Achim-West wartet auf Bewegung

Landkreis Verden verfolgt weiter Pläne zum Eintritt in Projektgesellschaft

Luftbildaufnahme, links zieht sich von unten nach oben eine Autobahn durch das Bild, rechts davon sind freie Felder zu erkennen, am Rand außerdem Gewerbeansiedlungen und Wohnbebauung.
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150-Millionen-Projekt nahe dem Bremer Kreuz. An dem Infrastruktur- und Gewerbeprojekt Achim-West scheiden sich noch die Geister.

An dem Projekt Achim-West scheiden sich noch immer die Geister. Sie sei „zu groß für Achim“, sagt Isabel Gottschewsky, CDU-Ratsfrau aus Achim. Neue Entwicklungen in der Sache hätten sich nicht ergeben, so Landrat Peter Bohlmann. Der Landkreis bereits sich daher darauf vor, in die Projektgesellschaft einzutreten.

Landkreis – „Die Idee war gut, aber das ist jetzt zu groß für Achim“, sagt Isabel Gottschewsky. Das Zukunftsprojekt Achim-West ist für die Achimer Christdemokratin kein Vorhaben mehr, an dem nichts vorbei geht. Zumindest für sie als Fraktionsvorsitzende des Stadtrats. Als Mitglied der CDU-Fraktion im Kreistag hat sie sich mit der Vereinbarung der Verantwortungsgemeinschaft mit der SPD hinter das Infrastrukturprojekt gestellt, das die Aussicht auf ein großes und eines Tages lukratives Gewerbegebiet eröffnet.

Neue Entwicklungen in der Sache hätten sich nicht ergeben, bestätigte Landrat Peter Bohlmann. Deshalb bereitet sich der Landkreis darauf vor, in die Projektgesellschaft einzutreten, und so zu helfen, dass das Vorhaben vorankommt.

„Der Landkreis Verden wird die Stadt Achim unterstützen, indem er der Projektentwicklungsgesellschaft ,Achim-West’ beitritt und finanzielle Beiträge durch Kapitalzuführungen und Gesellschafterdarlehen im Volumen eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrages zur Verfügung stellt.“ Das steht in der Vereinbarung die CDU und SPD für ihre Zusammenarbeit im Kreistag geschlossen haben. Damit hat das Vorhaben zumindest im Kreistagssaal eine klare Mehrheit. Den Plan hatte Peter Bohlmann vor etwa einem Jahr bereits vorgeschlagen. Damit sollte Bewegung in die Verhandlungen mit der Stadt Bremen kommen.

Gesamtkosten werden auf 150 Millionen Euro geschätzt

Das Gesamtvorhaben mit einem weiteren Autobahn-Anschluss, der auf Achimer und Bremer Seite für Verkehrsentlastungen führen soll, und der Entwicklung von etwa 90 Hektar Gewerbeflächen nahe dem Bremer Kreuz ist immerhin auf einen Kostenrahmen von 150 Millionen Euro geschätzt worden.

„Es gibt eigentlich keinen besseren Standort für ein Gewerbegebiet“, meint der Landrat, dass sich die Investition eines Tages auszahlen wird. Aber es hakt bei einer Finanzierungslücke von 53,6 Millionen Euro. Bremen müsste sich stärker daran beteiligen.

Mit einer Mitgift von 500 000 Euro für den Eintritt in die Projektentwicklungsgesellschaft und einem Gesellschafterdarlehen, für das der Kreishaushalt im kommenden Jahr schon mal 2,631 Millionen Euro vorsieht, sollen die stockenden Verhandlungen zwischen Bremen und Achim wieder in Bewegung geraten. „Der Landkreis hat sich positioniert“, sagt Bohlmann. Jetzt sei es an der Stadt Achim, sich zu entscheiden.

Übernimmt sich Achim finanziell?

„Jetzt ist erst einmal Bremen am Zug“, war dagegen die Auffassung von Isabel Gottschewsky. Sie hat Bedenken, dass Achim sich finanziell mit dem Vorhaben übernimmt. Immer teurer sei das Projekt geworden und immer größer. „So wie die Fakten sich entwickeln, ist es nicht machbar“, sagt die Ratsfrau. Die erhofften Steuereinnahmen von den angesiedelten Betrieben sieht sie erst ab 2050 fließen.

Mit ihrer Skepsis steht die Achimerin nicht alleine dar. Auch die Grünen im Stadtrat haben sich mittlerweile gegen das Projekt entschieden. Für die SPD-Fraktion, so bestätigte Wilfried Hirschmann, habe sich nichts geändert. Zweifel an dem Vorhaben hätten sie nicht. Deshalb könne man auch nicht von einer bröckelnden politischen Unterstützung für das Projekt sprechen. „Wenn erst der Planfeststellungsbeschluss da ist, ist alles nicht mehr so in der Schwebe“, sagt er und rechnet damit, dass sich dann auch in den anderen Ratfraktionen Befürworter finden.

Verkehrliche Entlastung contra Flächenverbrauch

Auch der Chef der CDU-Fraktion im Kreistag, Wilhelm Hogrefe, sieht die Verkehrsentlastung, von der auch die Bremer Betriebe profitieren würden. Das Angebot einer zusätzlichen Autobahnauffahrt sei eine Chance, die es nie wieder geben werden. Eine größere finanzielle Beteiligung des Stadtstaats sei nicht zuletzt deshalb berechtigt. „Der Schlüssel liegt in Bremen“, stimmt er Gottschewsky zu. Allerdings könne die Lösung nicht die von Bremen geforderte Beteiligung an den Gewerbesteuereinnahmen sein. „Das wäre für Achim ein schlechtes Geschäft“, teilt Hogrefe die Bedenken in Achim.

Der zentrale Kritikpunkt der Grünen im Kreistag, der starke Flächenverbrauch, den die Entwicklung des jetzigen Ackerlandes zu Gewerbeflächen bringen könnte, überzeugt Hogrefe nicht. Er rechnet mit der Ansiedlung von innovativen Betrieben. Für sie könnte das Gelände parkähnlich grün gestaltet werden. „Ein schönes Gebiet wäre kompromissfähig“, so der Christdemokrat. Auch die Kreisverwaltung verfolgt das Ziel weiter mit Optimismus. „Am Ende wird die Faktenlage überzeugen“, meint Bohlmann.  

Von Ronald Klee

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