Abschlusskonzert der Maiklänge erinnert an den Ausbruch des Weltkrieges vor 80 Jahren

Die alten, bösen Lieder

Im Domgymnasium zu Verden findet der Anschluss der Maiklänge statt. Foto: kracke

Verden – Am Tag der Europawahl, 26. Mai, steht der Abschluss des Kammermusikfestes Maiklänge am Domgymnasium mit einem Thema von europäischer Tragweite auf dem Programm: Im Gedenken an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren werden um 18 Uhr unter dem Titel „Die alten, bösen Lieder“ vor allem Werke der Neuen Musik zu Gehör gebracht. Unter Bezugnahme auf das Gedicht von Heinrich Heine, in dem es heißt „Die alten, bösen Lieder, die Träume schlimm und arg, die lasst uns jetzt begraben, holt einen großen Sarg.“, wird an ein düsteres Kapitel europäischer Geschichte gedacht.

Als das Hitlerreich über seine Nachbarn herfiel, hätte man sich gemeinsame europäische Wahlen – friedlich und frei – nicht im Traum ausmalen können. Das musikalische Gedenken wird, wie das Gedicht, eine nachdenklich-versöhnliche Grundhaltung haben. Diese kann nicht nur in der Auswahl der Komponisten für den Abend und deren musikhistorischer Einordnung wiedergefunden werden. „Auch die Musik selbst, dargeboten von Künstlern, die ihre Wurzeln in zehn Ländern und auf drei Kontinenten haben, schafft eine Atmosphäre, die eher das menschliche Miteinander thematisiert“, heißt es in der Ankündigung des Dogs. Es sei gleichzeitig das ausdrucksstärkste Konzert des Festivals in diesem Jahr, wenn tänzerische Folklore auf mahnende Trauergesänge trifft und innige Melodik von mitreißender Rhythmik abgelöst wird. Allen Werken gemein sind die tragischen Umstände der Entstehung – davon ausgenommen vielleicht Prokofjews Bearbeitung hebräischer Themen, die jedoch als musikalisches Denkmal für sich selbst stehen.

Das Erinnern an eines der düstersten Kapitel deutscher und europäischer Geschichte ist gleichsam ein großes Finale des Internationalen Kammermusikfestes und beinhaltet das facettenreiche Klangbild unterschiedlichster Künstler, Stile und auch verschiedenster Initiale, aus denen die Musik entstanden ist. Mit zwei Trios (Dmitri Schostakowitsch, Gideon Klein) und drei Sextetten (Sergej Prokofjew, Erwin Schulhoff, Richard Strauss), alle komponiert im 20. Jahrhundert, werden noch einmal alle Instrumente und Musiker der Maiklänge zu hören sein. Gemeinsam haben alle Werke, dass sie auf ihre Art und Weise an die Freiheit des Geistes, die Freiheit der Künste und auch an die Freiheit des Menschen appellieren.

Am Tag der Europawahl scheint es fast eine musikalische Ermahnung zu sein, sich um die friedlichen Geschicke der Welt zu bemühen, dass keine Menschen Opfer von politischer Willkür und auch keine Künstler ihrer Freiheit im Ausdruck beraubt werden dürfen.

Wer allerdings selbst zuhörender Teil des dritten Internationalen Kammermusikfestes Verden werden möchte, sollte schnell handeln: Zwar sind Eröffnungskonzert (24. Mai, 20 Uhr) und Matinée (26. Mai, 11.30 Uhr) bereits ausverkauft, doch für die Soirée (25. Mai, 18 Uhr) und das Abschlusskonzert (26. Mai, 18 Uhr) gibt es noch Eintrittskarten im Vorverkauf bei der Tourist-Info in Verden, im Sekretariat des Domgymnasiums oder auf der Internetseite unter maiklaenge.domgymnasium-verden.de.

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