Dr.Hans-Jörg Volkmann geht in Ruhestand / Nachfolge geregelt

Verdener Zahnarzt blickt zurück: Äquatortaufe und ein Prinz in der Praxis

Team in der Zahnarztpraxis.
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Eingespieltes Team (v.l.): Dr. Petra Rasch, Annegret Bohnsack, Dr.Hans-Jörg Volkmann und Julia Eich.

Verden – Was ist denn bloß eine Feldbordzahnstation? Die Frage würde sicherlich in jeder Quizshow für erhebliches Kopfzerbrechen sorgen. Nicht bei Dr. Hans-Jörg Volkmann. Für den Verdener Mediziner gehörte das Utensil zum Reisegepäck auf seiner Tour nach Südostasien. Fast 40 Jahre ist es her. Eine von vielen Erinnerungen aus einem ereignisreichen Berufsleben. Damit schließt der Zahnarzt nun ab. Er setzt sich zur Ruhe, wenn man das bei all’ den Plänen, die er hat, überhaupt sagen kann.

Was ist denn bloß eine Feldbordzahnstation?

Ein Zahnarzt, wie er im Buche steht, so kennen ihn seine Verdener Patienten in den Räumen an der Georgstraße, da, wo er in die väterlichen Fußstapfen trat, vor über 35 Jahren. Korrekt, höflich, jemand, der zuhört, egal welcher Patient auf dem Stuhl Platz nimmt. Aber auch jemand, der etwas zu erzählen weiß. Über seinen Job, natürlich: „Der Beruf als Berufung?“ Kurz nachgedacht, aber die Antwort kommt bestimmt: „Auf jeden Fall! Aber nicht nur.“ Volkmann lacht dabei, weil er das eigentlich ganz gerne tut. Und sowieso, ein griesgrämiger Zahnarzt? „Das geht doch gar nicht. Egal was war, ich bin jeden Morgen fröhlich in die Praxis gekommen“, so sein Credo

„Egal was war, ich bin jeden Morgen fröhlich in die Praxis gekommen“

Der Dienst, die Arbeit in der väterlichen Praxis ist (war) ein Kapitel, der Weg dahin ein anderes – und mit Spannung verbunden. Denn hinter der korrekten Brille und dem klaren Kopf verbirgt sich durchaus Abenteuerlust, der Drang, etwas Neues, völlig Unbekanntes kennenzulernen. Freiburg im Breisgau, Studium der Zahnmedizin, Doktortitel im Pathologischen Institut, da ging noch mehr, sagte sich der junge Mediziner. Er musste, unterbrochen durch sein Studium, seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr danach noch zu Ende bringen. Marinefliegerhorst Westerland auf Sylt war die erste Station des Stabsarztes. „Das Leben auf der Insel, da, wo andere Urlaub machen, war schon besonders“, so Volkmann. Aber bequem wollte er es sich nicht machen. Es lockte das Unbekannte in der Ferne. „Ein Fregattengeschwader sollte für sechs Monate auf eine Fahrt nach Südostasien auslaufen. Die Frage war, ob ich dabei sein wollte“, so Volkmann. Da brauchte er nicht lange zu überlegen. Auch die damit verbundene Verlängerung des Grundwehrdienstes auf eine zweijährige Verpflichtung als Marineoffizier war für Volkmann kein Hindernis.

Mit dem Fregattengeschader sechs Monate nach Südostasien

Und dann die Überlegung, was ein Zahnarzt auf eine Reise ans andere Ende der Welt mitnimmt, falls es einem Soldaten an den Zähnen schmerzt. „Eine komplette, mobile Praxis, so was gab’s damals nicht“, lacht Volkmann. Der Soldat denkt da halt praktisch, sozusagen schmerzbefreit, und so kam die Feldbordzahnstation ins Spiel. Allein die Beschreibung lässt einen förmlich zusammenzucken. Volkmann hat seine Freude dabei: „Zur Ausrüstung gehörten ein zusammenklappbarer, grüner Metallstuhl, ein langsamer elektrischer Bohrer ohne Wasserkühlung sowie eine Taschenlampe“, zählt er auf. Es braucht nicht die Kunst des Hellsehens, um sich vorzustellen, dass die Zahl der Patienten auf der anschließenden Reise sehr überschaubar blieb. „Unter den rund 800 Soldaten des Geschwaders hatten sich die beschränkten technischen Möglichkeiten der Zahnstation schnell herumgesprochen“, erinnert sich Volkmann. „Da hielt sich der Andrang in Grenzen.“

Dr. Hans-Jörg Volkmann

In Pakistan servierte uns die gastgebende Marine eine Riesenschlange

Langweilig wurde ihm deshalb nicht. Zehn Häfen lief das Geschwader an, die tropischen Nächte verbrachte die Mannschaft in der Hängematte an Oberdeck. Und dann die ausländische Speisekarte, mit kulinarischen Spezialitäten. „In Pakistan servierte uns die gastgebende Marine eine Riesenschlange und bei Singapur gab es eine deftige Äquatortaufe“, erzählt Volkmann. „Wurde gesungen?“ „Ich glaube schon“, so die vielsagende Antwort. Die Prozedur der Taufe? „Darüber nur ein Satz: Es gibt Schöneres als eine Dusche mit Fischresten.“ Aber ohne Zweifel, die positiven Eindrücke, einmalige Erlebnisse, all’ das bleibt unvergessen.

