Abschiedstournee nach 46 Jahren / Ausverkauftes Konzert / Alle Hits im Gepäck

Puhdys in der Stadthalle: Es kam ein wenig Wehmut auf

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Das Publikum hatte Spaß, die Puhdys hatten Spaß – die erfolgreichste Rockband des Ostens sorgte für ein Glanzstück.

Verden - Von Volkmar Koy. Als Dieter Birr, den alle nur „Maschine“ nennen, noch weit vor der Pause den Song „Perlenfischer“ aus dem Jahre 1977 ankündigte: „Da waren die meisten noch nicht geboren“, gab es unüberhörbare Proteste im Publikum. Nein, das wollten sie sich nicht nachsagen lassen. Im Gegenteil: Die Zuschauer in der ausverkauften Verdener Stadthalle bewiesen beim Puhdys-Gastspiel ihre Textsicherheit.

Jetzt soll also wirklich Schluss sein. Als die Puhdys im Tivoli im sächsischen Freiberg am 19. November 1969 ihren ersten Auftritt unter diesem Namen hatten, war niemand auch nur ansatzweise klar, auf was sich Birr und Kollegen da einlassen sollten. Große Popularität erlangten die Puhdys im Jahr 1973, als sie den Rocksong „Wenn ein Mensch lebt“ aufnahmen. „Alt wie ein Baum“ war drei Jahre später so ein anderer typischer Puhdys-Hit. Sie wurden gefeiert als die „Stones des Ostens“, verkauften mehr als 22 Millionen Platten, hatten nicht nur in der DDR eine riesengroße Fangemeinde. Wie das Konzert am Sonntagabend in Verden eindeutig bewies, auch im Westen.

„Alt wie ein Baum“ – daraus machten die Musiker keinen Hehl, dass ihr letztes Stündlein eines Tages schlagen wird. Doch „Maschine“ machte Hoffnung: „Wir kommen in 100 Jahren wieder.“ Der 70-Jährige ist zusammen mit Dieter „Quaster“ Hertrampf (69) und Keyboarder Peter „Eingehängt“ Meyer (74, „der Mann hat drei Leben“) von Anfang an dabei. Schlagzeuger Klaus Scharfschwerdt (60) stieß 1979 dazu, Bassist Peter „Bimbo“ Rasym (61, seit 1997) ist der Jüngste im Bunde.

Das Konzert im Rahmen der „Es war so schön“-Abschiedstournee geriet in der Verdener Stadthalle zu einer Best-of-Vorstellung. Verstärkt durch drei exzellente junge Gastmusiker vermisste niemand in der Halle den für die Puhdys so typischen E-Gitarren-Sound. Überhaupt nicht. Vielmehr erzeugten die Puhdys Druck und Energie, eingepegelt von hervorragenden Tontechnikern. Die Puhdys verzichteten auf aufwändige Lichtorgien, ließen ihre Musik akustisch sprechen. Es war ein Querschnitt durch 46 Jahre Bandgeschichte.

Und der eine oder andere Zuhörer wird vermutlich gar ein kleines Tränchen verdrückt haben. Mit der Musik der Puhdys verbinden viele Besucher Jugenderinnerungen („weißt du noch, damals in Bremen, in der Glocke…“) und so erlebten die zahlenden Gäste nicht nur eine kleine Sternstunde der Rockmusik, sondern auch den Spaß, den die älteren Herrschaften auf der Bühne in der Tat und unübersehbar hatten.

Vom Baum bis zum Eisbär – sie hatten alle Hits im Gepäck. Und es dauerte auch nicht lange, da stand die Fangemeinde. Die Bestuhlung wirkte eher wie ein Hindernis. „Plötzlich konnten wir fliegen, zum Horizont und wieder zurück“ heißt es in den „Sternstunden“. Es schwebte auch ein bisschen Wehmut über der vom Applaus vibrierenden Stadthalle. Schade, es ist vorbei. Wie heißt es doch in einem der Top-Alben der jetzt schon als legendär zu bezeichnenden Puhdys: „Es war schön, einfach schön, endgültig vorbei, aber schön, Winde dreh’n, Menschen geh’n, was war, kann uns keiner mehr neh’m. Denk an unsre Zeit, sie war schön.“ Dafür den allerherzlichsten Dank.

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