Kneipp-Element Wasser

„Immer nur eine Anwendung am Tag“

Zwei Kneippianerinnen beim Knieguss mit dem Gartenschlauch.
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Die beiden überzeugten Kneippianerinnen Christine Ernst und Susanne Meyer beim Abschluss des Kniegusses.

Der Kneipp-Verein Verden feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen, Sinnstifter und Namensgeber Sebastian Kneipp wäre 200 Jahre alt geworden. Dies nehmen wir zum Anlass, bis September monatlich weitere Aktivitäten des Vereins vorzustellen. Die kleine Serie orientiert sich dabei an den fünf Elementen, die die Lehre Sebastian Kneipps ausmachen: Lebensgestaltung, Wasser, Heilkräuter, Ernährung und Bewegung.

Verden – Mal eben den Kneipp-Verein besuchen, ein wenig über Anwendungen parlieren und dann fix zurück an den Schreibtisch? Nix da! Durch diese Rechnung macht Susanne Meyer gleich mal einen dicken Strich. „120 Wasseranwendungen gibt es. Da war ich selber platt“, gibt die zweite Vorsitzende lachend das Ergebnis ihrer Recherchen bekannt.

120? Sollen die jetzt alle getestet werden? Susanne Meyer und Christine Ernst, im Verein als Gesundheitserzieherin Ansprechpartnerin für Kneipp-Kindergärten, geben Entwarnung. „Immer nur eine Anwendung am Tag“, sagen die beiden erfahrenen Kneippianerinnen. Aber diese eine muss es dann im Anschluss an das Gespräch auch sein.

Christine Ernst zeigt, wie es geht mit dem kalten Armbad. Die Ärmel hochgekrempelt, dann bis zu den Ellenbogen eintauchen, bis 20 zählen, raus, das Wasser nur abstreifen, Ärmel wieder runter, das war’s. Kostet nicht viel. Und soll sehr wirkungsvoll sein.

Das Armbad ist die Tasse Kaffee des Kneippianers.

Susanne Meyer

„Das Armbad ist die Tasse Kaffee des Kneippianers“, berichtet Susanne Meyer schmunzelnd über die anregende Wirkung, die Sebastian Kneipp dieser Anwendung zuschrieb. Außerdem, ergänzt Christine Ernst, sei es gut für die Durchblutung des Herzmuskels, wirke schmerzlindern bei Ellenbogenbeschwerden und rege den Stoffwechsel an.

Christine Ernst zeigt, wie es geht mit dem Armbad. Das ist weder aufwendig noch kostet es viel.
Nach 20 bis 40 Sekunden, je nach Empfindlichkeit, das Wasser nur abstreifen, Ärmel runter, fertig.

Die beiden Frauen sind voll in ihrem Element. Buchstäblich. Denn das Wasser und seine Anwendungen bilden eine von fünf Säulen, auf denen sich die Therapie des Bad Wörishofener Pfarrers stützt.

Über den Geistlichen, 1821 geboren, ist nachzulesen, dass er mit Mitte 20 an der Lunge, vermutlich an Tuberkulose, erkrankte. Nachdem Studium der Lektüre des Buches „Unterricht von Krafft und Würkung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen …“ des Mediziners und Philosophen Johann Siegemund Hahn habe er dann mit regelmäßigen Bädern, unter anderem in der kalten Donau, begonnen und sei wieder gesund geworden. Soweit die Historie. Zurück zur Gegenwart.

Güsse immer vom Herzen weg beginnen

Christine Ernst und Susanne Meyer haben sich inzwischen eines aufgerollten Schlauchs bemächtigt. Der ist nicht nur gedacht für die Bewässerung des kleinen Gartens am Vereinsdomizil am Piepenbrink. Er eignet sich auch vortrefflich für einen Guss.

Ruckzuck hat Susanne Meyer ihr rechtes Hosenbein hochgekrempelt. Die Seite ist nicht willkürlich gewählt. „Güsse immer vom Herzen weg beginnen“, betonen die Frauen. Außerdem zu beachten: nie ausgekühlt eine Wasseranwendung beginnen. „Wenn man kalt diese Reize kriegt, erreicht man das Gegenteil“, sagt Christine Ernst. So droht statt der gewünschten Abhärtung die Erkältung. Wer mit dem Kneippen starten möchte, sollte demnach am besten im Sommer damit beginnen. Also jetzt.