Bei Singapur gab es eine deftige Äquatortaufe

Hilfsbereitschaft, Waghalsigkeit oder Leichtsinn? Von allem etwas, so ließe sich ein weiterer Abschnitt in Volkmanns Leben überschreiben. In den 1980er-Jahren stellte er sich als Kurier zu Verfügung, um ausreisewilligen DDR-Bürgern zu helfen. Unzählige Fahrten über die deutsch-deutsche Grenze waren damit verbunden. „Aus heutiger Sicht sicherlich leichtsinnig, gebe ich zu. Es hätte auch schief gehen können. Aber darüber haben wir damals nicht weiter nachgedacht.“

Aber es wurde auch ruhiger – oder? Nach zweijähriger Assistenzzeit in Hamburg trat Hans-Jörg Volkmann 1986 in die heimatliche Praxis ein, die sein Vater, Dr. Hans-Werner Volkmann, seit 1956 in Verden führte. Zwölf gemeinsame Jahre folgten. „Das war eine besonders intensive Zeit. Der Kontakt zu den Patienten, die teilweise seit mehreren Generationen zu uns in die Praxis kamen. Da stand nicht nur der Patient, sondern eben auch der Mensch im Mittelpunkt“, so Volkmann. „Das zu pflegen, hat mir stets sehr viel Freude gemacht.“ Und: „Es kam viel zurück, obwohl ich natürlich weiß, dass ein Besuch beim Zahnarzt bei den meisten Menschen keine Begeisterung auslöst.“

Da stand nicht nur der Patient, sondern eben auch der Mensch im Mittelpunkt

Langweilig wurde es nie, zumal durchaus überraschender Besuch sich ankündigen konnte: „Die Nähe zum Verdener Landgericht und dem benachbarten Gefängnis, da nahm dann auch schon mal ein wegen Mordes angeklagter Untersuchungsgefangener auf dem Zahnarztstuhl Platz“, erinnert sich Volkmann. Sogar ein königlicher Prinz klingelte an der Praxistür, weil ihn Zahnschmerzen plagten. Eine besondere, menschliche wie sprachliche Herausforderung waren in den vergangenen Jahren die Begegnungen mit vielen Flüchtlingen und deren Schicksale.

Ein königlicher Prinz klingelte an der Praxistür

In seiner Geburtsstadt fühlt sich Volkmann, der mit der Juristin Dr. Viva-Katharina Volkmann verheiratete ist, wohl. Die Stadt liegt ihm am Herzen, und er wollte sie mitgestalten. 25 Jahre saß er für die CDU im Stadtrat, war dabei in verschiedensten Ausschüssen tätig.

Die Stadt Verden liegt ihm am Herzen

Volkmann ist Träger der städtischen Verdienstmedaille, neben weiteren Aktivitäten pflegt er zudem die Mitgliedschaft im Verein ehemaliger Verdener Domgymnasiasten, zu dessen Vorstand er zählte. Im Katastrophenschutzstab des Landkreises ist der Reserveoffizier bis heute für das Kreisverbindungskommando der Bundeswehr tätig.

Eingespieltes Trio von Zahnärztinnen führt Praxis in der Georgstraße weiter

Die Praxis in der Georgstraße in Verden weiß Dr. Hans-Jörg Volkmann auch nach seinem Ausscheiden in guten Händen. In den Jahren 2000 und 2007 traten bereits die Zahnärztinnen Dr. Petra Rasch und Julia Eich als Partnerinnen in die Praxis ein. Zahnärztin Annegret Bohnsack hat kürzlich das Team verstärkt. „Das Trio steht dafür, dass die Versorgung der Patienten auch zukünftig gewährleistet ist. Das ist mir sehr wichtig“, betont Volkmann. Und noch etwas liegt ihm besonders am dem Herzen: „Sehr dankbar bin ich für die Treue, die vielfach langjährige Tätigkeit meiner Zahnarzthelferinnen, ohne die eine gute Versorgung der Patienten gar nicht möglich ist“, so der 64-Jährige

Und, droht Langeweile? Volkmann zeigt sich bestens gewappnet. Er wird des Öfteren in die Bundeshauptstadt reisen und Besucher mit der Metropole bekannt machen. Die Legitimation dafür? „Ein abgeschlossenes Masterstudium der Geschichte an der Freien Universität Berlin. Damit darf ich als Betreuer des Deutschen Bundestages Besuchergruppen aller Parteien ein paar Tage durch Berlin führen.“ Eine Sorge ist er neuerdings los: „Als Zahnarzt im Ruhestand kann ich sicherlich etwas gelassener mit dem Trinkgeld umgehen“, lacht er.

Als Betreuer des Deutschen Bundestages Besuchergruppen durch Berlin führen

Und auch ein bisschen Abenteuer muss sein. Mitte April wird Volkmann eine zweiwöchige Wehrübung antreten. „So endet das Berufsleben, das 1975 als wehrpflichtiger Funker begann, wieder in Uniform. Erfreulicherweise in einem etwas anderen Dienstgrad“, so der Flottillenarzt schmunzelnd. Und die Feldbordzahnstation? „Die lassen wir schön im Museum“, lacht der Arzt im Ruhestand.

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