Hunderte freier Stellen zu besetzen

Amazon und Hello Fresh fegen Arbeitsmarkt leer

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Erneut gesunken: Die Arbeitslosenzahlen im Kreis Verden.

Amazon und Hello Fresh fegen den Arbeitsmarkt im Kreis Verden leer. Auch fürs Frühjahr melden sie Bedarf an.

Verden/Achim – Im Advent standen bei Amazon bis zu 2600 Menschen in Lohn und Brot, aber der Personalbedarf des Internetriesen am Standort Achim ist weiterhin riesig. „Allein für das erste Quartal 2022 kündigte das Unternehmen einen nächsten Bedarf von 450 Mitarbeitern an“, erklärte Christoph Tietje von der Arbeitsagentur Verden gestern im Rahmen der Jahrespressekonferenz.

Ähnliches gelte, vielleicht nicht ganz in diesen Ausmaßen, auch für den zweiten stark expandierenden Internetriesen im Landkreis, für Hello Fresh in Verden. „Das Essverhalten der Menschen hat sich halt in den Corona-Jahren verändert“, so Tietje. Und dann komme auch noch das Amazon-Verteilzentrum Oyten hinzu, das im Frühjahr mit rund 180 Leuten an den Start gehe. Alle drei, so der Agentur-Geschäftsführer, werden den Arbeitsmarkt des Landkreises Verden also auch in den kommenden Monaten stark beeinflussen. Die Frage ist eben nur, wie lange noch.

Schon jetzt hat der Arbeitsmarkt zwischen Ottersberg und Dörverden paradiesische Zustände angenommen. Während ringsum die Arbeitslosenquoten zum Jahresende leicht stiegen, entwickelten sich die Verhältnisse an Aller und Weser in umgekehrter Richtung. Sie sanken erneut. Von 3,2 auf 3,1 Prozent. Eine Quote am Rande der Vollbeschäftigung. Schon im gesamten Verlauf des zweiten Pandemiejahres bewegten sich die Zahlen nach unten, im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate lagen sie mit 3,6 Prozent um einen halben Prozentpunkt unter den Werten von 2020.

Allerdings stillen die Internetriesen ihren Personalhunger nicht allein im Kreis Verden. Gut die Hälfte der neuen Beschäftigten pendeln aus Bremen ein, ein weiteres Sechstel wohnt in umliegenden Landkreisen, aber längst sind es Amazon und Hello Fresh nicht allein, die sich auf die Suche nach Verstärkung begeben haben. Mehr als 7000 freie Jobs waren der Agentur vergangenes Jahr gemeldet worden, rund 75 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Im gesamten Agenturbezirk liegen die Branchen Logistik und Verkehr mit etwa einem Drittel der offenen Stellen vorn, gefolgt von Produktion und Fertigung, das etwa ein Viertel ausmacht.

Eine Branche fehlt? Die Pflegeeinrichtungen benötigen kein Personal mehr? Oder haben sie sämtliche Versuche aufgegeben, neue Leute zu finden? Nicht ganz. „Immerhin ist es gelungen, die gut 50 Ausbildungsplätze des Verdener Pflegeverbundes komplett zu besetzen“, sagt Petra Schütte vom Jobcenter Verden. Und noch eine zweite Komponente festigte sich. Waren in früheren Jahren viele Menschen über Zeitarbeitsfirmen in neue Jobs gelangt, so sei jetzt ein deutlicher Trend zu Direkteinstellungen auszumachen.

Ganze langjährige Bestandteile des Arbeitsmarktes haben sich verschoben. Die Geschichte mit den Minijobbern etwa. „Es sind weniger geworden“, sagen Tietje und Schütte übereinstimmend. In der Gastronomie zum Beispiel. Nach dem Lockdown, der Kurzarbeit und der nächsten drohenden Schließung seien eine Reihe von Kräften abgewandert, und dies oftmals in besser dotierte Voll- oder Teilzeitjobs. Auch aus dem Hartz-IV-Bereich verabschiedeten sich viele in einen Job.

Besonders gelitten hatten im Corona-Jahr die Selbstständigen ohne Mitarbeiter. Sie waren durchs Raster der vielen staatlichen Überbrückungshilfen gefallen. Von körpernahen Dienstleistungen bis zum Bauchtanz reichte die Palette der betroffenen Branchen. 53 Personen hatten allein im ersten großen Lockdown im Mai 2020 Leistungen aus dem Hartz-IV-Bereich beantragt. Inzwischen verabschiedete sich die Hälfte wieder aus dem sogenannten SGBII-Segment, dies allerdings häufig nicht, indem sie in ihren angestammten Broterwerb zurückkehrten, sondern anderweitig fündig wurden. „Sie haben einen Arbeitsvertrag in der Tasche.“

Amazon indes werde das Personal nicht weiter aufstocken, Hello Fresh hat zwischenzeitlich angekündigt, einen nächsten Produktionsstandort im Raum Magdeburg aufzubauen. Dennoch kündigten beide Bedarf an. „Das ist der Fluktuation geschuldet“, heißt sagt Tietje. Amazon etwa habe in den vergangenen Monaten 400 Kräfte verloren, die ersetzt werden mussten.

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