Altbischof Axel Noack spricht über sein Leben als Theologe in der DDR

Geredet über das, was man nicht sagen durfte

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Altbischof Axel Noack (l.) im Gespräch mit Dr. Christian Frühwald.

Verden - Ein interessanter Gast hat auf dem blauen Sofa im Gemeindezentrum St. Nikolai Platz genommen und sich den Fragen von Pastor Dr. Christian Frühwald zu Kirche und Politik gestellt: Altbischof Axel Noack. Als Studenten- und Kreisjugendpfarrer in der DDR war er in Merseburg tätig, anschließend wirkte er lange Jahre als Gemeindepfarrer in Wolfen im Kirchenkreis Bitterfeld.

Von 1997 bis 2008 war Axel Noack Bischof der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen mit Dienstsitz in Magdeburg. Von 1991 bis 2003 gehörte er dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland an und er ist seit 2005 dessen Beauftragter für den missionarischen Dienst der Kirche. Heute ist Axel Noack als Professor für jüngere Kirchengeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle tätig.

Altbischof Noack war schon früh von der evangelischen Schülerarbeit in Halle geprägt. „Wir haben viel gelesen und diskutiert, über das, was man in den Schulen nicht sagen konnte.“ Dadurch sei auch die Überzeugung gewachsen, den Wehrdienst zu verweigern. Ein Mathematikstudium war nun nicht mehr möglich, stattdessen studierte Noack Theologie an der Kirchlichen Hochschule in Naumburg. „So bin ich Pfarrer geworden, darüber kann man nicht jammern.“

40 Jahre lang war Noack Mitglied der Landessynode. Bereits als 19-jähriger war er Jugendsynodaler, später Mitglied der Synode der Kirchenprovinz Sachsen. 1986 wurde er Mitglied der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR sowie der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR.

Ob er denn ein Faible für kirchliche Gremien habe, wollte Dr. Frühwald von ihm wissen. „Das waren demokratische Übungen. Die demokratischen Spielregeln haben uns als Schüler fasziniert“, lautete die Antwort. Man habe sich gemeinsam bemüht, Kompromisse zu finden. Die Synode war damals öffentlich, da habe es schon manchmal im Raum geknistert, wenn einer etwas Kritisches gesagt hat.

Wie er die Staatssicherheit damals erlebt habe, wollte Frühwald wissen. „Ich habe immer versucht, dass wir ganz offen sprechen. Man durfte nicht anfangen zu suchen, wer von der Stasi ist.“ Natürlich sei er nach der Wende enttäuscht gewesen als er in den Akten gelesen hatte, wer als Spitzel tätig war. „Aber gerade in der Studentengemeinde durfte man das nicht an sich herankommen lassen. Wenn wir nur noch Angst gehabt hätten, dann hätten sie gewonnen“, berichtete Noack.

Auch seine Wohnung sei mehrfach durchsucht, Telefongespräche abgehört und Schriftproben von seiner Schreibmaschine genommen worden. „Die waren in der Wohnung und man hat es nicht gemerkt“, wundert er sich noch heute. Als Pfarrer hätte man allerdings eine gewisse Narrenfreiheit gehabt. „Wer sich klar als Christ bekannte, hatte es leichter.

Wann er zum ersten Mal bemerkt habe, dass sich in der DDR etwas bewegt, war die nächste Frage Frühwalds. „Die Anfänge gab es schon kurz nach dem Krieg mit den Friedensbewegungen, die von den Kirchen stark unterstützt wurden.“ 1989 aber sei eine Generation herangewachsen, die nie frei entscheiden konnte, ob sie im Westen lebe möchte. Die einzelnen Gruppen hätten sich schließlich untereinander vernetzt. So seien auf den regionalen Kirchentagen Gruppen aus der ganzen DDR zusammengekommen. „Da sind dann schon wesentliche Sachen passiert.“ Ein herausragendes Ereignis sei dann der Kirchentag 1983 in Wittenberg gewesen, an dem Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet wurden. „Das war ein großer Durchbruch.“

ahk

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