Abenteuer Stammzellenspende

Die Spende in einem Bremer Krankenhaus war eher eine entspannte Angelegenheit. Foto: HAß

„Ich kann nur jeden dazu ermuntern.“ Das sagt Michael Eichfeld auch noch, nachdem er Stammzellen gespendet hat. Das ist jetzt erst wenige Tage her. Eine Erfahrung, die nicht nur schön war. Aber an seiner Überzeugung, das Richtige zu tun, hat sich nichts geändert.

VON RONALD KLEE

Verden – Blutspender ist Michael Eichfeld schon lange, auch einen Organspendeausweis hat er. Dass der Verdener dann aber Knochenmarkspender wurde, hat mehr von ihm verlangt, als nur seine Bereitschaft zu helfen.

Die Überzeugung, dass es eine gute Sache wäre, mit einer Stammzellenspende jemandem zu helfen, der an Blutkrebs erkrankt ist, sei schon 2012 in ihm gereift, berichtet der 32-Jährige. Den Leukämie-Patienten werden dabei die Stammzellen aus dem Knochenmark des gesunden Spenders übertragen. Michael Eichfeld ließ sich damals typisieren, damit Mediziner auf der Suche nach einem Spender seine Gewebemerkmale in der Spenderdatei finden können. „Das ging ganz einfach, bei einer Blutspende“, erinnert er sich.

Besser bekannt von Typisierungsaktionen in der Region ist die DKMS (Deutsche Knochenmarkspender-Datei) mit ihrem Slogan „Stäbchen rein – Spender sein!“. Michael Eichfeld entschied sich aber für eine der 25 anderen Gesellschaften: Die Deutsche Stammzellenspenderdatei (DSD) hatte in Bremen eine Kooperation mit dem Blutspendedienst. Eichfeld gab sein Einverständnis und so landeten seine Gewebedaten im Zentralen Knochenmarkspenderegister in Ulm.

„Ich habe gute Erfahrungen mit der Organisation gemacht. Immer wenn ich Fragen hatte oder Probleme auftauchten, habe ich Hilfe und Rat gefunden“, erinnert sich der Verdener auch an die schwierigeren Momente seines Abenteuers.

Damals war der junge Mann noch davon ausgegangen, dass es auf eine Operation hinauslaufen würde, wenn er Spender werden würde. Dass die Entnahme der Stammzellen aus dem Beckenkamm nur noch in speziellen Fällen vorgenommen wird, wusste er seinerzeit noch nicht. „Ich hätte mich aber darauf engelassen“, ist Eichfeld sicher. Wenn heute Knochenmark entnommen wird, sehe das in den meisten Fällen eher wie eine Dialyse aus. So wie er es dann auch erleben sollte.

Lange Zeit hörte er nichts mehr aus Dessau, dem Sitz der gemeinnützigen DSD. Irgendwann habe er auch mal nachgefragt, aber es gab nichts zu klären. Der aus dem Bodenseeraum stammende Polizist versah seinen Dienst in der Rotenburger Dienststelle und wurde in Verden mit seiner Lebenspartnerin sesshaft. Und dann kam am 18. März doch Post aus Dessau.

Für weitere Analysen aus einer neuen Blutprobe sollte Eichfeld sich an seinen Hausarzt wenden. Bis zum Juli würde er dann mehr erfahren. „Das war schon aufwendiger“, erinnert er sich an all die Röhrchen, in die seine Blutproben verteilt werden mussten.

Und dann ging alles viel schneller als erwartet. Bereits Anfang April kam ein Schreiben, dass er der bislang am besten passende Spender sei, und er müsste zu einer weiteren Untersuchung nach Bremen. Da gab es einen möglichen Empfänger, wurde ihm klar. Und mittlerweile weiß Michael Eichfeld auch, dass es eine ältere Frau ist.

Einen ganzen Vormittag lang wurde der 32-Jährige durchgecheckt, sein Immunstatus überprüft und nach Vorbelastungen in der Familie gefragt. Das alles diene vor allem dazu, sicherzustellen, dass mit dem Knochenmark nicht noch Erkrankungen an den Empfänger übertragen werden.

„Auch der Spender soll gesund sein“, wurde ihm deutlich gemacht. Und als es dann vor ein paar Tagen tatsächlich zu den Vorbereitungen für die Spende kam, wusste der sportliche Beamte auch, warum es gut für ihn ist, einigermaßen fit zu sein. Er bekam ein Päckchen zugeschickt, in dem Medikamente waren, die er sich an vier aufeinenderfolgenden Tagen selbst spritzen sollte. „Das war nicht wirklich eine große Sache. Die Nadel musste in eine Bauchfalte, etwa so wie Diabetes-Patienten Insulin spritzen“, beschreibt es der Spender. Aber etwas Überwindung habe das anfangs auch gekostet.

In diesen Tagen habe er dann auch Nebenwirkungen gespürt. Das Medikament hat die Aufgabe, Stammzellen aus dem Knochenmark zu lösen, damit sie in die Blutbahn gelangen. „Und da hatte ich Schmerzen, in den Knochen und im Rücken“, berichtet Eichfeld. Unerträglich sei es nicht gewesen, aber das sei vielleicht das Unangenehmste und Stressigste an dem gesamten Abenteuer gewesen.

Die eigentliche Spende im Anschluss war im Vergleich eher entspannt. In einer Bremer Klinik bezog Eichfeld einen Vormittag lang ein Bett. Über Venen in seinen Armen wurde ein Umweg über eine Maschine an seinen Blutkreislauf angeschlossen. Bevor das Blut wieder ankam, hatte das Gerät die Stammzellen herausgefiltert.

Dann blieb nur zu warten, „Zum Glück war meine Freundin mit, und wir konnten uns unterhalten. Fünf bis sechs Stunden kann die Prozedur schon mal dauern“, hat Eichfeld erfahren. „Bei mir war nach dreieinhalb Stunden Schluss, es ging wohl besonders gut.“

Jetzt erinnert nur noch ein blauer Fleck in der Armbeuge an seine Spende. Ob er damit wirklich Leben retten konnte, wird Michael Eichfeld erst in zwei Jahren wissen können. Bis dahin bleibt zwischen Spender und Empfänger alles anonym. Interessieren würde es ihn schon.

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