Städte und Gemeinden halten kreisweit Preise hoch

Achims Appetit auf Äcker hält an

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Blick auf das Gewerbegebiet Verden-Nord an der A 27. Für die Ansiedlung der Betriebe müssen landwirtschaftliche Flächen weichen.

Ist Bürgermeister Ditzfeld plötzlich unter die Getreideanbauer gegangen? Jedenfalls gehört die Stadt Achim zu den größten Interessenten an landwirtschaftlichen Flächen im Landkreis Verden. Und mit einigem Abstand auch die übrigen sieben Kommunen.

Verden/Achim - Von Heinrich Kracke. „Ein Viertel der veräußerten Äcker und Weiden wurden vergangenes Jahr von nichtjuristischen Personen übernommen, vorrangig also den Städten und Gemeinden,“ sagt Gerd Ruzyzka-Schwob vom Gutachterausschuss des Katasteramtes, „Bauland, Gewerbegrundstücke, Ausgleichsflächen – da kommt einiges zusammen.“ Und das hat Folgen. Die Preise steigen.

Dabei sind die Landwirte auf einem weiterhin überhitzten Grundstücksmarkt mit Rekord-Umsätzen im Landkreis Verden nicht die Preistreiber. Beim Ackerland blieben die Erlöse 2019 sogar auf Vorjahresniveau. Allerdings fallen sie mit 3,17 Euro pro Quadratmeter immer noch üppig aus, gut das Doppelte dessen, was vor zehn Jahren auf den Tisch des Hauses zu blättern war. „In dieser Verschnaufpause bei den Preisen drückt sich die tiefe Unsicherheit aus, die gegenwärtig auf den Höfen herrscht,“ sagt Ruzyzka-Schwob. Das eine seien die grünen Kreuze in der Landschaft, das andere der verhaltene Umgang mit Kaufangeboten. Langfristig aber sei mit weiteren Preisanstiegen zu rechnen.

Landkreis Verden: Landwirte laufen Sturm gegen Flächenverlust

Ein allerdings komplizierter Markt. Die höchsten Richtwerte legte der Gutachterausschuss ausgerechnet für Regionen fest, in denen Landwirtschaft nur noch Reservat-Charakter genießt. Im Raum dies- und jenseits der Weser zwischen Uphusen und Riede/Thedinghausen. Hier liegt der Durchschnittspreis bei 4,20 Euro. Und das hat ebenfalls Gründe. Landwirte laufen seit Jahren Sturm gegen den drohenden Verlust von Flächen.

Die Bodenrichtwerte für landwirtschaftliche Flächen.

Vor allem der Plan der Stadt Achim, sich für das Gewerbegebiet am Bremer Kreuz das Vorkaufsrecht für 700 Hektar auf über 1000 Flurstücken einräumen zu lassen, stieß auf eine Welle der Entrüstung. Entschied sich jemand trotzdem, seine Scholle an die Kommune zu veräußern, musste das Stadtsäckel eben etwas mehr geöffnet werden. Eher verhalten dagegen noch der Preisdruck auf den Flächen rund um die Gewerbegebiete an der A 27. Hier sind 3,60 Euro zu berappen.

Investoren sind mögliche Preistreiber im Landkreis Verden

Aber die nächsten potenziellen Preistreiber befinden sich bereits im Anflug. Investoren zum Beispiel, die nach dem Mark-Twain-Motto „Kaufen Sie Land. Es wird keines mehr gemacht“ handeln, und statt der Null-Prozent-Zinsen auf Pachteinnahmen vertrauen, auch sie nehmen die Region rund um Verden und Achim bereits ins Visier. „Erste Tendenzen stellen wir fest“, sagt Ruzyzka-Schwob. Der Gülle-Tourismus gilt als zusätzlicher Aspirant für höhere Erlöse. „Auch das ist nicht mehr von der Hand zu weisen.“

Gesetzliche Hürden versalzen den nichtbäuerlichen Interessenten allerdings die ganz großen Übernahmen. Flächen von mehr als einem Hektar dürfen ausschließlich an die Landwirtschaft weitergeben werden. Aber hier ist der Erfindungsreichtum groß, und auch im Landkreis Verden musste ein erster landwirtschaftlicher Kaufinteressent bereits vor Gericht nachweisen, dass er wirklich Landwirt ist.

Biogas-Anlagen im Landkreis Verden befeuern Flächenbedarf

Unklar allerdings, wie üppig der Hunger auf den Höfen nach neuen Flächen tatsächlich bleibt. Auslöser der aktuellen Hausse waren die mächtigen grünen Kuben in der Landschaft, die Biogas-Anlagen. Mancher sicherte sich Flächen, ehe sie noch teurer würden. Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Der Mais gilt bereits in vieler Munde als der teuerste Brennstoff weit und breit.

Beim Weideland indes kommen immer häufiger auch private Tierfreunde zum Zuge. „Gar nicht unüblich, dass bis zu einem Hektar für Pferd, Schaf oder Hund erworben wurden,“ sagt Ruzyzka-Schwob. Der mittlere Quadratmeterpreis stieg daher um gut fünf Prozent auf 1,78 Euro.

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