Nachtwächter Hanns-Conrad Armbrecht nimmt Gäste mit auf seine Tour

Alle dunklen Ecken in Augenschein genommen

Der Nachtwächter Hanns-Conrad Armbrecht mit seinen Lehrlingen Timo und Larissa. - Foto: Leeske

Verden - Der Verdener Nachtwächter Hanns-Conrad Armbrecht drehte auch am Weihnachtsfeiertag seine Runden zu nächtlicher Zeit in der Verdener Altstadt. Es galt wie immer, die Reiterstadt vor Dieben und Feuer zu schützen und deswegen freute sich Armbrecht in der Rolle des Nachtwächters auf die Unterstützung einiger Gäste auf dem Rundgang.

Unterwegs erzählte der Experte in Sachen Sicherheit zu nächtlicher Zeit natürliche einige pikante Anekdoten, die er als Nachtwächter erlebt hat. Zunächst kontrollierte der Wächter das Erscheinungsbild seiner Begleiter. Denn laut Gesetz war es den Verdenern untersagt, durch bunte Socken oder auffällige Schuhe Aufmerksamkeit auf ihre krummen Beine oder Füße zu lenken. „Mit euren roten Schuhen dürft ihr gerade noch mit“, erwies sich der Nachtwächter bei der Kontrolle an den Rathaustreppen noch gnädig. Außerdem verwies er auf die Pflicht der Stadtbürger, nach Einbruch der Dunkelheit eine Nachtlampe mit sich zu führen. „Wer keine Lampe dabei hat, muss dicht bei mir bleiben, sonst droht eine Nacht im Kerker“, ermahnte Armbrecht.

Sogleich wurde den Gästen die sogenannte Beamtentränke am Rathaus gezeigt und die Bedeutung des Bauwerks, das den Verlauf der Aller darstellt, erklärt. „Aus diesem Brunnen kommt aber nur Wasser, obwohl wir seinerzeit in der Allerstadt mit dem guten Wasser aus den Dünen 60 Brauereien hatten“, klärte Armbrecht die zahlreichen Besucher auf.

Außerdem wurde die Bedeutung des Verdener Stadtwappens erläutert. „Dieses Wappen wurde vor Ort einfach in den Boden gerammt, um Feldgottesdienste zur Missionierung der ungläubigen Sachsen durchzuführen“, so Armbrecht. Über eine Station am Denkmal für die 60 verschleppten Verdener Bürger jüdischen Glaubens schaute der Nachtwächter bei der Kirche St. Johannis nach dem Rechten und zeigte seinen Begleitern eine Nische neben dem Eingang in das Gotteshaus. In dieser Nische mussten unverheiratete schwangere Mädchen sich der Pein der Kirchengemeinde nach dem Gottesdienst stellen. Passend dazu patroullierte der Aufpasser mit seinen Helfern danach die verruchteste Ecke in der Verdener Nordstadt, den Petersiliengang. Dort sollen die Damen, die ihre Liebesdienste gegen Entgelt angeboten haben sollen, mit einem Petersiliensträußchen die Bereitschaft dazu signalisiert haben. Am Brunnen an der Herrlichkeit erläuterte der Nachtwächter die Besitzverhältnisse dieses Straßenzuges: „Hier besaß die Geistlichkeit der Südstadt einige Ländereien in der bürgerlichen Nordstadt und deswegen nannten die Verdener Bürger die Straße Herrlichkeit in Anspielung auf den Bischoff.“ Am Dom gab der Nachtwächter eine Demonstration seiner Sangeskunst zum Besten, da die Wachleute damals so untereinander in der stillen Nachtruhe kommunizierten. - lee

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