Fernweh in Zeiten der Pandemie / Amtsärztin: Lage kann sich schnell ändern

Am Ende wartet der Corona-Test

Wie hier am Dortmund Airport tragen Passagiere Mund-Nasenschutz. Die Anzeigetafel weist auf Sicherheitsabstand hin.
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Wie hier am Dortmund Airport tragen Passagiere Mund-Nasenschutz. Die Anzeigetafel weist auf Sicherheitsabstand hin.

Verden – Wer jetzt in ein Risikogebiet wie beispielsweise Indien reist, bringt sich in erhöhte Gefahr, an Covid-19 zu erkranken. Deshalb gibt es Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes für Länder wie Indien. Wer dennoch fährt, muss vielleicht schon bald damit rechnen, zu einem Test am Flughafen verpflichtet zu werden. Die Tests sollen für die Reisenden kostenfrei sein. Damit sollen andere geschützt werden, doch die Aussagekraft ist mit Vorsicht zu genießen. „Es ist ja nur eine Momentaufnahme“, kommentiert die Leiterin des Verdener Gesundheitsamtes, Jutta Dreyer, die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn. Aufschluss könne nur ein zweiter Test geben. Auch darüber werde im Gesundheitsministerium diskutiert.

Die Medizinerin kann durchaus verstehen, dass es die Menschen nach dem Lockdown erst recht in die Ferne zieht, rät aber eher ab. Man wisse ja nie, wie sich die Situation in einem Land oder einer Region entwickelt und nennt das Beispiel Österreich. Am Wolfgangsee ist die Zahl der Infizierten auf über 60 gestiegen. Dass sie sich plötzlich in einem Corona-Hotspot befinden, damit werden viele Urlaubsreisende wohl nicht gerechnet haben. Wer sich auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes vor der Reiseplanung informiert, wird deshalb zunächst diesen Satz lesen: „Lagen können sich schnell verändern und entwickeln.“

Jutta Dreyer verzichtet selber auf einen Urlaub im Ausland und rät auch anderen dazu. „Die Impfstoffentwicklung geht in die aktive Phase des Testens, vielleicht können wir schon bald mit einem Impfstoff rechnen. Und dann können wir auch wieder verreisen.“

Ausgenommen seien natürlich jene, die aus familiären Gründen reisen müssten. Wer sich danach an die Regeln halte, gefährde auch nicht die anderen. Jeder müsse sich aber seiner Verantwortung bewusst sein.

Auf jeden Fall sollte man sich tagesfrisch informieren, zum Beispiel auf den Internetseiten des Rober-Koch--Instituts, und dann für sich abwägen, welches Risiko man eingehen möchte. „Wer bereits angegriffene Organe wie Nieren oder Herz hat, sollte lieber zu Hause bleiben.“ Außerdem rät sie Reisenden, lieber 14 Tage mehr Urlaub beim Arbeitgeber zu beantragen als geplant. „Schließlich muss man mit einer 14-tägigen Quarantäne nach der Rückkehr rechnen.

Eine Infektion sollte niemals unterschätzt werden. „Wir haben Fälle, die asymptomatisch verlaufen. Dann kann man schon mal Probleme haben, dem Betroffenen zu erklären, warum er zu Hause bleiben muss. Wir haben aber auch Patienten mit langem Klinikaufenthalt, mit Gedächtnisproblemen oder einem Schwund der Leistungsfähigkeit beziehungsweise der Kondition.“ Vieles sei noch unbekannt. Auch über mögliche Langzeitschäden wisse man nicht viel.

„Von den 264 infizierten Personen im Landkreis sind mir 150 Fälle persönlich bekannt. Ein großer Teil huschte da so durch, der andere hatte oder hat noch immer zu kämpfen.“

Im Hinblick auf die bevorstehende kalte Jahreszeit hofft Dreyer darauf, dass es bald einen Impfstoff geben wird. Denn in geschlossenen Räumen hat das Virus wieder Chancen, sich zu verbreiten.

Gute Nachrichten hat die Amtsärztin aus der Gemeinde Oyten mitgebracht. „Inzwischen sind die letzten fünf Personen aus der Isolierung entlassen.“ Auch das Personal werde von der Vollschutzkleidung auf den allgemein üblichen Schutz umsteigen können, wenn ein weiterer für sie vorgesehener Test negativ ausfalle.

„Die Situation in dem Oytener Pflegeheim hat uns viel Kraft gekostet“, erinnert sich die Amtsärztin. Ihr Dank gilt zwei Hausärzten, die die Behandlung der Covid-19-Patienten nach den neuesten Erkenntnissen vorgenommen hätten. „Das sind meine Alltagshelden.“

Ruhe sei mittlerweile auch in den Wohnblocks am Niedersachsenring in Verden eingekehrt. Die meisten Bewohner seien aus der Isolierung entlassen worden. Bei zwei Personen müsse das Ergebnis der Abstriche noch abgewartet werden. Es habe aber keinen schweren Verlauf gegeben.

Von Erika Wennhold

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