Betriebsausschuss stimmt Anhebung zu

Abwassergebühren in Verden werden 2022 steigen

Blick auf den rundgewölbten Faulturm einer Kläranlage.
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Muss fit gemacht werden für die Zukunft: die Verdener Kläranlage. Die mit den Investitionen verbundenen höheren Abschreibungen sind nun ein Grund für die Gebührenanhebung im kommenden Jahr.

Höhere Abschreibungen durch mehr Investitionen einerseits, gestiegene Kosten durch die Entsorgung von Klärschlamm andererseits führen zu einem Minus im Wirtschaftsplan des Verdener Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung. Das hat nun Folgen für die Erhebung von Gebühren.

Verden – Die Gebühren für Schmutzwasser in Verden werden steigen. Statt 2,68 Euro pro Kubikmeter werden ab dem kommenden Jahr 2,89 Euro zu entrichten sein. Der Zuschlag für Starkverschmutzer steigt von 1,18 Euro pro Kubikmeter auf 1,41 Euro. Steht der entsprechende Ratsbeschluss auch noch aus, so stimmte die Mehrheit des Betriebsausschusses der dazugehörigen Satzungsänderung schon einmal zu.

Für einen klassischen Vier-Personen-Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern bedeutet das im Schnitt rund 25 Euro mehr pro Jahr. Basis für diese Berechnung sind 40 Kubikmeter Wasserverbrauch jährlich bei einem Erwachsenen, bei Kindern die Hälfte.

Zum letzten Mal wurden die Abwassergebühren zum Beginn des Jahres 2019 angehoben. Bereits damals hatten erhöhte Abschreibungen dazu geführt. Eine weitere Erhöhung ab 2021 hatte man verworfen, um den von der Pandemie gebeutelten Bürgern nicht noch mehr zuzumuten. Jetzt aber kommt der Eigenbetrieb nicht mehr drumherum.

Investitionen liegen bei knapp 50 Millionen Euro

„Die vorgeschlagene Gebührenerhöhung resultiert in erster Linie aus den gestiegenen Kosten der Schlammbeseitigung und den gestiegenen Abschreibungen aufgrund der getätigten Investitionen aus dem Projekt Kläranlage 2030“, heißt die Begründung im Amtsdeutsch. Steuerberater Manfred Hengelbrock drückte es so aus: „Will man das Projekt Kläranlage 2030 wirtschaftlich wuppen, geht das nur über die Gebühren.“

Knapp 50 Millionen Euro werden in den nächsten Jahren in die Anlagen an der Weserstraße investiert für Sanierungen und Neubauten. Auslöser für die umfassenden Maßnahmen war die Havarie im Dezember 2017. Seinerzeit waren rund 5 500 Kubikmeter Klärschlamm aus einem Faulbehälter in den Keller gelaufen. Statt nur auszubessern und zu flicken, war die Entscheidung zugunsten einer grundlegenden, zukunftsfähigen Erneuerung gefallen.

Mit dem Wirtschaftsplan 2022 des Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung lieferte Hengelbrock dem Ausschuss am Mittwoch die nötigen Eckdaten für die Beschlussempfehlung. Der Steuerberater begleitet den Eigenbetrieb seit 1996, kennt ihn aus dem Effeff und rauschte nun im Ausschuss nur so durch das umfangreiche Zahlenwerk.

Quintessenz: Nach vielen Jahren des Überschusses, in denen sogar Darlehen über mehr als 20 Millionen Euro getilgt werden konnten, schreibt der Eigenbetrieb nun rote Zahlen. In diesem Jahr wird das Minus bei 211 000 Euro liegen, für 2022 und die Folgejahre prognostizierte Hengelbrock einen Saldo von 366 000 Euro.

Dabei war es dem Experten besonders wichtig zu betonen, dass das Defizit in den kommenden Jahren abgefedert werde über ein Abschmelzen des Eigenkapitals. Pro Jahr sollen bis zu 850 000 Euro zur Verfügung stehen. Das hilft in erster Linie dem Gebührenzahler. Denn ohne diese Finanzspritze läge der Preis pro Kubikmeter Abwasser im kommenden Jahr schon bei mehr als 3 Euro.

Neben den Abwassern aus Verden werden an der Weserstraße auch die aus den Gemeinden Kirchlinteln und Langwedel geklärt. Steigen in Verden die Ausgaben, spüren das auch diese beiden Kommunen. Kirchlintelns Kämmerer Frank Weiberg kam daher nicht umhin, nach den gestiegenen Personalkosten zu fragen.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Mitarbeiterstamm des Eigenbetriebs mehr als verdoppelt, hatte Weiberg ermittelt. Demnach sind bei der Abwasserbeseitigung inzwischen 18 Beschäftigte im gehobenen Dienst, 2011 seien es sechs gewesen. Insgesamt habe die Aufstockung zu einem Anwachsen der Personalkosten von 1,3 auf 2,9 Millionen Euro geführt. Das entspreche einem Plus von 129 Prozent, rechnete er dem Ausschuss vor.

Dietmar Teuber erinnerte daran, dass das Gremium dem Personalzuwachs ja gerade mit Blick auf das Projekt Kläranlage 2030 zugestimmt habe. Er gehe davon aus, dass sich nach dessen Abschluss auch der Personalstamm wieder verringere, unter anderem, indem frei werdende Stellen nicht wieder besetzt würden. Auch Betriebsleiter Uwe Gerdes verteidigte die aktuelle Besetzung. „Ich kann das gut vertreten“, sagte er und verwies dabei auf die vielfältigen und vor allem komplexen Aufgaben, die seine Mitarbeiter zu bewältigen hätten. „Ich kann nur empfehlen, dass Sie uns ein gewisses Vertrauen entgegenbringen.“  

Von Katrin Preuß

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