„Jüdisches Leben in Verden“

Ein altes Buch und seine Geheimnisse

Jochen Benner, Schulleiterin Dorothea Blume, Reinhard Nitsche und Kilian Lührs (v. l.) präsentierten die Ausstellung und Vorträge über jüdisches Leben in Verden. Foto: klee
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Jochen Benner, Schulleiterin Dorothea Blume, Reinhard Nitsche und Kilian Lührs (v. l.) präsentierten die Ausstellung und Vorträge über jüdisches Leben in Verden.

Verden – Wenn man sich mit jüdischem Leben befasst, stößt man unweigerlich auf das Thema Antisemitismus. Das ging nicht nur den Aktiven im Dokumentationszentrum Doz 20 so, als sie anfingen, die Verdener Geschichte der Glaubensgemeinschaft und ihrer Anhänger aufzuarbeiten. Auch Reinhard Nitsche, Lehrer am Domgymnasium, und sein Schüler Kilian Lührs stießen unerwartet und immer wieder auf den Judenhass, als sie sich mit einem der Schätze der historischen Bibliothek näher auseinandersetzten. Gemeinsam treten sie am 15. November im Rathaus mit einer Ausstellung und Vorträgen an, um davon zu berichten.

„Das Grundgesetz sichert allen Bürgern die ungehinderte Ausübung der Religion zu. Wenn jetzt aber schon offiziell gewarnt wird, eine Kippa zu tragen, sagt das doch, dass der Staat nicht mehr leisten kann, das Grundgesetz durchzusetzen“, sagte Jochen Benner vom Doz 20 im Pressegespräch. Für den Zusammenschluss Geschichtsinteressierter sei damit allemal Anlass genug gegeben, sich mit dem „Jüdischen Leben in Verden“, so der Titel ihrer Ausstellung, auseinanderzusetzen. Dem, was da über Jahrhunderte an Hass geschürt wurde, will Doz 20 mit Aufklärung begegnen.

Auch das soll die Ausstellung leisten, die bis zum 29. November im Rathaus zu sehen sein wird. „Zwischen Tradition und Tragödie“ ist der Untertitel der Präsentation. Sie dokumentiert das Thema von den Anfängen bis in die 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein.

Auf ein paar Zwischenstationen dieser oftmals düsteren Karriere der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Europa stießen auch Reinhard Nitsche und Kilian Lührs, als sie sich mit einem dicken Buch aus der historischen Bibliothek befassten, die der ehemalige „Landrath Pfannkuche“ hinterlassen hat. Der Inhalt, die Jüdischen Altertümer des antiken Historikers Flavius Josephus, ist als Text allgemein verfügbar. Dass das Druckwerk 1581 entstand, macht es schon mal für sich interessant. Als die beiden dann in dem alten Wälzer handschriftliche Blätter fanden, die ebenfalls alt waren, wurde es spannend.

Nitsche und Lührs forschten den ehemaligen Besitzern hinterher, die sich im Buch verewigt hatten, und konnten den Weg zumindest bis ins 17. Jahrhundert rekonstruieren. Die handschriftlichen Texte ließen sie wissenschaftlich einschätzen. „Eines scheint zu einem Theaterstück zu gehören“, berichtete Nitsche. Es gebe den Prozess gegen Jesus wieder, mit all den biblischen Figuren.

„Offenbar ist es darauf ausgelegt, die Juden als Christusmörder zu beschuldigen“, fasste Nitsche zusammen. Mit diesem Dokument, das eine Grundlage für die Ablehnung von Juden lieferte, stehe eine Legende in enger Verbindung, die seit dem frühen 17. Jahrhundert auch in schriftlicher Form kursierte. Nach und nach, unterstützt von Umformungen des Textes, sei dann eine antisemitische Schrift daraus geworden. „Und die war enorm populär“, hat Nitsche herausgefunden. So populär, dass sie in die Volkssagen eingegangen ist, und allgemein als Dokument für den Judenhass gelten darf, der sich durch die Jahrhunderte zieht. Genaueres will Nitsche zur Eröffnung in einem Vortrag berichten.  kle

Ausstellungseröffnung:

„Jüdisches Leben in Verden“ wird am Freitag, 15. November, um 18 Uhr, im

Verdener Rathaus eröffnet.

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