Der Angeklagte widerruft Geständnis

Prozess-Auftakt um Brandstiftung in Scharnhorst

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Da war nichts mehr zu retten: Haushoch schlugen die Flammen, als die Strohballen in Scharnhorst brannten.

Verden - Seit Montag muss sich ein 27 Jahre alter Angeklagter aus Walle vor dem Amtsgericht Verden wegen Brandstiftung verantworten. Der Feuerwehrmann soll im September 2016 rund 200 Rundballen eines Reiterhofes in Scharnhorst abgefackelt haben. Dank Kommissar Zufall konnte der Angeklagte schnell als mutmaßlicher Täter ermittelt werden. In dem Verhandlungsauftakt vor dem Schöffengericht widerrief der Beschuldigte jedoch sein bei der Polizei abgelegtes Geständnis.

Nur etwa 50 Meter von dem Reiterhof entfernt hatten Heu und Stroh direkt an der Straße gelagert. Der jüngere Bruder des Geschädigten, selbst Berufsfeuerwehrmann, kam an jenem Abend zufällig daran vorbei und sah den schwarzen BMW des Angeklagten direkt neben dem Rundballenlager stehen. „Eine Person beugte sich über die Beifahrerseite ins Auto“, sagte der 43-Jährige Montag im Zeugenstand aus. Er habe sogar noch mal gewendet und sich das Kennzeichen notiert. „Ich bin dann weitergefahren und habe es damit abgetan, dass vielleicht nur jemand austreten war. Aber mein Misstrauen hat überwogen“, berichtete der 43-Jährige.

Alibi-Zeuge wird am Donnerstag befragt

Von unterwegs habe er seinen älteren Bruder informiert. Der habe noch das Handy in der Hand gehabt, da habe schon ein Bekannter ans Fenster geklopft, weil es bereits brannte. Der 43-Jährige befand sich derweil schon bei seinen Kameraden der Feuerwehr Dauelsen, die einen weiteren Einsatz hatten. Noch vor Ort kam die Alarmierung für den Rundballenbrand und der 43-Jährige informierte sofort die anwesenden Polizeibeamten über seine zuvor gemachten Beobachtungen.

Während rund 70 Feuerwehrkräfte gegen die Flammen kämpften, liefen die Ermittlungen bezüglich des Angeklagten an. Der behauptete Montag, dass er sich zu Hause mit seinem Partner befunden habe. Diesen Alibi-Zeugen will das Gericht am Donnerstag befragen. Aufgeschreckt vom Sirenenalarm will der Angeklagte nach Verden gefahren sein, wo er kurz zuvor in die Feuerwehr eingetreten war. Als er später nach Hause gekommen sei, hätten ihn bereits die Polizeibeamten erwartet.

Angeklagter wollte mit Geständnis Durchsuchung verhindern

Tags darauf habe er die Tat eingeräumt, aber nur, um die Durchsuchung im Elternhaus seines Partners zu verhindern, wie er Montag behauptete. „Ich bestreite, dass ich an dem Abend bei den Heuballen war“, ließ er über seinen Verteidiger erklären und argumentierte damit, dass es schwarze BMWs mit ähnlichen Kennzeichen gebe.

Die Löschung aller Daten auf seinem Telefon erklärte er mit einer Kurzschlussreaktion. „Ich hatte oft genug mit der Polizei wegen Betrügereien zu tun“, so der 27-Jährige. Gefunden wurden jedoch noch Audio-Dateien. Dabei handelte es sich um den Mitschnitt einer früheren Gerichtsverhandlung. Um dies zu verhindern, haben Beamte den Angeklagten vor Verhandlungsbeginn durchsucht und ihm technische Geräte abgenommen.

Der Angeklagte gab sich im Gerichtssaal, wie bereits bei der Polizei, sehr selbstsicher. „Er war wie eine Katze, die um den heißen Brei herumschleicht“, berichtete ein Polizeibeamter. „So, als würde er auf einen Fehler von uns warten.“

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

wb

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