Aber die Musik dazu war richtig gut beim 12. Gewächshauskonzert

Alles wird zur Karikatur

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Das Duo „Simon und Jan“: Mit gesellschaftskritischen Texten im Gewächshaus.

Verden - Nicht enden wollender Applaus, ein rundum begeistertes Publikum und strahlende Künstler bei Blume & Co – eine Einrichtung der Lebenshilfe Rotenburg-Verden. Mit einem ebenso unterhaltsamen wie mitreißenden Konzert- und Kabarettabend hatte diesmal das Duo „Jan & Simon“ mit seinem Überraschungsgast Philipp Kasburg vom Duo Spieltrieb für den Erfolg des Gewächshauskonzert gesorgt. Das gilt seit 16 Jahren als wahre Perle im Veranstaltungsreigen der Stadt.

Irgendwann in der Mitte des ersten Teils der Show „Ach Mensch“ stellte Jan die Frage: „Was soll das?“ Er zeigte auf die vier Mikros und zählte die Anwesenden einschließlich sich selbst auf der Bühne durch: „Das macht zwei und auf den ersten Blick – zwei Mikros zu viel.“

Doch das Publikum wurde sogleich darüber informiert, dass der technische Aufwand mitnichten ein Zufall ist. Die vier Mikrofone stünden für den Erfolg. „Bei unserer ersten Tour hat noch jeder von uns ein Mikro gehabt. Aber an irgendetwas muss man ja sehen, dass es jetzt richtig gut läuft.“

Mit Kasburg als Opener hatte das Konzert zuvor schon so richtig gut begonnen und man fühlte sich an Zeiten erinnert, als Barden wie Reinhard Mey oder Hannes Wader noch um einiges jünger waren und ihre Gesellschaftskritik zur Klampfe vortrugen. Sechs Songs hatte der Liedermacher der jungen Generation in petto. Die Texte, begleitet von der Gitarre, erzählen von Beziehungsstress oder einem testosterongesteuerten Russen, von Kreditgebaren oder Einkaufsverhalten.

„Willst du mit mir Karnickel kotzen sehen? Die gucken erst ganz traurig und dann kommt es ihnen hoch. Ich find’s schön“, sang danach das Duo „Simon und Jan“, das mit diesem Song die Computerversessenheit kritisierte. Sarkastisch karikierten die beiden Künstler Konsum, Politik, Religion oder die Promis, die für eine amerikanische Fastfood-Kette werben. Der Refrain dazu: „Schuster, bleib bei deinen Leisten, das sagen dir die meisten. Ob Maler oder Zimmermann, so was braucht man immer mal. Warum hast du dich davon entfernt?“

Auch ihre Beobachtungen über den vierjährigen Pianisten Wolfgang, der vom Vater „was aufs Maul kriegt“, wenn der ihn nicht üben hört, bekam reichlich Applaus. Zu den unterschiedlichsten Themen hatte das Duo etwas zu sagen, wobei Jan das Sprachrohr gab. Die zum Teil scharfkantig formulierten Texte standen im Kontrast zur Musik. Die Gitarrenklänge so einfühlsam, fast zärtlich ließen die zynischen Inhalte noch deutlicher hervortreten. „Täglich werden Männer in Kriege geschickt und Du wirst schon verrückt, wenn die Zeitung nicht pünktlich im Briefkasten steckt“, hieß es in einer Liedpassage, in der zur Begleitung die Gitarre auch mal als Trommel zweckentfremdet wurde. Eine insgesamt sehr gelungene Veranstaltung.

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