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Achim und Verdener Burgberg teuerste Pflaster

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Von: Heinrich Kracke

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Grafik mit den Preisen.
Deutlich gestiegen: Die Preise für bebaute Grundstücke im Landkreis Verden © gag

Bauland, bebaute Grundstücke, Reihenhäuser – alles deutlich teurer. Von Steigerungen bis zu 17 Prozent spricht der Gutachterausschuss für den Kreis Verden. Aber für diejenigen, die noch nicht fündig wurden, gibt es auch ermutigende Nachrichten. 

Verden/Achim – Wer vergangenes Jahr mit einem „gebrauchten“ Einfamilienhaus liebäugelte, der hatte fast 50 000 Euro mehr als noch im Vorjahr auf den Tisch zu legen, wer ein Baugrundstück suchte, musste mit rund 12 000 Euro zusätzlich rechnen. Explodiert sind sie, die Immobilienpreise im Landkreis Verden. Steigerungen von durchschnittlich bis zu 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Aber der Gutachterausschuss des Katasteramtes hatte gestern bei der Vorstellung der Marktdaten nicht nur nächste neue Rekorde zu vermelden, er vermochte auch alle jene ein bisschen zu ermutigen, die bisher nicht fündig wurden. „Aktuell stellen wir eine kleine Beruhigung fest“, sagt Ausschussvorsitzender Gerd Ruzyzka-Schwob. „Die Preise sind im Winter schon nicht mehr so stark gestiegen wie im Sommer.“

Und auch längerfristig weicht er von Einschätzungen vergangener Jahre ab, als die Preise nur eine Richtung kannten. Nach oben. „Nein“, so der Dezernatsleiter im Sulingen-Verdener Amt für Geoinformation und Landvermessung, „nein, vieles hängt jetzt von der Eigenheim-Förderung durch die Bundesregierung ab und von der Zinsgestaltung der Europäischen Zentralbank“. Im Sommer wisse man vielleicht schon mehr.

Eine ganze Menge steht aber auch jetzt schon fest. Der Corona-Knick, den die Immobilienbranche für möglich gehalten hatte, er machte zumindest um den Kreis Verden einen Bogen. Trotz sinkender Flächenumsätze und weniger Kaufverträgen knackte der Umsatz eine nächste Hürde. Erstmals mehr als eine halbe Milliarde Euro ließen sich Bauherren und Co den Einstieg ins Eigentum kosten. Im vorangegangenen Jahr waren es noch 50 Millionen, vor fünf Jahren noch 180 Millionen weniger.

Den größten Anteil nehmen bebaute Grundstücke mit 357 Millionen Euro und einem Plus von 70 Millionen ein. Das teuerste Pflaster bleibt die Stadt Achim. Wer hier in eigenen vier Wänden mit einem kleinen Garten drumherum heimisch werden will, hat 410 000 Euro auf den Tisch des Hauses zu blättern. Nicht als Höchstpreis, da kann auch schnell mal eine dreiviertel Million aufgerufen sein, sondern als Durchschnittspreis. Es folgen die Gemeinde Oyten und die Stadt Verden (s. Grafik). Wer indes die Hoffnung auf ein Schnäppchen noch nicht aufgegeben hat, der bleibt auf der Strecke. Die in früheren Jahren immer noch mal mögliche Kaufsumme von weniger als 100 000 Euro, sie gehört der Vergangenheit an. „Einen einzige Fall hatten wir noch im Kreis Verden zu verzeichnen, aber da ist über die näheren Umstände nichts bekannt“, so Ruzyzka-Schwob.

Amazon im teuersten Gewerbegebiet

Sogar zwei Segmente, die sich beim Preis seitwärts bewegen, ermittelte der Gutachterausschuss. Die Erlöse für Gewerbeflächen sind genauso stabil geblieben wie die für landwirtschaftliche Flächen. „Wenn in diesem Bereich überhaupt etwas herausragt, dann das Amazon-Gelände in Achim“, so Ruzyzka-Schwob. Es sei mit einem Richtwert von 80 Euro das teuerste Gewerbegebiet kreisweit, dies allerdings aus gutem Grund. „Kein anderes Unternehmen hat einen direkten Autobahn-Anschluss.“

Deutlich an Bedeutung wird der Bodenrichtwert gewinnen, der im Laufe des Jahres zum Neuberechnen der Grundsteuer herangezogen wird. Lagen vormals der Allerhang in Verden und der Weserhang in Achim gleichauf, so korrigierte der Gutachterausschuss die Verdener Filetgrundstücke jetzt noch einmal nach oben. Der Burgberg ist mit einem Richtwert von 450 Euro die teuerste Lage kreisweit. Und dies aus bemerkenswerter Ursache. Ein einziges Grundstück fand hier im vergangenen Jahr einen neuen Besitzer, jene Fläche, die die Stadt Verden meistbietend veräußert hatte (wir berichteten). Sie allein reichte, die ganze Häuserzeile mit dem unverbaubaren Blick auf Fluss und Auen noch einmal teurer zu machen. Vielleicht ein Hinweis für die Eigentümer der Geistervilla?

Gar nicht so weit entfernt die niedrigsten Richtwerte des Landkreises. In Stemmen etwa liegen sie bei 22 Euro.

Alles nicht so wichtig? Ist es doch! Ab etwa der Jahresmitte muss jeder Grundstückseigentümer die Richtwerte seiner Scholle zur Neuberechnung der Grundsteuer ans Finanzamt übermitteln. Dafür startet das Katasteramt eine Online-Offensive. Gemeinsam mit den Finanzämtern wurde der Grundsteuer-Viewer entwickelt, der ähnlich den RKI-Dashboards mit den Inzidenzzahlen ein Herunterscrollen bis auf die eigenen Flächen zulässt. Dieses Tool befindet sich in der abschließenden Testphase, Mitte bis Ende Februar soll es freigeschaltet werden. Dann ist ein Zugriff kostenlos möglich.

Von Heinrich Kracke

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