Linde bei Walle

Baum stürzt auf B215: „Ameisen sind nicht die Verursacher“

Innerhalb eines abgebrochenen Baumstammes herrscht reges Treiben. Viele Ameisen sind dort zu sehen, wie durcheinander krabbeln.
+
Innerhalb des Stammes herrschte zwar reges Treiben. Doch die Roten Waldameisen hätten die Linde an der B 215 nicht zum Abknicken gebracht, sagt Vincent Janssens.

„Ameisen fällen Eiche“, diese Überschrift von Anfang Juli in der Zeitung über einen umgestürzten Baum an der B 215 mochte Vincent Janssens nicht unkommentiert lassen. Der Dörverdener ist zertifizierter Baumpfleger. Mal ganz abgesehen davon, dass es sich bei dem Baum, der nahe Walle auf die Bundesstraße fiel, um eine Linde handelte, sagt er: „Die Ameise hat nichts damit zu tun, dass der Baum umgekracht ist.“

Baumpfleger Vincent Janssens aus Dörverden hatte sich die Reste des Baumes an der B215 bei Walle, der Anfang Juli plötzlich abknickte und auf die Bundesstraße fiel, genau angesehen, sie fotografiert und recherchiert. Sein Urteil: „Er war von oben bis unten mit verschiedenen Pilzen durchzogen.“

Zum Beweis zückt er sein Handy und zeigt Bilder von dem Baumstumpf. Deutlich ist dort eine Fläche zu sehen, so tiefschwarz, als habe es im Inneren der Linde ein Feuer gegeben. „Brandkrustenpilz“, lautet Janssens’ Diagnose. Er befällt Bäume vor allem im Wurzel- und unterem Stammbereich. Weil dieser Pilz Moderfäule hervorrufen kann, ist er eine große Gefahr für die Standfestigkeit.

Nicht Ameisen tragen die Schuld daran, dass die Linde abknickte, sondern Pilze. Im unteren Bereich des Stammes hat sich nach den Recherchen von Vincent Janssens der Brandkrustenpilz eingenistet und ausgebreitet.

Mit dem Zollstock habe er die einzelnen Bereiche vermessen, berichtet Janssens, und dabei feststellt, dass die sogenannte Restwandstärke aufgrund des Pilzbefalls an manchen Stellen nur noch ein Zwanzigstel des Radius’ betragen habe. Ein Drittel sei aber erforderlich für eine Bruchsicherheit.

„Die Ameisen sind nicht die Verursacher“, stellt der Fachmann also fest. Zwar sei auf den Pressefotos, die kurz nach dem Abknicken des Stammes entstanden sind, ein lebhaftes Kribbeln und Wimmeln zu entdecken. Doch für die dort zu sehenden Roten Waldameisen sei die Linde ein Lebensraum gewesen.

Ameisen schützen Bäume, indem sie Schädlinge fressen

„Sie hatten in dem Baum alles, was sie brauchten“, verdeutlicht der 41-Jährige, dass die fleißigen Insekten kaum so dumm wären, die Linde, die ihnen Schutz, Nahrung, Medizin und Baumaterial bietet, umzubringen. Das Gegenteil ist der Fall: „Ameisen unterstützen dabei, einen Garten gesund zu halten“, sagt Janssens. So stehe unter anderem der Borkenkäfer auf ihrem Speiseplan. Was dieser Schädling anrichten kann, hat wohl jeder schon an Fichten gesehen.

Wer sich mit Bäumen auskennt, für den hätten die fleißigen Ameisen bei einer Kontrolle der Linde ein Indikator dafür sein können, dass in ihrem Inneren etwas nicht in Ordnung ist. „Seht ihr plötzlich außergewöhnlich viele Ameisen, lasst den Baum mal untersuchen“, ist der Rat des Experten.

Vincent Janssens regt regelmäßige Kontrolle von Bäumen an

Vincent Janssens geht es aber nicht darum, mit dem Finger auf diejenigen zu zeigen, die aus der letzten Inaugenscheinnahme der Straßenbäume nicht die richtigen Schlüsse gezogen haben. Vielmehr möchte er Baumbesitzer an ihre Verantwortung und Pflicht erinnern. Und das gilt nicht nur für Privatleute, sondern auch für Kommunen. Für die sogar besonders, meint Janssens. Sie sollten mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es um die regelmäßige Kontrolle von Bäumen gehe.

Je nach Alter seien sie alle ein bis zwei Jahre zu überprüfen, sagt der Dörverdener, bei erkrankten Bäumen sei sogar eine halbjährliche Kontrolle vorgeschrieben. Und die, das macht Janssens deutlich, sollten dann auch mehr beinhalten als eine Sichtprüfung.

Experten, die die Bäume mittels Ultraschalldiagnostik, Resistograph und Fractometer auf hohle Stämme, Dichte und Festigkeit untersuchen, gebe es auch im Landkreis Verden. Solche Kontrollen kosten Geld. Aber es dafür auszugeben, ist in Vincent Janssens’ Augen besser, als zu warten, bis etwas passiert. Denn, dass gerade kein Auto die B 215 befuhr, als zur Mittagszeit die Linde abbrach, bedeutet für ihn nur eins: „Alle haben Glück gehabt.“  

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Mögliche Minister unter Rot-Gelb-Grün

Mögliche Minister unter Rot-Gelb-Grün

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Meistgelesene Artikel

Sabatier-Kunsthalle in Verden vor dem Abriss

Sabatier-Kunsthalle in Verden vor dem Abriss

Sabatier-Kunsthalle in Verden vor dem Abriss
Äpfel retten in Hagen-Grinden

Äpfel retten in Hagen-Grinden

Äpfel retten in Hagen-Grinden
Amazon und Stadt fordern Bahn zum Handeln auf: „Mehr Zugkapazitäten für Achim nötig“

Amazon und Stadt fordern Bahn zum Handeln auf: „Mehr Zugkapazitäten für Achim nötig“

Amazon und Stadt fordern Bahn zum Handeln auf: „Mehr Zugkapazitäten für Achim nötig“
„Unfreiwillig verzogen“

„Unfreiwillig verzogen“

„Unfreiwillig verzogen“

Kommentare