Jazz- und Blues-Tage überbieten sich selbst

Alpenhorn rockt altehrwürdige Bühne

Im Portofino präsentierte Elisabeth Lee’s Cozmic Mojo scharf gewürzte Musik für alle, die sich durchdrängeln konnten.

Verden - Von Christel Niemann. Die Nachtschwärmer sind bei den Jazz- und Blues-Tagen am Sonnabend in Verden voll auf ihre Kosten gekommen. 14 Konzerte verschiedener Stilrichtungen von Rock bis Schlager und Salsa bis Funk an ebenso vielen Veranstaltungsorten, das bekommt man schließlich nicht alle Tage geboten. Und wenn der Spruch von von der „Qual der Wahl“ seine Berechtigung hat, dann sicher an diesem Abend.

Tausende Besucher bummelten in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag zu Fuß oder mit dem Fahrrad von Kneipe zu Kneipe und feierten bei den Auftritten verschiedener nationaler und internationaler Bands. Das nächtliche Musikspektakel hielt für viele Geschmäcker das Passende bereit, während von Petrus die optimale Witterung beigesteuert wurde.

Ein gelbes Bändchen war dabei die Eintrittskarte in die Welt der Livemusik und in ein ultimatives Vergnügen, das mühelos an die Erfolge der Vorjahre anknüpfte, sie vielleicht sogar noch übertrumpfte.

Die Scherrzither gilt als bäuerliches Saiteninstrument, aus dem die Musiker aus dem Süden aber ganz andere Töne herausholten.

Obwohl die Veranstaltungsflyer im gesamten Innenstadtbereich auslagen, verließen sich die meisten Kneipen-Hopper doch eher auf ihren Instinkt. Denn dort, wo besonders viele Menschen in die Kneipen und Konzertstätten drängten, schien die Musik besonders gut zu sein. Die Folge waren teilweise lange Schlangen vor den Eingängen und im Inneren der Kneipe Zwangs-Tuchfühlung für die Musikfreunde, die sich fast überall dicht an dicht drängelten.

Wer sich mühsam einen Platz ergattert hatte, gab ihn schließlich nicht so schnell wieder auf. Bettina Reuter und ihr Mann Oliver hatten am Sonnabend in der Nagelschmiede kein Glück. Bereits im Eingangsbereich sammelten sich die Gäste.

Das Paar ist seit Jahren Stammgast der Kneipennacht „aber so voll war es noch nie“, fanden sie und nahmen alternativ im Außenbereich der Kneipe Platz. „Hier hört man die Musik ja auch noch sehr gut“, nahmen sie die Situation ganz entspannt und locker. Denn bis auf die Straße drangen die Klänge der Musiker, die bei dieser riesigen Party auch ihr Publikum draußen noch spielend mitrissen.

Im Domgymnasium fand sich alles ein, was Lust auf eher experimentelle Musik hatte. Der Weg sollte sich lohnen, denn das Publikum liebte am Ende die Kerberbrothers Alpenfusion. - Fotos: Niemann

Über mangelnde Stimmung konnte sich ohnehin niemand beschweren und so gab es vermutlich keinen Konzertort, an dem das Publikum nicht in Bewegung geriet. Unmöglich, an dieser Stelle sämtliche Bandauftritte zu kommentieren. Das vermutlich außergewöhnlichste Konzert der Musiknacht fand diesmal in der Aula des Verdener Domgymnasiums statt, wo die Kerberbrothers Alpenfusion mit einer für norddeutsche Ohren ungewohnten Mischung aus Volksmusik und Jazz das Publikum begeisterte.

Traditionelle folkloristische Instrumente und Grundmelodien, verbunden mit Texten im bayerischen Dialekt, jedoch sehr rockig inszeniert, das kam sogar generationsübergreifend erstaunlich gut an und wurde hin und wieder von einem stimmgewaltigen Chor – dem Publikum – begleitet. Transglobalen Alpenjazz betitelt die in Oberstaufen im Allgäu beheimatete Formation ihren Stil, der mitreißende, auf klassischen Instrumenen gespielte Rhythmen mit Alphorn und Scherrzither oder Contemporary Jazzgroove mit Jodler, Zither und Hackbrett verknüpft und derart volkstümlich Musik mit dem aktuellen Zeitgeist verbindet.

Der Auftritt im Norden muss den Künstlern aus dem Süden selbst mächtig Spaß gemacht. „Es ist schön hier, und ihr seid ein tolles Publikum. Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder“, würdigte Andreas Kerber das dankbare Publikum und den besonderen Abend in Verden.

Abschlusskonzert "Jugend jazzt" in Verden

Verdener Jazz und Blues Tage - Frühstück und Workshop

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