Campingplatzbetreiber plant um

Abschied von der Idylle am Landwehrsee in Stedebergen

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Gute Miene zum traurigen Ende: Manfred Wawrzyniak und Hannelore Peszuck.

Aus und vorbei. Gekündigt. Die Campingplatzidylle am Landwehrsee in Stedebergen bei Dörverden ist Geschichte. Manfred Wawrzyniak schickt einen sehnsüchtigen Blick über das Gelände. Demnächst werden dort Häuser stehen. „Es tut weh“, so der Rentner aus Bremen.

Stedebergen – Ein Teil der zumeist langjährigen Dauercamper am Landwehrsee in Stedebergen steht vor dem Aus: Hartwig Reineke als der Verpächter des betroffenen Geländes verfolgt ein anderes Konzept. Er möchte die insgesamt 23 Grundstücke – fünf davon in unmittelbarer Seelage – veräußern, damit auf dem Areal Wochenendhäuser entstehen. Die davon betroffenen Pächter haben inzwischen alle ihre Kündigung per Einschreiben erhalten und werden aufgefordert, die Parzellen bis Ende Oktober zu räumen.

Die meisten verlieren damit nicht nur ihr geliebtes Wochenend- und Ferien-Domizil, sondern auch viel Geld, das sie in die Parzellen, Wohnwagen und Vorbauten, Terrassen oder Geräteschuppen investiert haben. In der Hauptsache ist der Campingplatz für die Betroffenen aber von ideellem Wert: Ihre Kinder sind dort aufgewachsen, und ein Teil von ihnen ist sogar mit eigenen Kindern wieder zurückgekehrt.

Idylle pur am Landwehrsee in Stedebergen. Etliche Camper müssen ihre Parzelle räumen.

Mit wehmütigem Blick trinkt Manfred Wawrzyniak seinen Kaffee in der kleinen Laube auf seiner geliebten Scholle. Zu seiner Rechten liegt der Landwehrsee, an dem der Bremer seit über 50 Jahren die Wochenenden und meistens auch seine Urlaube verbringt. „Solange ich mich dazu in der Lage fühle, wollte ich das auch in Zukunft so händeln“, berichtet der rüstige 79-jährige, doch stattdessen müsse er sich jetzt Stück für Stück verabschieden. „Es tut weh. Seitdem ich die Kündigung bekommen habe, schlafe ich schlecht und bin oft traurig. Diese Entwicklung hat mich einfach plötzlich und sehr unerwartet erwischt.“ Vielleicht sei gerade das das Schlimmste.

Die Leidenschaft für das Campen hat er vor Jahrzehnten über Freunde entdeckt. „Unser Sohn war außerdem kränklich und sollte auf ärztlichen Rat viel Zeit an der frischen Luft verbringen“, erzählt er. „So sind wir zum Campen gekommen, und diese Freiheit hat mir und meiner Frau damals auf Anhieb gefallen. Sie ist für mich bis heute das Besondere an diesem Hobby. Ich lebe mit und in der Natur und bin dabei kaum an Regeln gebunden, was ich sicher sehr vermissen werde.“

Sich eine neue Campinggemeinschaft suchen werden er und seine Lebensgefährtin Hannelore Peszuck aber vermutlich nicht mehr. „Wir geben auf. Den Fahnenmast habe ich schon abmontiert und die Sitzbänke abgebaut“, erzählt er. Als Nächstes werde er sämtliche Aufbauten und die Gehwegplatten entfernen und am Ende auch den neun Jahre alten Wohnwagen verkaufen. „Wenn man nicht mehr so jung ist, ist das alles sehr anstrengend“, erklärt der Rentner und dass ihm die ganzen Umstände schwer auf die Psyche schlagen. „Ich hoffe bloß, das ich nach dem Abschied nicht in ein großes Loch fallen werde.“

Frank Brooker und Dorota Dominik sind auf der Suche nach einem alternativen Plätzchen.

Seine Parzellennachbarn Dorota Dominik – sie hat 14 Jahre die Campinggaststätte geführt – und ihr Partner Frank Brooker haben ebenfalls ihre Siebensachen im Außenbereich bereits weitestgehend abgebaut und zusammengepackt. Die Kündigung ihrer zweiten Heimat ist zwar auch ihnen schwer auf den Magen geschlagen, doch die Entscheidung des Verpächters werde ohne Wut akzeptiert. „Das machen im Grunde aber alle, selbst wenn das Aus einem noch so schwerfällt. Wir sind traurig, hegen aber keinen persönlichen Groll gegen den Verpächter, der bei Problemen beim Abbau sogar seine tatkräftige Unterstützung zugesagt hat.“

Dominik und Brooker werden dem Camping allerdings keinesfalls den Rücken kehren. Sie wollen zunächst mit ihrem Camper vermehrt Ziele in der Umgebung ansteuern und sich dabei auch umschauen, ob sich in der Umgebung nicht doch ein alternativer Dauerstellplatz in Wasserlage und mit ebenso netten Nachbarn wie in Stedebergen findet. Außerdem hat das Paar durchaus Interesse, am Landwehrsee ein kleines Grundstück zu kaufen und dies bereits dem Eigentümer signalisiert.

Der wiederum hält sich diesbezüglich noch zurück, hat auf telefonische Nachfrage aber bereitwillig erklärt, dass er die Flächen keinesfalls Hals über Kopf veräußern werde. „Bevor die Vermarktung startet, müssen die Grundstücke doch erst einmal vermessen und parzelliert und die erforderliche Infrastruktur mit Kanal, Strom oder Wasser muss geschaffen werden.“ Die Aussage, dass vornehmlich die am Wasser gelegenen Grundstücke sämtlich verkauft seien, bezeichnet Reineke als reines Gerücht. „Da ist nichts dran. Natürlich gibt es Interessenten, auch unter den Campern, und die werden nach Abschluss der vorbereitenden Arbeiten informiert.“

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