Verständigungsgespräche sorgen für Verkürzung des Verfahrens

Angeklagte gestehen Tacho-Manipulationen

+
Die beiden Angeklagten aus Bremen verbargen sich mit Aktendeckeln vor den Kameras.

Verden - Umfangreiche Geständnisse haben Angeklagte aus Bremen im Verdener Landgerichtsprozess um Tacho-Manipulationen am Mittwoch abgelegt.

Neben den Taten selbst hatten die 32 und 37 Jahre alten Männer den Fehler gemacht, im Bereich der Verdener Polizei zu betrügen. Dort kam man den Männern auf die Schliche und deckte eine ganze Serie an Betrugstaten auf.

Geständnis ist ein Schritt in die richtige Richtung

Mit dem Geständnis machten die beiden Freunde gestern wieder einen Schritt in die richtige Richtung. Wegweisend waren dabei die Verständigungsgespräche vom ersten Verhandlungstag. Dem 37-Jährigen war dabei von der 2. Großen Strafkammer eine Bewährungsstrafe zwischen 14 und 21 Monaten und dem 32-Jährigen eine Geldstrafe in Höhe von maximal 120 Tagessätzen zugesagt worden. „Wenn Sie das abnicken, erwarten wir zum nächsten Mal ein Geständnis“, hatte der Vorsitzende Richter Joachim Lotz den Angeklagten mit auf den Weg gegeben.

Über die Verteidiger erfolgten nun die Geständnisse. Der 37-Jährige ließ erklären, dass er von 2009 bis 2012 einen Gebrauchtwagenhandel in Bremen-Nord hatte. Etwa Anfang 2011 habe ein Kunde ihn auf die Idee der Tacho-Manipulationen gebracht.

Idee zum Betrug von einem Käufer übernommen

Ein Kunde mit osteuropäischem Akzent habe immer wieder Autos mit hoher Laufleistung gekauft und ohne zu verhandeln den veranschlagten Kaufpreis gezahlt. Angesprochen auf seine Geschäftsidee habe der Kunde erklärt, dass er die Autos nach Polen exportiere. „An der Laufleistung lasse sich immer etwas machen“, soll der Kunde gesagt haben.

Dieser Mann, von dem der 37-Jährige nur den Vornamen kennen will, habe später auch die Tacho-Manipulationen für den Angeklagten vorgenommen sowie die Servicehefte der Fahrzeuge entsprechend gefälscht. Später will der 37-Jährige dem 32 Jahre alten Angeklagten davon erzählt haben. Dieser habe ihm dann bei den Taten geholfen, die verteilt über das Jahr 2012 begangen wurden und bei denen sich die Angeklagten auf die Marke Audi spezialisiert hatten.

Urteil wird Mitte Juni erwartet

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Verden listet elf Taten auf. Jedoch nur in vier Fällen soll der 32-Jährige beteiligt gewesen sein. Die Kilometerstände der Fahrzeuge wurden teilweise halbiert. In einem Fall wurde der Tachostand von 368.000 auf 144 .632 Kilometer zurückgedreht. Die Käufer, bei denen der 37-Jährige unter falschem Namen aufgetreten war, zahlten überhöhte Preise. Tatorte waren neben Verden auch Hodenhagen, Osterholz-Scharmbeck, Delmenhorst und Buxtehude.

Die Geständnisse haben ermöglicht, dass sich die Zahl der Verhandlungstage voraussichtlich halbiert. Für Mitte Juni wird bereits mit einem Urteil gerechnet.

wb

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt

Spanien: Polizei vermutet organisierte Terror-Zelle

Spanien: Polizei vermutet organisierte Terror-Zelle

Sommerfest der SPD in Verden 

Sommerfest der SPD in Verden 

Meistgelesene Artikel

SPD-Fest ohne Sigmar Gabriel

SPD-Fest ohne Sigmar Gabriel

Wildwest im Steinweg

Wildwest im Steinweg

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Kommentare