahr 1981 und eine letzte im Jahr 2005 gegeben hat. Zu Adresse und Telefonnummer gehörte der Name eines Apothekers.

In der Liste der Kulturdenkmale

Bis zur damaligen altersbedingten Geschäftsaufgabe war es wohl noch lukrativ, an dieser Stelle eine Apotheke zu betreiben. Das hat sich über die Jahre geändert. Es wurde allgemein immer schwieriger, guten Umsatz mit einer Apotheke zu machen. Erst vor ein paar Wochen hat die Neue Apotheke in der Fußgängerzone endgültig die Tür geschlossen, niemand wollte die Apotheke weiterführen. Wer das Ladengeschäft am Rathausplatz neu beleben wird, ist noch nicht bekannt. Die Chancen, dass sich die Tür der zweitältesten Verdener Apotheke mit einer neuen Geschäftsidee wieder öffnen wird, stehen aber wohl nicht schlecht.

Im Falle der seit nunmehr 16 Jahren geschlossenen Dom Apotheke scheint es in dieser Hinsicht keine Ambitionen gegeben zu haben. Die Geschäftsräume stehen zwar nicht leer, doch Kunden haben sie in all den Jahren nicht mehr betreten.

Von Dagmar Boenig-Willert, Abteilungsleiterin Bauaufsicht 6 Denkmalschutz bei der Stadt Verden, war zu erfahren, dass es sich bei dem Gebäude um ein Baudenkmal handelt. Es ist gemäß Paragraf 3, Absatz 3 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes (NDSchG) als Teil einer Gruppe baulicher Anlagen in der Liste der Kulturdenkmale des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege eingetragen.

Das Gebäude wird in der Bauakte der Stadt im Jahr 1896 zum ersten Mal erwähnt

Beschrieben wird es dort folgendermaßen: „Es handelt sich um einen zweigeschossigen, giebelständigen Putzbau mit traufständigem Bauteil an der rechten Seite, durch Stuck- und Putzgliederungen verziert – datiert circa 1895. Bei der Gruppe handelt es sich um den Altstadtbereich Dombezirk. Ein stadtbildprägender, städtebaulich geschlossener und historisch zusammenhängender Bereich um den Dom, dem ehemaligen Domkloster und dem Domhof.“

Das Gebäude wird in der Bauakte der Stadt im Jahr 1896 zum ersten Mal erwähnt (bis zum Jahr 1927 trug es noch die Hausnummer 39). Bau-Endabnahme war am 17. April 1903. Bewohner war im Jahr 1910 der Kaufmann Schirmer mit seiner Familie. Im Jahr 1922 werden als Bewohner laut Adress- und Telefonbüchern neben dem Kaufmann Schirmer der Zigarrenfabrikant Mau und die Witwe Runge genannt. 1927 hat der Kaufmann Hermann Schirmer (Kolonial- und Eisenwaren) in dem stattlichen Gebäude an der Ecke Grüne Straße/Andreasstraße gewohnt und gearbeitet. Viele Jahre lang hat es im Erdgeschoss des Gebäudes ein Kolonialwarengeschäft gegeben. Ältere Verdener werden sich daran vielleicht noch erinnern.

Lange leer gestanden hat es jedoch nie. Erst mit der Schließung der Apotheke verlor das Gebäude an Glanz. Zuletzt war es offensichtlich dem Vandalismus ausgesetzt. Am Dienstag, 11. Mai, war es in den Abendstunden zu einem Brand im Obergeschoss des Gebäudes gekommen. Dank aufmerksamer Nachbarn, die einen Flammenschein entdeckten, konnte die Feuerwehr schnell handeln und ein Übergreifen auf das gesamte Gebäude verhindern.

Durch dieses Ereignis hat das einst herrschaftliche Gebäude wieder mehr Aufmerksamkeit erlangt. Und es wird die Frage gestellt, warum es leer steht und der Zahn der Zeit immer mehr am Gebäude nagt.

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