Anhaltende Trockenheit lässt Gerste notreifen / Feuerwehr noch entspannt

„Brauchen feinen Landregen“

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Am Montagabend wurde die Feuerwehr Dörverden zu einem Flächenbrand in die Bahnhofstraße gerufen. Insgesamt sei die Lage aber noch entspannt, so Kreisbrandmeister Fehling.

Landkreis - „Trüb und trocken“, fasst Dr. Beke Gredner von der Landberatung in Verden die aktuelle Wetterlage zusammen, die gerade mal 30 Prozent der sonst um diese Jahreszeit üblichen Regenfälle aufweist. „Extreme Dürre“, lautet die Definition des Deutschen Wetterdienstes. Sie erhöht die Gefahr von Flächenbränden. Sportbootfahrer haben auf der Aller nicht mehr überall die sprichwörtliche „Handbreit Wasser unterm Kiel“. Vor allem aber bekümmert die Witterung die Landwirte, die mit Ertragseinbußen rechnen müssen.

Dabei hat sich laut Landberatung die Niederschlagsmenge übers Jahr gesehen nicht verändert. Aber sie sei unkalkulierbarer geworden, sagt Gredner. „Es stellt sich die Frage nach dem Wann, dem Wo und dem Wieviel auf einmal.“

Ein Wolkenbruch freilich helfe den Landwirten nicht, betont die Landberaterin. Den könnten die trockenen Böden gar nicht aufnehmen. Stattdessen würden sich Erosionsrinnen bilden, durch die gegebenenfalls auch noch der Dünger weggeschwemmt würde. „Wir bräuchten einen feinen Landregen“, sagt Beke Gredner, dann wären viele Erträge noch zu retten.

Derzeit haben vor allem die leichten Böden in der Region zu kämpfen, so die Landberaterin. In der Folge leide das gesamte Getreide inklusive des gerade aufschießenden Mais‘. Die Gerste, deren Ernte eigentlich erst in zwei bis vier Wochen ansteht, zeige sich bereits notreif. Sie werde aufgrund der reduzierten Kornzahl wohl einen geringeren Ertrag einbringen, erwartet die Expertin. Eine künstliche Beregnung müsse sich ein Landwirt aber gut überlegen, fügt sie hinzu. Denn diese sei sehr teuer und lohne sich bei Getreide in der Regel nicht.

Musste die Feuerwehr am Montagabend in Dörverden auch zu einem Flächenbrand ausrücken, so sei die Lage insgesamt im grünen Bereich, gibt Kreisbrandmeister Hans-Hermann Fehling vorerst Entwarnung. Bislang befinde sich die Waldbrandgefahr nicht auf höchster Stufe, erklärt Fehling und schickt schnell ein „Toi, toi, toi“ hinterher.

„Die Bäume stehen noch im eigenen Saft“, sagt er. Aber „Unterholz und Gras sind trocken“, fügt der oberste Brandschützer im Kreis hinzu und hofft auf die Umsicht des Menschen. Denn meistens sei dessen Unvernunft Schuld, wenn die Natur in Flammen stehe. Sei es durch eine unachtsam weggeworfene Zigarettenkippe, sei es durch nicht ausreichend gelöschte Grillkohle.

Glücklicherweise wehe der Wind derzeit eher aus Nord und bringe feuchte Meeresluft mit sich. Trockener Wind aus Ost allerdings, gepaart mit intensiver Sonneneinstrahlung, könne die Lage schnell verschärfen. „Dann lassen wir auch schon mal Güllefässer mit Wasser befüllen“, benennt Fehling eine Vorsichtsmaßnahme im Schulterschluss mit der Landwirtschaft.

Die trockene Witterung, sie ist auch am Wasserstand der Aller deutlich ablesbar. Am Leitpegel in Rethem wurden gestern gerade noch 0,67 Meter abgelesen, in Eitze waren es 2,36 Meter. Das seien zwar noch nicht die tiefsten Stände der zurückliegenden 20 Jahre, so Andreas Koslowski, Gewässerkundler beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Verden. Allerdings wurden die anderen Minimalwerte eher erst im August oder September gemessen. „So früh hatten wir das noch nicht.“

kp

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