Kritik über Lehrkräfte am Gymnasium am Wall geht an die Landesschulbehörde

Anonymes Schülerschreiben: Anekdoten wie in der Feuerzangenbowle

Verden - Die Gymnasien in Verden genießen einen guten Ruf. Ob daran ein anonymes Schreiben über Missstände am Gymnasium am Wall etwas ändern kann, wird sich zeigen. Das Schreiben erreichte nämlich nicht nur die Redaktion, sondern auch die Regionalabteilung der Landesschulbehörde in Lüneburg. Und das wird sogar Folgen haben.

„Wir haben das Schreiben erhalten“, bestätigte Bianca Schöneich auf die Nachfrage. Die Pressesprecherin machte auch deutlich, dass selbst anonyme Hinweise nicht im Papierkorb landen, sondern grundsätzlich die Maschinerie der Aufsichtsbehörde in Gang setzen. „Wir werden das prüfen“, war Schöneichs klare Ankündigung.

Besser wäre es natürlich gewesen, wenn der Verfasser seinen Namen genannt hätte, merkte Schöneich im Gespräch an. Im Schreiben versucht der Verfasser den Anschein zu erwecken, er sei Schüler des Gymnasiums und habe das, was er bemängelt, im Unterricht erlebt. Aber ob er wirklich ein jugendlicher Denunziant ist, der sich aus Sorge um seine Ausbildung an die Lüneburger Behörde wendet, oder jemand völlig anderes, der ganz andere Interessen verfolgt, kann man nur spekulieren.

„Ich möchte meinen Namen nicht nennen, weil ich Schwierigkeiten befürchte“, begründet der Verfasser oder die Verfasserin. Die Zustände jedenfalls, die da beschrieben werden, könnten auch Anekdoten aus der Schülerposse Feuerzangenbowle sein. Jedenfalls wollen sie so gar nicht zu einer Schule passen, die stolz auf ihre Kultur von Toleranz und das sportliche Profil ist.

Der anonyme Pfeiffer-mit-drei-F berichtet von einem Geschichtslehrer, der zunächst Aufgaben an die Klasse verteilt und dann den Rest der Stunde schläft. „Alle finden das lustig, aber wir lernen dort wenig“, heißt es in dem Schreiben.

Als unfähig stellt der Schreiber die Spanischlehrerin dar. Ein Name wird ebensowenig genannt wie beim Geschichtslehrer. Die Pädagogin habe Angst von ihren Schülern: „Immer, wenn aus der hinteren Reihe ein paar Provokationen kommen, verlässt sie weinend den Unterrichtsraum.“ Auch von verletztenden Sprüchen ist die Rede.

Nachdem also scheinbar weder Geschichte noch Spanisch wirklich unterrichtet werde, nimmt sich der namenlose Whistleblower noch einen Klassiker vor: Den Sportunterricht, in dem der Pädagoge die Schülerinnen bevorzugen soll. Die übliche, immer wieder gern angebrachte Geschichte vom Sportlehrer, der den Mädchen Hilfestellung beim Gerätesturnen und den Jungen nur Dreien gibt.

Ob das Schreiben auch in der Schule angekommen ist und dort möglicherweise Unruhe auslöst, lässt sich jetzt, mitten in den Sommerferien, nicht ermitteln. Schulleiterin Petra Sehrt war in diesen Tagen verständlicherweise an ihrem Schreibtisch nicht zu erreichen. - kle

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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