Erste Ernte von der Streuobstwiese in Eissel versteigert

Alte Tradition wiederbelebt

Liane Rickels ersteigerte die ersten Äpfel der Sorte „Kaiser Wilhelm“. Heinrich Kersten hilft beim Pflücken.
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Liane Rickels ersteigerte die ersten Äpfel der Sorte „Kaiser Wilhelm“. Heinrich Kersten hilft beim Pflücken.

Verden-Eissel – Acht Apfel- und vier Birnenbäume sind im November des vergangenen Jahres im Rahmen einer Pflanzaktion des Heimatvereins Eissel auf der ehemaligen Schulweide am Südende des Eisseler Sees gepflanzt worden. Unterstützung für diese Aktion gab es von der Stadt Verden. Nun tragen die Bäume die ersten Früchte. Einer alten Tradition folgend wurde das Obst am Sonntag versteigert. Der Erlös fließt in die Kasse des Heimatvereins.

Die ehemalige Schulweide, auf der die Streuobstwiese angelegt wurde, befindet sich im Besitz der Stadt Verden. Früher wurde sie vom Dorfschullehrer genutzt und diente neben dem Schulgarten der Selbstversorgung. „Wir haben uns bei der Auswahl der Obstbäume auf hier traditionell angebaute Sorten beschränkt, die aus dem Erwerbsanbau verschwunden sind und teilweise eine norddeutsche Herkunft aufweisen“, berichtet Peter Gartelmann vom Heimatverein. Dass die ersten Äpfel und Birnen an den Zweigen hängen, ist auch der tatkräftigen Hilfe vieler Eisseler zu verdanken, die die Bäume während der Trockenperiode regelmäßig bewässerten.

Günter Palm, Kenner der Eisseler Heimatgeschichte, weiß, dass Obstbäume früher an der Nordostseite der vom Ortsausgang von Eissel bis zum Deich in Richtung Halsmühlen verlaufenden Kopfsteinpflasterstraße, der heutigen K 27 standen. Bereits in einem Protokoll einer Gemeinderatssitzung aus dem Herbst 1942 sei erwähnt, dass die Verteilung des Obstes an der Gemeindestraße an die „Gemeindeeingesessenen“ erfolgen soll. Alljährlich im Herbst sei in den 1950er- und 1960er-Jahren die Versteigerung der Äpfel zum Selberpflücken durch den Dorfschullehrer Ludwig Fricke in seiner Funktion als Kassenverwalter der Gemeinde Eissel durchgeführt worden.

„Ausgestattet mit Notizblock, Stift und einer provisorischen Kasse ging er gemeinsam mit interessierten Dorfbewohnern und einer großen Kinderschar hinter sich mehr als einen Kilometer von Baum zu Baum bis kurz vor dem am Deich gelegenen Haus „Deichschröder“. Nach einer ersten Einschätzung des Fruchtstandes begann er mit der Versteigerung der Äpfel eines jeden Baumes zum Selberpflücken. Für mich als Kind gehörte es zu den Höhepunkten eines Jahres, wenn ich gemeinsam mit meinen Geschwistern, mit Körben und Taschen ausgestattet, den Baum erklimmen durfte, um die Äpfel zu ernten, die unser Vater ersteigert hatte. In anderen Bäumen pflückten meine Freunde aus dem Dorf Äpfel für ihre Familien. Die Erwachsenen ernteten auf ihren Leitern stehend, die sie aus ihren Häusern und von ihren Höfen hergeschleppt oder auf Anhängern hinter ihren Traktoren hergebracht hatten“, erinnert sich Palm.

Diese schöne Tradition endete 1966, als der Gemeinderat den Beschluss für die Planierung und den Ausbau des Fuß- und Fahrradweges fasste und die Obstbäume fällen ließ. „Wohl mindestens 30 Obstbäume werden es gewesen sein, die Mitte der 1960er-Jahre, also viele Jahre vor dem Ausbau der Straße zu einer Kreisstraße, entfernt wurden. Nicht nur die Bäume, sondern auch ein altes Brauchtum waren unwiederbringlich verloren gegangen“, bedauert Palm.

Umso mehr freuen sich die Eisseler, dass diese Tradition nun wieder auflebt, auch wenn die diesjährige Ernte noch sehr überschaubar ist. Für 20 Euro ersteigerte die Eisselerin Liane Rickels die Äpfel der Sorte „Kaiser Wilhelm“. Ortsbürgermeisterin Sabine Patzer-Janßen bekam für 15 Euro einige „Golparmänen“. Die beiden ersten Birnen gingen schließlich für sieben Euro an Elke Meyer aus Eissel.

Wildbienenhabitate und ein Pfahl als Nistmöglichkeit für ein Storchenpaar sollen die neue Streuobstwiese in Eissel bald noch attraktiver machen.  ahk

Eine Eisselerin in den 1950er-Jahren vor den Obstbäumen entlang der Chaussee von Eissel nach Verden.

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