Klaus Köhler und sein Circus Belly sind auch durch eine Pandemie nicht zu erschüttern

„Alte Komödianten“

Kleider machen Leute: Kaum ist er in seine Gala-Uniform geschlüpft, wird aus Klaus Köhler der Herr Direktor des Circus Belly.
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Kleider machen Leute: Kaum ist er in seine Gala-Uniform geschlüpft, wird aus Klaus Köhler der Herr Direktor des Circus Belly.

Verden – „Lassen Sie Ihren Kummer draußen“, lädt der Sprecher das Publikum ein. Und die großen und kleinen Zuschauer, die im Zelt des Circus Belly Platz genommen haben, lassen sich nur zu gern entführen in die Welt von Clownerie und Artistik.

Sicher hätten es noch ein paar Gäste mehr sein können, auch wenn alle Logen besetzt sind. „Sieht mager aus“, sagt Zirkusdirektor Klaus Köhler mit Blick auf die Ränge, um dann gleich wieder Optimismus zu verbreiten. Am Wochenende, ist er sich sicher, werden auch die hinteren Plätze besetzt sein. Natürlich nur, soweit es die Abstandsregelungen zulassen. Die Hygienevorschriften gelten auch im Circus Belly.

Noch bis einschließlich Sonntag gastiert der auf dem Warwickplatz. Nach Bremen und Delmenhorst ist Verden der dritte Auftrittsort nach der Corona-Zwangspause.

„Wir freuen uns darüber, dass wir wieder starten können“, sagt Klaus Köhler. Dabei wirkt er, als könne er es immer noch nicht ganz fassen, was da gerade passiert. „Mein Großvater hat zwei Weltkriege mitgemacht – und konnte immer spielen.“ Es brauchte ein Virus, um die Welt stillstehen zu lassen.

Ein halbes Jahr saßen Köhler und seine Leute – 22 Menschen – in Oberneuland fest. „Gestrandet“, sagt der 71-Jährige. Aber klagen will er nicht. Trotz der fehlenden Einnahmen. Da habe es ja Hilfe vom Bund gegeben.

Jammern, scheint es, entspricht so gar nicht seinem Naturell. Stattdessen erinnert Klaus Köhler sich lieber an das Gute, das ihm und seinem Familienunternehmen widerfahren ist. Kostenlos sei dem Circus Belly ein Grundstück zur Verfügung gestellt worden. „Und einige Landwirte haben uns mit Futter für unsere Tiere versorgt.“

Auch die Stimmung innerhalb der Belegschaft habe während des unfreiwilligen Stopps nicht gelitten. „Wir können alles ab“, sagt der Zirkusdirektor. „Wir haben Arbeit ohne Ende.“ Die Zeit sei eben genutzt worden für Reparaturen und zum Einstudieren neuer Nummern.

Was ihm gefehlt hat, war der Alltag, der sich alle paar Tage in einer anderen Stadt abspielt. „Wir müssen reisen. Das ist unser Leben.“ Die Lust daran wurde Klaus Köhler schon in die Wiege gelegt, als er im Dezember 1948 in Bispingen das Licht der Welt erblickte. „Alte Komödianten“ nennt er sich und seine Vorfahren.

Wie viele Zirkus-Generationen seine Familie bereits hervorgebracht hat, vermag er nicht zu sagen. Aber die blauen Augen blitzen, wenn er ins Erzählen kommt. Von seinem Großvater mütterlicherseits, auch ein Klaus, der sein Publikum als Harfenspieler und tollkühner Todesspringer unterhielt. Von seiner Mutter Leah, die seinem Vater Max als Seiltänzerin so den Kopf verdrehte, dass dieser irgendwann den bürgerlichen Beruf eines Flugzeugkontrolleurs aufgab, um Zirkuskünstler zu werden. Oder von den 6 Kindern und 14 Enkeln. Die meisten von ihnen sind ebenfalls im Zirkus zu Hause. Sie sind die jungen Komödianten –  und die Gewähr, dass die Familientradition fortgeführt wird.  kp

Mit 16 Jahren verwirklichte Yvon Hort ihren Traum und ging zum Zirkus. Ihre Devise in der Krise: „Einfach nicht den Kopf hängen lassen.“
Die Show geht weiter: Verden ist seit Ende der Zwangspause die dritte Station. Schwarmstedt und Wunstorf sind die nächsten Spielorte.

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