Landkreis Verden baut mit an moderner Vergärungsanlage im Kreis Osterholz

Abfall mit Potenzial

Ein Meilenstein: Landrat Peter Bohlmann (v.l.), Landrat Bernd Lütjen (Osterholz), Oberbürgermeister Uwe Santjer (Stadt Cuxhaven) und Landrat Kai-Uwe Bielefeld (Cuxhaven) bei der Vertragsunterzeichnung.
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Ein Meilenstein: Landrat Peter Bohlmann (v.l.), Landrat Bernd Lütjen (Osterholz), Oberbürgermeister Uwe Santjer (Stadt Cuxhaven) und Landrat Kai-Uwe Bielefeld (Cuxhaven) bei der Vertragsunterzeichnung.

Landkreis – Kreislaufwirtschaftsgesetz – ein sperriger Name für ein Bundesgesetz, das die Basis ist für einen Vertrag, der am Mittwoch in Osterholz-Scharmbeck unterzeichnet wurde. Auch Landrat Peter Bohlmann setzte seinen Namen unter den Kontrakt, mit dem die Landkreise Verden und Osterholz sowie Stadt und Landkreis Cuxhaven die Gründung einer gemeinsamen kommunalen Anstalt öffentlichen Rechts unter Dach und Fach brachten. Kommunale Entsorgungsanstalt Nord-Niedersachsen, kurz Kenn, wird sie heißen. Ihr Daseinszweck: die Behandlung und Entsorgung von Bioabfällen aus haushaltsnaher Sammlung, und das nachhaltig und klimafreundlich.

Dafür schultern die vier Vertragspartner auch die Kosten von rund 19 Millionen Euro gemeinsam – und zu gleichen Teilen. Auf diese Weise, so die Überlegung beim Kreis Verden, hätten alle gleich viel zu sagen. „Dieses Projekt ist besonders, weil die Kooperation von vier kommunalen Partnern zum Thema Bioabfallverwertung in der Form einzigartig ist“, kommentierte Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer die Vertragsunterzeichnung.

Der Baustart für die Bioabfallvergärungsanlage ist für das Frühjahr 2022 auf einem bereits reservierten Grundstück im Gewerbepark A 27 im Landkreis Osterholz geplant. Mitte 2023 soll die Anlage in Betrieb genommen werden.

Allein der Landkreis Verden fährt rund 4 200 Tonnen Bioabfälle jährlich aus Privathaushalten ab. Sie werden derzeit in einer Anlage in Sandstedt an der Unterweser offen kompostiert. Ein konkurrenzlos günstiges Verfahren, das aber weder dem heutigen Stand der Technik noch den Vorschriften zur Reinhaltung der Luft entspricht. Zudem schreibt das Kreislaufwirtschaftsgesetz vor, dass Bioabfälle hochwertig zu entsorgen seien. Der Biomüll hat Potenzial. Und das soll genutzt werden.

Also werden Grünschnitt, Speise-, Obst- und Gemüsereste, Eierschalen, Tee- und Kaffeesatz zur Gewinnung von Biogas in Zukunft zunächst vergoren und die Gärreste dann zu hochwertigem Kompost gemacht. Kaskadennutzung heißt diese Kombination aus energetischer und stofflicher Verwertung.

„Wir wollten mit dieser Art der Verwertung des Biomülls einen Beitrag zum Klimaschutz liefern“, sagte Cuxhavens Landrat Kai Uwe Bielefeld am Rande des Treffens. Denn die geplante Anlage wird neben der Verwertung der Bioabfälle zu hochwertigem Kompost auch Biomethan erzeugen und aufbereiten.

Das Gas wird anschließend in das Erdgasnetz eingespeist. Durch die Anlage können pro Jahr voraussichtlich 2 000 bis 3 000 Tonnen CO2 eingespart werden. Zudem wird der Ausstoß äußerst klimaschädlicher Gase wie Methan und Lachgas nachhaltig reduziert.

Es ist ein Leuchtturmprojekt im Elbe-Weser-Dreieck. Denn das bei der kontrollierten Vergärung von Bioabfällen gewonnene Gas kann zu Bio-Erdgas aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist werden. In einem weiteren Schritt kann aus dem Biogas Bio-Wasserstoff gewonnen werden.

Allein könnte der Kreis Verden eine solche Anlage freilich nicht betreiben. Sie arbeitet erst bei einer Jahresmenge von rund 30 000 Tonnen Bioabfall wirtschaftlich. Eine Zusammenarbeit der benachbarten Landkreise, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, bot sich also an.

Neben ökologischen Gründen haben die wirtschaftlichen Vorteile die beteiligten Kommunen von einer Zusammenarbeit überzeugt. „Durch den kommunalen Betrieb ist eine verlässliche Preisprognose möglich. Zugleich wird dem Mülltourismus, der teilweise durch europaweite Ausschreibungen entsteht, entgegengewirkt“, so Verdens Landrat Peter Bohlmann.

Für die Nachrotte des hochwertigen Kompostes wird eine bereits bestehende Halle auf dem Gelände der ASO GmbH im Entsorgungszentrum Pennigbüttel in örtlicher Nähe genutzt. „Wir sind dankbar für die Möglichkeit, das bereits vorhandene Gebäude zu nutzen. Dies macht die Verwertung günstiger und hilft, die Gebühren für Bürgerinnen und Bürger niedrig zu halten“, erklärte Osterholzer Landrat Bernd Lütjen.  kp

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