Gut für Gefäße, Haut und Muskeln

Sie dreht den Hahn auf und arbeitet sich mit dem sanften Wasserstrahl vom Knöchel ihrer Mitstreiterin über die Außenseite des Unterschenkels hoch zum Knie und innen wieder herunter. Dasselbe geschieht auf der anderen Seite. Zum Abschluss geht es einmal unter die Fußsohlen. Fertig.

Regelmäßig und richtig angewendet, soll dies die Gefäße trainieren, Haut und Muskeln besser durchbluten, ja, sogar beruhigend wirken bis hin zur Einschlafhilfe. Christine Ernst schwört auf die Anwendung von Güssen. Zur Stärkung der Abwehrkräfte. Und gegen ihr häufiges Frieren, bedingt durch einen niedrigen Blutdruck, hätten die Güsse ihr auch geholfen, betont die 68-Jährige.

Die sportliche Blondine ist vor etwa 25 Jahren dem Kneipp-Verein beigetreten. Anlass war ihr Interesse für Naturheilkunde und Kräuter. Über Vorträge, Wanderungen und andere gemeinsame Aktivitäten lernte sie dann die Therapien Kneipps kennen und schätzen.

Sicher, Bäder und Güsse, dafür benötige man den Verein nicht, gibt Susanne Meyer zu. „Den Kneipp-Verein braucht man für die Geselligkeit. Gemeinsam macht das viel mehr Spaß“, ergänzt Christine Ernst.

Kinder als Multiplikatoren

Diese Freude stellen sie und Susanne Meyer auch immer wieder bei den Kleinen fest, die einen der drei Kneipp-Kindergärten im Kreis Verden besuchen. Zertifiziert sind die Luttumer Kita Ünnern Hollerbusch sowie die Kindergärten Daverden und St. Josef in Verden.

„Kinder sind ja begeistert von Wasser“, weiß Christine Ernst. So dient der spielerische Umgang mit diesem Element als Einstieg in die Kneipp’schen Lehren.

Für das Kneippen ist man nie zu alt und nie zu jung

Sicher nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn über das, was die Steppkes in der Kita erleben, erzählen sie zu Hause. „Und die Eltern richten sich dann auch ein bisschen danach“, freut sich Christine Ernst.

„Man kann ja nie früh genug damit anfangen, seine Gesundheit zu erhalten“, wirbt sie um jüngere Mitglieder. Dass es bislang überwiegend Ältere in den Kneipp-Verein zieht, weiß sie zwar. Wer deswegen seinen Beitritt infrage stellt, dem hält sie entgegen: „Guck mal, wie alt die Leute bei uns werden. Und wie jung die noch aussehen.“

Von Katrin Preuss

Auch Kurse mit Wassergymnastik

Güsse mit kaltem Wasser, Waschungen,, Wechselduschen oder -bäder, morgendliches Tautreten oder – im Winter – Schneegehen: Wasseranwendungen bilden die Grundlage der Kneipp-Therapie. Sie sind einfach zu handhaben und können ohne großen Aufwand zu Hause gemacht werden. Und sie können „individuell und exakt auf die jeweilige Person abgestimmt werden“, schreibt der Kneipp-Verein Verden auf seiner Internet-Seite unter www.kneipp-verein-verden.de. Angeleitet von Andrea True, Britt Heckel und Uta Scheele hat der Kneipp-Verein auch diverse fortlaufende Wassergymnastik-Kurse im Verwell und im Akzent-Hotel Höltje im Angebot. Sie sind nicht allein den Mitgliedern vorbehalten, sondern können auch von anderen gebucht oder vom Arzt verordnet werden. Mitglieder hätten aber einen Preisvorteil und würden bei der Platzvergabe bevorzugt, betont die zweite Vorsitzende Susanne Meyer. Coronabedingt steht allerdings noch nicht fest, wann diese Kurse wieder starten können. Informationen auch unter www.kneipp-verein-verden.de.

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