Ali Suhib startet beim Verdener Stadtlauf

Afrikateam läuft ohne Startgebühr

Ali Suhib freut sich auf den Verdener Stadtlauf. - Foto: Jürgen Thiele

Verden - Von Jürgen Thiele. Erst startet er beim Verdener Stadtlauf am 26. August. „Später möchte ich Millionär werden!“, als er diesen Satz beendet, muss er selbst lachen: Der 24-jährige Ali Suhib kommt aus dem Sudan. Nach seiner Flucht, die drei Monate dauerte, lebt er seit einem Jahr in Verden.

Der Lehrer aus Afrika wartet auf seine Anerkennung als Asylbewerber und versucht jetzt, einen Job in seinem Gastland zu finden. „Das ist ganz schön schwer“, offenbart er sich. Ihm falle es generell schwer, auf Entscheidungen zu warten – und auf diese amtliche Mitteilung ganz besonders.

Über seine Migrationslotsin Adalciza Helms, die Freunde nur Ady nennen, hat er vom Stadtlauf erfahren. Schon recht zeitig – vor Monaten – hat sie die wichtigsten Fakten zum Rennen ins Arabische übersetzen lassen und dafür gesorgt, dass diese in den Unterkünften ausgehängt werden. 

Ady kennt Ali schon lange, für sie ist er ein ganz „Netter“. Vor seinem langen Weg nach Deutschland hat er in seiner Heimat vor 20 Jahren mit dem Sport angefangen. Erst mit Fußball, dann mit seiner immer noch andauernden Leidenschaft für das Tischtennis-Spiel.

Die deutsche Küche ist noch fremd

Er ist ganz enttäuscht, dass in Verden sein Lieblingssport nicht gespielt wird. Doch sein Gesprächspartner hat sich darum gekümmert und ihm später entsprechende Adressen gegeben. Das mag er an den Deutschen, sie sind sehr offen und hilfsbereit, wie er es selbst erlebt hat. So ist er dankbar, dass er mit Hilfe vom Landkreis eine kleine Wohnung bei der Moschee Yeni Camii in der Verdender muslimischen Gemeinde gefunden hat.

Mit der deutschen Sprache kommt er schon gut klar. Mit der deutschen Küche dagegen kann er sich noch nicht so anfreunden. Auch fehle ihm hier seine Familie, die Eltern und die acht Geschwister. Seinen Hobbies kann er hier – noch – nicht nachgehen: Tanzen, Volkstanz besonders. Sport hilft aber auch da, im Fitnessstudio und Fußballspielen in der Nähe von Hönisch. Vom Fußball kommt auch sein Lieblingssportler: Thomas Müller. Als Lehrer für Mathematik und Physik würde er später einmal gern arbeiten, wenn sein schmunzelnd geäußerter Wunsch vom Beginn des Artikels nicht klappt.

Für den dreimal 900-Meter-Staffellauf hat er sich vorgenommen „Langsam starten und dann schneller werden“. Wer dabei mit ihm startet, das konnte er noch nicht sagen. Da gibt es zwei Freunde – die Brüder Baker und Othmann Alkisi – die beide laufen wollten, den Gesprächstermin aber verpasst haben. Außerdem fehlt eine Läuferin für die Staffel, das ist beim Lauf so gefordert für die Teilnahme. Er kennt keine Frauen in seiner Umgebung. Sein Gesprächspartner hat sich aber darum gekümmert. Verdens gute Mittelstrecklerin Carola Vömel stimmt sofort zu, den Jungs beim Lauf zu helfen.

Mit diesem Problem war tagelang vorher auch seine Integrationslotsin Ady überfordert. Sie, die vor Jahren selbst aus Rumänien nach Deutschland kam, wusste spontan auch keine Lösung. Als Vorsitzende des ehrenamtlichen Integrationsdienstes beim Landkreis Verden ist sie sonst Problemlösungen gewohnt. Aber für Ali ein passende Laufpartnerin zu finden, war anspruchsvoll.

Die aktive Tennisspielerin und Mutter von zwei Kindern möchte mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit etwas zurückgeben, was sie bei der Ankunft in Deutschland auch positiv erfahren hat. Die Lösung für Alis Staffelproblem hat ihr gefallen. Dann weist sie nochmal darauf hin: Wenn Menschen mit Migrationshintergrund beim Stadtlauf starten möchten, dann ermöglicht der Veranstalter LAV Verden die Teilnahme kostenlos, wenn sie über einen Lotsen angemeldet werden. Informationen und Möglichkeiten zur Anmeldung über den 18. Verdener Aller-Stadt-Lauf gibt es im Internet unter www.lgkv.de und auf der Facebookseite „Vastl Verden“.

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