1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Verden

ALV setzt auf Gleichberechtigung

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ronald Klee

Kommentare

Einen Schwerpunkt will die Arbeitsvermittlung im Kreishaus in diesem Jahr auf die Erhöhung der Frauenanteile bei Aktivierungen, Qualifizierungen und in der Folge auch bei der Integration in den Arbeitsmarkt legen.

Leute beim Bettenaufstellen
Die Teilnehmer der Maßnahme setzen gebrauchte Möbel instand und dann kommen sie in den Verkauf. © Landkreis

Landkreis – Der Fachkräftemangel und der trotz Corona wachsende Bedarf der Wirtschaft an Arbeitskräften lassen das kommunale Jobcenter der Arbeit im Landkreis Verden (ALV) zuversichtlich in die Zukunft blicken. Schwerpunkte setzt die kommunale Anstalt in mehr Geschlechtergerechtigtkeit und genderbewusster Ausbildung ihrer eigenen Mitarbeiter. Die strategische Ausrichtung erklärt sich aus dem Arbeitsmarktbericht, den Fachdienstleiterin Natalia Schäfer im Sozial- und Gesundheitsausschuss vorgelegt hat.

Mit mangelnder Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes hat das Jobcenter im Landkreis Verden nicht mehr zu kämpfen. In den 4500 meist kleinen und mittelständischen Betrieben im Kreisgebiet gebe es zwar zum Teil Unsicherheiten wegen Lieferengpässen und der Fachkräftemangel führe auch schon mal dazu, dass Produktionskapazitäten zurückgefahren werden müssten. Dennoch habe sich die Wirtschaft in der Pandemie als sehr stabil erwiesen und die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt auf einem hohen Niveau.

So scheinen die eher optimistischen Erwartungen für die Vermittlung der Klienten der ALV berechtigt. Der Bedarf in der Pflege und im Logistikbereich ist anhaltend hoch und das Jobcenter hofft auch in diesem Jahr wieder, dass zahlreiche Klienten in einem festen Job auf eigenen Beinen stehen können.

Der Abgang aus dem Leistungsbezug, zum Beispiel aufgrund von Arbeitsaufnahmen zeige, dass Unternehmen zunehmend bereit sind, Bewerberinnen und Bewerbern auch mit diversen Vermittlungshemmnissen eine Chance am Arbeitsmarkt einzuräumen. „Hier sind die positiven Auswirkungen des Fachkräftemangels deutlich spürbar“, kann der Bericht der Problemlage etwas Positives abgewinnen.

Zu den angedeuteten Hemmnissen gehört auch die schwere Vermittelbarkeit von Alleinerziehenden. Hier deute sich schon ein Teil des Problems an: In der Kartei der ALV seien 612 alleinerziehende Frauen zu finden und 29 Männer. Hier allerdings erhofft sich Petra Schütte, Fachdienstleiterin Arbeit, dass ein Landesprogramm mit EU-Mitteln etwas Bewegung in die ansonsten kaum lösbare Aufgabe der Vermittlung von Alleinerziehenden in Arbeit bringen kann.

Das Ungleichgewicht zwischen den Vermittlungserfolgen von Frauen und Männern geht aber deutlich tiefer. „Der Anteil von Frauen im Leistungsbezug liegt über dem der Männer. Ihr Anteil in Maßnahmen, bei der Integration in Arbeit und auch bei den Ausgaben im Rahmen der aktiven Leistungen rangiert – teils erheblich – unter dem der Männer“, ist das Ergebnis der Auswertungen in dem Bericht, der im Fachdienst Arbeitsvermittlung und Wirtschaftsförderung zusammengestellt wurde.

Diese Schieflage widerspreche dem gesetzlichen Auftrag des Jobcenters, Chancengleichheit auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt umzusetzen, macht Natalia Schäfer deutlich. Beratungs- und Vermittlungsfachkräfte in der Arbeitsvermittlung benötigten die entsprechenden Kenntnisse und Fertigkeiten in Theorie und Praxis.

Der Plan des Jobcenters ist deswegen, bei der Ausbildung der eigenen Mitarbeiter anzusetzen: „Sowohl intern umgesetzte als auch extern neu eingestellte Mitarbeitende, die in der Beratung oder Vermittlung eingesetzt werden, erhalten eine Genderschulung.“ Da sollen sie einen Überblick zur unterschiedlichen Berufswahl und dem Erwerbsverhalten von Frauen und Männern erhalten und sich mit Einkommensunterschieden und Frauenanteilen in bestimmten Berufen auseinandersetzen. Insgesamt sollen sie sensibilisiert werden, Geschlechtsunterschiede im Berufsleben zu erkennen und Beratungsansätze finden, die individueller und freier von Rollenklischees zur besseren Integration beitragen.

Absicht dahinter ist die Steigerung der Frauenanteile vor allem in handwerklichen und technischen Bereichen. Dafür sollen spezielle Frauenangebote entwickelt werden, die den Einstieg erleichtern sollen, ansprechend sind und einen Mehrwert im privaten und beruflichen Kontext aufzeigen.

Für Frauen soll es in 2022 weitere Angebote geben, um den Benachteiligungen entgegenzuwirken. Individuelle und nachhaltige Vermittlungen – auch über Qualifikationen – müssten im besonderen Fokus der Tätigkeit im Jobcenter bleiben.

Die ALV wird allerdings ihr vielfältiges Projekt- und Programmangebot aufrechterhalten. Ausbau von digitalen Angeboten, Sprachförderung durch praktische Arbeit, potenzialorientierte Vermittlungen, angelegt auf einen nachhaltigen Verbleib am Arbeitsmarkt, stehen im Mittelpunkt der Arbeit. „Die Fachkräftesicherung ist und bleibt kontinuierlich ansteigend die Herausforderung am Arbeitsmarkt. Hier wird das größte Risiko für die künftige Geschäftsentwicklung gesehen“, fasst der Bericht die Ergebnisse seiner Analyse zusammen.

Von Ronald Klee

Das Gebrauchtmöbellager ist als Qualifizierungsmaßnahme seit Jahren eine Erfolgsgeschichte der ALV.
Das Gebrauchtmöbellager ist als Qualifizierungsmaßnahme seit Jahren eine Erfolgsgeschichte der ALV. © Landkreis

Auch interessant

Kommentare