Die Anonymen Alkoholiker blicken auf 80-jährige Geschichte zurück

Der letzte Drink von Dr. Bob

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Den Zielen „Einigkeit, Dienst, Genesung“ haben sich die Anonymen Alkoholiker im Kampf gegen die Flasche verschrieben.

Landkreis - Von Ronald Klee. Dr. Robert Holbrook Smith hatte in New York am 10. Juni seinen letzten Drink. Dieses eher private Datum sollte weltweit Folgen haben. Sogar im Landkreis Verden ist das Jubiläum nach 80 Jahren ein Anlass, inne zuhalten und den Blick darauf zu lenken, was daraus wurde: Nicht nur ein nüchterner Landarzt aus Ohio, sondern eine weltumspannende Gemeinschaft von Menschen, die miteinander versuchen, ihre Abhängigkeit von Schnaps, Bier oder Wein zu überwinden: die Anonymen Alkoholiker.

Dr. Bob, wie die AAs ihren Gründungsvater nennen, hatte festgestellt, dass die Gespräche mit seinem Leidensgenossen, dem New Yorker Geschäftsmann Bill Wilson, im Kampf gegen den Alkohol halfen. Und das war der Auslöser dafür, dass Dr. Bobs letzter Drink zu einem historischen Ereignis wurde. Es führte dazu, dass Jahrzehnte später auch das Leben von André aus Dörverden eine entscheidende Wende nahm.

In 185 Ländern der Erde treffen sich Gruppen von Anonymen Alkoholikern. Sie sind weder Verbände noch Vereine, arbeiten nicht mit Parteien, Religionsgemeinschaften oder anderen Interessensvertretungen zusammen und verweigern sich auch sonst allen politischen Ambitionen. „Wir sind eine Gemeinschaft“, betont André. Und die sei unabhängig und komme mit einem Mindestmaß an Strukturen aus.

Grund dafür ist sicher auch das oberste Prinzip dieser Gemeinschaft, die Anonymität. „Alle, die die Gruppe besuchen, kennen sich nur mit dem Vornamen“, bestätigt André. Das Anonymitätsprinzip mache AA nicht zu einem Geheimbund. Es diene dem persönlichen Schutz aller, die sich dazu bekennen, alkoholkrank zu sein. Mehr als seinen Vornamen braucht keiner von sich preiszugeben. Mitgliedslisten gibt es ebenso wenig wie Gebühren. Auf diese Basis lassen sich Verbandsstrukturen nicht aufbauen.

Für die Hilfesuchenden bedeutet das aber auch, dass sie keine Aufnahmeformalitäten erledigen müssen. Sie gehen einfach zum Gruppentreffen und setzen sich in die Runde der Teilnehmer. „Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören“, sagt André.

Allein in Deutschland gibt es 2000 dieser Meetings, in denen trockene Alkoholikerinnen und Alkoholiker ihre Erfahrungen weitergeben und Menschen zur Seite stehen, die ihr Problem mit der Flasche in den Griff bekommen wollen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dass die Meetings helfen können, hatten Dr. Bob und sein Freund Bill vor 80 Jahren entdeckt. Sie ließen Glas und Flasche stehen, und so sollte auch vielen geholfen werden.

Zum Jubiläum wollen die Gruppen deshalb auch ein Stück weit ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen, und haben die Aktion „Jeden Tag ein Meeting“ ins Leben gerufen. Nicht jede AA-Gruppe kommt jeden Tag zusammen, aber in einer überschaubaren Region können sich Betroffene jeden Abend in eine Gruppe setzen. Gerade in dieser Jubiläumswoche freuen sich die Gruppen auf die unerwarteten Teilnehmer.

Mittlerweile gibt es nicht nur für die Kranken selbst Meetings. Alkoholismus ist eine Familienkrankheit, die auch die Partner und die Kinder jeweils auf spezielle Weise in Mitleidenschaft zieht. Das hatten die Partner schon in der Anfangszeit der AA erkannt, auch, dass sie sich ebenso gegenseitig helfen können. Diese Al-Anon-Familiengruppen haben ebenso für sich ein zwölf-Schritte-Programm wie bei den AAs entwickelt. Wo und wann die Treffen stattfinden kann man beim AA-Meeting erfahren.

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