Weniger anerkannte Asylbewerber

Neue Flüchtlingsquote im Landkreis: Ab Juni 20 pro Monat

Fassade einer Flüchtlingsherberge in der Kreisstadt Verden.
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Rund 600 Menschen, vor allem aus dem Nahen Osten, aus Afrika und vom Balkan, leben gegenwärtig in den 180 Wohnungen des Landkreises Verden, hier eine Herberge in der Kreisstadt.

Verden/Achim – Die auffälligen Fahrzeuge sind kleiner geworden, so viel steht fest, aber sie touren weiterhin durch den Landkreis. Jene Busse, die vor dem Kreishaus stoppen, deren Türen sich öffnen und aus denen dann Menschen steigen mit Fragezeichen im Gesicht. Menschen aus fernen Ländern. Geflüchtete. Der Zustrom ist abgeebbt, ja, sagt Jasmin Schwenker aus dem Kreishaus, aber er ist noch da.

Neue Flüchtlingsquote für den Landkreis

Weiterhin da. Anfang Juni dürfte das Land Niedersachsen die neue Flüchtlingsquote für den Landkreis Verden festlegen, die Dimension sei jetzt schon absehbar. 230 bis 240 Personen werden für das nächste Jahr erwartet, rund 20 im Monat. Zahlen, die niemandem mehr die Angstfalten auf die Stirn treiben. Zahlen, weit weg von den Werten der Flüchtlingswelle des Jahres 2015. Aber Zahlen immerhin noch, die bewältigt werden wollen.

Viele Asylbewerber haben sich aus der Region verabschiedet

Entspannt hat sie sich, die Lage, selbst im Corona-Jahr entspannt. Deutlich entspannt. Schlugen zu Beginn des zurückliegenden Jahres noch 1 700 anerkannte Asylbewerber zu Buche, die im Raum zwischen Ottersberg und Dörverden leben, so sind es aktuell noch 1 345. Gut ein Viertel weniger. „Eine ganze Reihe haben sich aus der Region verabschiedet“, sagt Schwenker, „sie ziehen nach Hamburg, nach Bremen, in den Ruhrpott. Sie ziehen dorthin, wo Verwandte leben, oder dorthin, wo ihnen Arbeit angeboten wird.“ Zuweilen und immer öfter müssen sie wegen des Jobs nicht mal wegziehen. Auch Betriebe in Verdener Gewerbegebieten gelten inzwischen als interessierte Arbeitgeber. Bis zur eigenen Wohnung ist es für anerkannte Asylberechtigte dann nicht mehr weit. Die Arbeitslosenquote am Rande der Vollbeschäftigung im Landkreis leistet dieser Entwicklung Vorschub.

Regelmäßig Rückführungen

Zugänge kommen vorrangig aus Afrika. In den Listen des Fachdienstes Soziales stehen allein 95 Menschen von der Elfenbeinküste. Der Zustrom aus Eritrea flaue ab, aus dem Sudan ebenfalls. „Aktuell verzeichnen wir Zugänge vor allem mit Menschen aus Syrien, aus dem Iran, aus Moldawien“, sagt der stellvertretende Fachdienstleister Karsten Bödeker. Auch der Balkan sei immer mal wieder vertreten, Serbien genauso wie der Kosovo oder Mazedonien. Abschiebungen seien darüber hinaus ein Thema. „Es finden regelmäßig Rückführungen statt“, sagt Jasmin Schwenker aus dem Fachdienst Ordnung und Verkehr. Diese erfolgten im Rahmen der sogenannten Dublin-Überstellungen innerhalb der EU in jenes Land, in dem die Geflüchteten die Grenze überquerten, sie erfolgten auch in die Heimatländer, sofern die Staaten aufgrund ihrer Corona-Beschränkungen Einreisen zulassen. Die Zahl der geplanten Abschiebungen wird mit rund 25 pro Jahr beziffert (2019).

Noch 508 Asyl-Verfahren offen

Der Berg der offenen Asylanträge, in früheren Jahren ein Riesenproblem, dieser Berg beginnt an Höhe zu verlieren. Auch im Landkreis Verden. Aktuell sind noch 508 Verfahren offen, ein Jahr zuvor waren es noch gut 60 mehr. Die Zahl der geduldeten Personen stieg den Angaben aus dem Kreishaus zufolge innerhalb des Corona-Jahres von 234 auf 305.

Landkreis bringt 600 Menschen in angemieteten oder eigenen Wohnungen unter

Die dramatischen Tage der Sporthallen und deren Nutzung als Herberge, sie sind genauso vorbei, wie die Container-Lösung am Kreishaus. Dort sind die stählernen Unterkünfte zwischenzeitlich zum Testzentrum und gegenwärtig zum Impfzentrum mutiert. Dennoch, die Kreisverwaltung bringt aktuell 600 Menschen in angemieteten oder eigenen Wohnungen unter. Ein allmählich schwieriges Unterfangen, vor allem im Nordkreis.

Unterkünfte in Achim weggebrochen

„Zuletzt sind uns in Achim einige Unterkünfte weggebrochen“, berichtet Bödeker. Einerseits die Herbergen im Bereich des ehemaligen Runken-Geländes, andererseits aber auch eine Reihe Privatvermietungen, die ausliefen. „Man spürt natürlich schon, Achim gehört auf dem Immobilienmarkt zu den nachgefragtesten Gebieten.“ Das Ziel sei weiterhin, rund 180 Wohneinheiten kreisweit vorzuhalten. Die Lage sei noch nicht dramatisch, aber sie spitze sich allmählich zu. „Wir haben langsam Schwierigkeiten, Großfamilien unterzubringen, wir suchen passenden Wohnraum für einzelne Männer“, heißt es aus dem Sozialamt, „der Landkreis hat zwischendurch immer mal Bedarf an Wohnungen bis rund 90 Quadratmeter Wohnfläche.“

Eines konnte man bisher vermeiden: Das Unterbringen verschiedener Nationalitäten unter einem Dach. Beim Höhepunkt der Flüchtlingswelle hatte die brisante Mischung unterschiedlicher ethnischer und religiöser Gruppen gelegentlich zu Auseinandersetzungen geführt.

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