94-jähriger Karl Marksfeld verabschiedet sich nach 65 Jahren von der Domweih

Der älteste Marktbeschicker Deutschlands geht

Karl Marksfeld verkauft seit 65 Jahren seine Messer und Scheren auf der Domweih. Doch dies wird nun seine letzte Saison in Verden sein.J Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - Karl Marksfeld ist der älteste Marktbeschicker Deutschlands und ein richtiges Domweih-Urgestein. Bereits seit 65 Jahren verkauft der „Stahlwarenfachmann mit eigener Schleiferei“ auf dem Pöttjermarkt mit Leidenschaft seine Messer und Scheren. Doch langsam möchte der 94-Jährige doch etwas kürzer treten. „Dies ist meine letzte Saison“, sagt er. Damit verschwindet von der Domweih ein echtes Original. Die Verdener werden ihn vermissen.

Trotz seiner 94 Jahre steht Karl Marksfeld jeden Tag bis zu 15 Stunden auf der Domweih. Aufgebaut wird ab neun Uhr, diese Arbeit überlässt er ungern seinen Aushilfen. „Was ich nicht selber mache, wird auch nicht richtig“, schmunzelt er. Sobald „Kalli“, wie ihn seine Freunde nennen, an seinem Stand zu sehen ist, herrscht Betrieb. Doch Karl Marksfeld behält die Ruhe. Geduldig beantwortet er jede Frage und erklärt, worin die Klingen sich unterscheiden. „Meine Kunden haben alle strahlende Gesichter, denn ich berate sie so, dass sie es alle verstehen“, sagt der Stahlwarenfachmann. Einen lockeren Spruch gibt es beim Kauf gratis dazu. „Eingeschlagen in Papier, ganz Europa kauft bei mir“, sagt er, als einmal mehr eines seiner Messer den Besitzer wechselt.

Das Verkaufstalent schlummerte schon immer in dem gebürtigen Ostfriesen. Zunächst machte er aber eine Lehre als Autoschlosser. „Das war ein Betrieb, in dem alles gemacht wurde, auch Schleifen gehörte dazu“, so Marksfeld. So kam es, dass er sich auf die Stahlwaren spezialisierte. Sechs Monate lang lernte er das Schleifen dann von der Pike auf in Solingen. „Daher verkaufe ich auch nur Qualitätsprodukte aus Solingen“, betont der Experte.

Sein ursprünglicher Plan war, mit seinem Kollegen den Meister zu machen. Auf dem Weg zur Meisterschule hatte er aber ein entscheidendes Schlüsselerlebnis. „Ich sah an der Straße einen Mann, der Rasierklingen verkaufte. Ich dachte, das kannst du auch und ließ den Kollegen allein zur Schule gehen“, erzählt Karl Marksfeld.

Von da ab verkaufte er seine Messer und Scheren als reisender Händler. „Ich habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut“, versichert er. „Ich bin mit drei Mark Bargeld angefangen und habe mich mit Fleiß emporgearbeitet. Mit 40 bis 50 Jahren habe ich rund um die Uhr gearbeitet, geschlafen wurde zu Weihnachten.“

Seit mehr als sechs Jahrzehnten ist Karl Marksfeld nun mit seinem Geschäft in ganz Deutschland unterwegs. Das Autofahren sei auch mit 94 Jahren noch kein Problem, versichert er. „Ich fahre immer noch mit Tempo 200 über die Autobahn. Die Ärzte haben mir eine tolle Reaktion bescheinigt. Der letzte Unfall ist über 50 Jahre her“, berichtet er nicht ohne Stolz.

Auch wenn Karl Marksfeld fast immer gearbeitet hat, einige freie Tage gab es doch. Die nutze er, um mit seiner Frau tanzen zu gehen „Wir waren die ersten, die kamen und die letzten, die gingen“, erinnert er sich. Fünf Jahre lang hat er mit seiner Frau sogar auf Turnieren getanzt. „Mein Lieblingstanz ist der langsame Walzer“, verrät er. Den zu tanzen, würde er sich auch heute noch zutrauen.

„Damit ich beweglich bleibe, gehe ich jeden Morgen schwimmen“, erzählt der rüstige 94-Jährige. Während der Domweih ist das Schwimmbad im Hotel Höltje der Ort dieser sportlichen Betätigung. Bereits seit über 50 Jahren checkt er hier zur Domweih ein.

Zum Jahresende soll mit den Touren durch ganz Deutschland aber doch Schluss sein. „Ich habe vor sechs Wochen einen Herzschrittmacher bekommen, und die Ärzte haben mir geraten, kürzer zu treten“, so Marksfeld. Dann hat er auch wieder mehr Zeit für seine Lebensgefährtin (93).

Von einem richtigen Ruhestand kann aber längst noch nicht die Rede sein, Wochen- und Tagesmärkte in der Nähe seines Heimatortes Volkmarsen in Hessen möchte Karl Marksfeld nach wie vor besuchen. „Dann bin ich ja abends wieder zu Hause. Meine Schleiferei betreibe ich natürlich auch weiter so lange wie es geht.“  J ahk

kreiszeitung.de/domweih

Mehr zum Thema:

IAA 2017: Darauf dürfen sich Auto-Fans freuen

IAA 2017: Darauf dürfen sich Auto-Fans freuen

Top 10: Die zehn verrücktesten Hotel-Geschichten

Top 10: Die zehn verrücktesten Hotel-Geschichten

90. Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Heesen

90. Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Heesen

Kulturfest des Waldorfkindergartens Scheeßel

Kulturfest des Waldorfkindergartens Scheeßel

Meistgelesene Artikel

Rettungshundeführer trainieren mit ihren Supernasen im Kletterpark Verden

Rettungshundeführer trainieren mit ihren Supernasen im Kletterpark Verden

Tim Köhler siegt in der 10,5-Tonnen-Klasse beim Trecker-Treck Nindorf

Tim Köhler siegt in der 10,5-Tonnen-Klasse beim Trecker-Treck Nindorf

Motorradunfall auf Dibberser Landstraße

Motorradunfall auf Dibberser Landstraße

Achimer Bürger sieht in Amazon Gefahr für Landschaft und Arbeitsplatzniveau

Achimer Bürger sieht in Amazon Gefahr für Landschaft und Arbeitsplatzniveau

Kommentare