Politik und Bioverbände im Gespräch

Agrarausschuss diskutiert über die Zukunft der Landwirtschaft

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Aus dem Publikum forderte Grünen-Kandidatin Doris Gerken konkrete Antworten von den Politikern.

Verden - Pestizidbelastungen, Massentierhaltung, Überdüngung und Artenschwund haben dafür gesorgt, dass die konventionelle Landwirtschaft zunehmend in der Kritik seht. Brauchen wir eine Neuausrichtung für die Betriebe?

Was kann oder muss die Agrarpolitik regeln? Welche Rolle kann der ökologische Landbau dabei spielen? Über Fragen wie diese diskutierten Vertreter der Fraktionen des Agrarausschusses im Niedersächsischen Landtag im Niedersachsenhof. Eingeladen hatten Verbände der Biobranche.

Landwirtschaft und Naturschutz in Einklang bringen

Bioland, Demeter, Naturland und der Öko-Obstbau Norddeutschland (ÖON) waren auf dem Podium vertreten und fachkundige Vorträge steuerten Dr. Holger Buschmann vom Nabu und Biolandwirt Thomas Morgenstern bei. Als Vertreter der Fraktionen diskutierten Renate Geuter (SPD), Otto Deppmeyer (CDU), Hans Joachim Janßen (Bündnis 90/die Grünen) und Hermann Grupe (FDP). Die Moderation hatte Dr. Tanja Busse übernommen.

Diskutierten über die Zukunft der Landwirtschaft: Dr. Holger Buschmann (Nabu), Hermann Grupe (FDP), Hans Joachim Janßen (Bündnis 90/die Grünen), Dr. Tanja Busse, Otto Deppmeyer (CDU), Renate Geuter (SPD) und Harald Gabriel (LÖN) (v.l.).

Nabu-Referent Buschmann betonte, dass es wichtig sei, landwirtschaftliche Nutzung und Naturschutz in Einklang zu bringen. „Das Problem von heute ist die Industrialisierung. Es heißt: wachse oder weiche“, sagte Buschmann. Dabei würden kleinere Betriebe eine größere Vielfalt bedeuten. Ein weiteres Problem sei die Überdüngung durch zu hohe Tierbestände pro Fläche. Als weiteren Faktor nannte er die steigende Pestizidbelastung.

Ziel: Landwirte sollen auf ihren Beruf stolz sein können

Der Einsatz von Glyphosat habe erhebliche Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Das gleiche gelte für die als Insektengift eingesetzten Neonicotinoide. „Wir müssen in unserer Agrarpolitik dringend umdenken“, forderte Buschmann. Die Förderpraxis müsse so umgestellt werden, dass die Landwirte profitierten, die etwas für die Umwelt tun: „Das Ziel ist, dass Landwirte wieder stolz auf ihren Beruf sein können.“

Auch im biologischen Landbau sei die Lage nicht befriedigend, sagte Thomas Morgenstern als „Biolandwirt der ersten Stunde“. Dabei böte der ökologische Landbau die Chance, wirtschaftlich zu arbeiten. Schon jetzt sei es gelungen, den Milchpreis zu entkoppeln, auch der Getreidepreis befinde sich auf hohem Niveau. Unverständnis äußerte er darüber, dass der Anteil der ökologischen Landwirtschaft in den letzten 25 Jahren nicht gestiegen ist. Er könne allerdings verstehen, dass sich viele Landwirte scheuen, ihren Betrieb umzustellen. „Stellt man Flächen auf ökologischen Landbau um, muss man zweieinhalb Jahre überbrücken, bis man Geld verdient.“ Morgenstern fordert von der Politik höhere Umstellungshilfen.

„Wir müssen weniger Tiere besser halten“

In der anschließenden Diskussion betonte Janßen, wie wichtig es sei, dass alle Landwirte von ihrem Einkommen leben können. Außerdem müssten die „Nebenwirkungen“ der Landwirtschaft so in den Griff bekommen werden, dass die Umwelt nicht belastet werde. Daher sei er im Grundsatz auch froh über die neue Düngeverordnung, selbst wenn es im Detail noch Ungerechtigkeiten gebe. Die schwindende Artenvielfalt sei ein großes Problem, daher müssten die Fördergelder mehr auf den Erhalt der Biodiversität ausgerichtet werden.

Für Grupe ist das Hauptziel, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen. Daneben sollte es keine Grabenkämpfe zwischen ökologischen und konventionellen Betrieben geben. Die Düngeverordnung bezeichnete er als „kontraproduktiv“. Man dürfe die Probleme nicht verallgemeinern. Als Lösung schlug er vor, den Dünger besser zu verteilen.

Dem widersprach Harald Gabriel vom Vorstand der Landesvereinigung Ökolandbau Niedersachsen (LÖN). „Wir haben zu viele Tiere in Niedersachsen, wir müssen weniger Tiere besser halten.“ Auch in Bezug auf die Pestizide wurde heftig diskutiert, gerade beim Einsatz von Glyphosat schieden sich die Geister. Im Endeffekt waren sich aber alle einig, dass der Ackerbau anders werden müsse.

ahk

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