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Als eine andere Gemeinde die Finger nach Verden-Eissel ausstreckte

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Von: Heinrich Laue

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Ein Mann betrachtet alte Fotos
Günter Palm ist geborener Eisseler, erforscht seit Jahren die Ortsgeschichte und präsentiert am 21. Mai im alten Lehrerhaus seine Ausstellung zum schwierigen Weg des Zusammenschlusses mit Dauelsen. © Laue

„Eissel bringt 564 Hektar guten Grund und Boden mit ein“, hatte der damalige Bürgermeister Hermann Seekamp-Ahnemann bereits für den Ort geworben. Und auf einer gemeinsamen Sitzung beider Gemeinderäte am 23. Februar 1968 war der von der Landkreis-Verwaltungsspitze mit angeregte Zusammenschluss mit Dauelsen einstimmig befürwortet worden. Doch dann dies: „Eine Gemeinde, die ihre Hand nach Eissel ausstreckt, hat den einstimmig gefassten Beschluss gestoppt“, vermeldete Seekamp-Ahnemann in der ihm eigenen deutlichen Art laut Protokoll auf einer der folgenden Ratssitzungen.

Eissel – Wie nicht allzuschwer zu erraten, handelte es sich bei der besagten anderen Gemeinde offenbar um Langwedel, das sich vielleicht auch wegen des guten Bodens mit Eissel vereinigen wollte und damit Dauelsen weggedrängt hätte.

Ein längeres Tauziehen setzte ein. In dessen Verlauf beschäftigte sich sogar der niedersächsische Landtag mit dem Streitthema.

Ausstellung am 21. Mai

Den dramatischen und letztlich erfolgreichen Weg hin zur Großgemeinde Dauelsen-Eissel hat Günter Palm genau erforscht. Er bereitet dazu jetzt eine Ausstellung anlässlich des Jubiläums der niedersächsischen Gebietsreform von 1972 vor. Diese Ausstellung mit vielen alten Schrift- und Bilddokumenten wird am 21. Mai im alten Lehrerhaus des Ortes eröffnet. Dazu ist auch ein Gottesdienst geplant.

Allerdings war die Großgemeinde Dauelsen-Eissel schon im Jahr 1970 perfekt, als der entsprechende gemeinsame Vertrag endlich in Kraft trat. 1972 schlossen sich dann die vereinigten zwei Orte bei der landesweiten Gebietsreform der Stadt Verden an. Dieses Ereignis steht bei einer gesonderten Jubiläumsveranstaltung mit Ausstellung im Dauelser Alten Schulhaus im Mittelpunkt.

Tauziehen um den kleinen Ort

Palm ist 1954 in Eissel geboren und war beruflich in der Verdener Verwaltung tätig, wo er sich unter anderem mit Friedhofsverwaltung, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Wohnen und Fürsorge beschäftigte. Nicht zuletzt war er auch Personalratsvorsitzender. Der Geschichte seines Heimatorts widmet sich Palm privat seit längerem und hat darüber „schon viel geschrieben“, wie er selber sagt.

Ursprünglich hatte der Vertrag zum Zusammenschluss zwischen Eissel und Dauelsen bereits am 1. Juli 1968 in Kraft treten sollen. Die Intervention von Langwedel bewirkte, dass dies erst einmal auf Eis gelegt wurde. Langwedeler Politiker wandten sich mit ihrem Anliegen sogar ans Innenministerium in Hannover und bekamen dort Zuspruch.

Mit dem Oberkreisdirektor ging es nach Stade

Eissels Bürgermeister Seekamp-Ahnemann und sein Dauelser Kollege Dietrich Grefe hingegen fuhren zusammen mit dem damaligen Oberkreisdirektor zum Regierungspräsidenten nach Stade, um für den Zusammenschluss zu werben.

Es gelang tatsächlich, den Regierungspräsidenten zu überzeugen. „Dessen Unterstützung war letztendlich wohl entscheidend für das Zustandekommen der Großgemeinde“, ist Palm überzeugt.

Verkehrsanbindungen verbessert

Die Kreisverwaltung hatte den Zusammenschluss von Beginn an mit angeregt, um die Verkehrsanbindungen der Dörfer untereinander zu verbessern, macht Günter Palm deutlich, der zu jener Zeit gerade die letzten Schuljahre absolvierte. Die Varian-te Eissel-Langwedel sei zunächst durchaus mit im Spiel gewesen, räumt er ein.

Es tat sich dann einiges im Ort während der Eissel-Dauelsen-Zeit und auch später nach dem Anschluss der kleinen Großgemeinde an die Stadt Verden.

Das holprige Kopfsteinpflaster verschwand schon sehr bald, und die ehemalige Gemeindestraße ist längst zur besser ausgebauten Kreisstraße geworden. Straßenbeleuchtung kam ebenso hinzu wie eine ordentliche Schmutzwasserkanalisation.

Natürlich war das alles nicht möglich ohne starke finanzielle Unterstützung vom Landkreis und aus anderen überregionalen Töpfen.

Insgesamt waren somit der kleine Zusammenschluss als auch der große mit Verden 1972 eine durchaus lohnenswerte Sache für die einstmals eigenständigen Ortschaften Eissel und Dauelsen.  

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