Nach Berliner Notbremsen-Initiative

Ausgangssperre: Kreis Verden spielt auf Zeit

Blumenbeet vor Stadtsilhouette
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Frühlingsboten auch in der Verdener Innenstadt (Bild), aber die Menschen müssen überwiegend Zuhause bleiben? Dem Hochinzidenzgebiet zwischen Ottersberg und Dörverden drohen weiteren Einschnitte.

Der Einzelhandel reagiert gelassen auf die Einschränkungen, die ab Donnerstag im Landkreis Verden gelten. Gleichzeitig drohen weitere Einschnitte. Die nächtliche Ausgangssperre ist noch nicht komplett vom Tisch.

Verden/Achim – Dem Hochinzidenzgebiet zwischen Ottersberg und Dörverden droht jetzt doch noch die nächtliche Ausgangssperre. Gleichzeitig keimen erste Anzeichen für ein Abflauen der Krise auf. Und was ist eigentlich mit den Blumenläden? Dürfen sie öffnen? Einen Tag nach Bekanntwerden der kreisweiten Verfügung mit verschärften Regeln ab Donnerstag (wir berichteten), befindet sich die Region plötzlich zwischen Hoffen und Bangen.

Mittelfristig ist nichts mehr klar, mittelfristig: das heißt über das kommende Wochenende hinaus. Und an betroffener Stelle hat man ohnehin schon den Glauben auf langfristige Einheitlichkeit verloren. „Der Handel hat sich relativ rasch auf Click & Collect eingestellt“, sagt etwa Aike-Simone Ensing vom Kaufmännischen Verein Verden, „die Betriebe bieten ihre Waren wieder online an, das Bestellte kann dann abgeholt werden, manche liefern sogar.“

Zusätzliche Brisanz schuf gestern das Bundeskabinett mit der bundeseinheitlichen Notbremse für Hochinzidenzgebiete. Die bekanntgewordenen Ausführungsbestimmungen sehen ausdrücklich eine Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr vor. Genau das also, was im Landkreis Verden abgelehnt wurde. Landrat Peter Bohlmann bleibt bei seiner Haltung. „Unverständlich, was da in Berlin diskutiert wird.“ Die Ausgangssperre sei von einer Reihe Gerichten wieder einkassiert worden. Die Region Hannover etwa musste davon nachträglich Abstand nehmen. Und auch in Bremerhaven ist es schneller als erwartet vorbei mit dem Stubenarrest. Das zuständige Gericht sah Medienberichten zufolge eine Ausgangssperre als unangemessen an.

Er wolle jetzt abwarten, ob die bundeseinheitliche Notbremse tatsächlich im Parlament die notwendige Mehrheit erhalte, so Bohlmann. Verständnis habe er für eine solche Lösung nicht. „Es wäre eine Katastrophe. Das Durcheinander wäre komplett.“

Allerdings eröffnet sich unvermittelt doch noch eine Lösung. Der Landkreis Verden könnte auf Zeit spielen. Die Berliner Notbremse bräuchte trotz aller Eile einige Tage, ehe sie tatsächlich eingeführt wäre. Nicht ausgeschlossen, dass die Region an Allermündung und Weser dann schon wieder bei der Inzidenz unter die 100er-Marke gerutscht ist. Nachdem die Werte schon am Montag leicht auf Sinkflug gegangen waren, fielen sie am Dienstag erneut. Beobachter halten es für möglich, dass ein Unterschreiten der dreistelligen Grenze schon am Wochenende einsetzen könne. Um jedoch die aktuelle kreisweite Verfügung außer Kraft setzen zu können, bedarf es dreier aufeinander folgender Tage mit einer Inzidenz von unter 100. Bohlmann will sich zu den kommenden Szenarien nicht äußern. „Das ist alles Spekulation.“

Der besonders betroffene Einzelhandel betrachtet die Lage inzwischen unaufgeregt. „Die einzelnen Geschäfte haben sich schnell darauf eingerichtet. Die Inhaber bleiben gelassen“, sagt Aike-Simone Ensink vom Kaufmännischen Verein. Man greife auf die Instrumente zurück, die schon bis Anfang März im Einsatz waren, man lasse alles auf sich zukommen. Ändern könne man es ja eh nicht.

Das gilt auch für Betriebe, die nach kurzer Öffnungszeit wieder ins Click & Collect wechseln. „Wir switchen um,“ sagt die Verdenerin Carmen Witte, „wir nehmen es wie es kommt.“ Die Tische stünden noch bereit, das Equipment sei da, es müsse halt nur wieder in Position gebracht werden. Die Situation sei allenfalls nervig, klar, und es sei „schade, dass man sich daran gewöhnen muss“.

Allerdings leiden nicht alle Läden unter der restriktiven Lage. Buchhändler haben geöffnet. Darauf verweist etwa Kristina Westphal von „Vielseitig“ in Verden. Man habe sich zudem weiterentwickelt. „Wir verfügen in den Geschäftsräumen inzwischen über eine Belüftungsanlage.“ Und was ist jetzt wirklich mit den Blumenläden? „Gartencenter, Gärtnereien und Blumengeschäfte dürfen öffnen“, heißt es auf Nachfrage aus der Kreisverwaltung.

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