Aktion der Sportfischer Verden

90.000 Glas-Aale in Aller und Weser ausgesetzt

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Wolfgang Kracht (l.) und Gerd Schröder tragen gemeinsam einen Eimer Glas-Aale vom Lkw zum Boot.

Eissel - Überall in Europa gehen die Aalbestände dramatisch zurück. Umweltgifte, Klimaveränderungen, Überfischung, Krankheiten sowie die Sperrung von Flusswanderwegen durch Stauanlagen und Kraftwerke gehören zu den Bedrohungen auf der langen Reise der europäischen Flussaale.

Am Freitagnachmittag setzten daher Vereinsmitglieder der Sportfischer Verden zum erneut eine Ladung mit 90.000 Jungaalen in Aller und Weser aus, um den Bestand der Tiere in den Flüssen zu stärken.

Die freigelassenen Fische sind bereits die zweite Ladung von so genannten Glas-Aalen, die dieses Jahr ausgesetzt werden. Sie waren mit einem Spezialtransporter von der Aal-Farm Götting in Cloppenburg angeliefert worden. Dort werden winzige Glas-Aale gefüttert, bis sie groß genug sind, um ausgesetzt werden zu können.

„Hintergrund der von der EU und vom Land Niedersachsen geförderten Aktion ist der drastischen Rückgang des Aals“, erläuterten Wolfgang Kracht, Dr. Rainer Becker und Gerd Schröder von der Weser- und Aller-Fischergemeinschaft. Der Bestand des Fisches habe sich in den vergangenen 30 Jahren um 90 Prozent reduziert. Es beständen durchaus Zweifel, ob eine Rettung funktioniert.

Mit Booten wurden die Jungaale in die Aller und die Weser gebracht.

Kleine, wuselige Wesen, die jungen Schlangen äußerst ähnlich sehen, wurden bei der Aktion der Verdener Sportfischer mit größter Sorgfalt an verschiedenen Stellen ins 19 Grad kalte Weser- und Allerwasser gebracht, damit die Winzlinge einmal stramme Aale werden – sofern sie überleben. Und es war hochinteressant zu erleben, wie sich die Kleinen blitzschnell sichere Verstecke suchten und sich in die Flussgründe eingruben oder unter den Steinen verschwanden.

Bis zu zwölf Jahre lang werden die vom Aussterben bedrohten Tiere jetzt in den Flüssen leben, ehe vielleicht auch sie zum Laichen in die Sargasso-See (vor Florida) abwandern.

Für den Verein ist der Aalbesatz eine teure Aktion. Der für die Maßnahme zu bezahlende Preis wird mit maximal 60 Prozent bezuschusst, so dass für die Sportfischer noch eine beachtliche Restsumme übrig bleibt.

Als Gründe für den drastischen Rückgang des Aals werden mehrere Ursachen ins Feld geführt. Zum einen, so Becker, würden Glas-Aale in den europäischen Flussmündungen systematisch abgefischt. „Der Fisch wurde in Dosen verpackt und als Delikatesse nach Fernost verkauft“, weiß er um den Raubbau, der inzwischen per EU-Dekret gestoppt wurde.

Als ursächlich für den regionalen Rückgang des Aals vermuten die Sportfischer außerdem Krankheiten, Gewässerprobleme, die gewerbliche Fischerei, unüberwindbare Wehre sowie die Turbinen von Wasserkraftwerken, die als „Fischhäckselmaschinen“ gelten. „Die Liste der Gründe ließe sich noch fortführen“, so der Tenor der Angler, denen klar ist, dass die Aktionen zur Bestandsrettung des Aals nur langsam greifen werden.

Sie erwarteten keine Wunder und seien froh, dass beispielsweise die Firma Stattkraft als Betreiberin des Wasserkraftwerks in Dörverden bereits technische Lösungen für die Problematik entwickelt habe und diese nach eigener Aussage mit Erfolg anwende, hieß es.

In freier Wildbahn können Aale ein stattliches Alter von bis zu 50 Jahren erreichen. Ein ausgewachsenes Weibchen kann im Ausnahmefall auf eine Länge von bis zu anderthalb Metern und auf ein Gewicht von sechs Kilogramm kommen. Während ihrer Geschlechtsreife wandern die Fische zum Ablaichen im Herbst über die Flüsse dorthin zurück, wo sie einst schlüpften: in die Saragossa-See.

Innerhalb eines Jahres legen die Tiere dabei ohne Nahrungsaufnahme schwimmend und strömungstreibend Entfernungen von über 5.500 Kilometer zurück. Nach dem Ablaichen sterben sie entkräftet an ihrer Geburtsstätte.

Becker: „Der Aal ist fast ein Mythos. Vieles rund um den Aal ist noch unerforscht. Es gilt, ihn zu schützen und zu bewahren.“ Diese Maßnahme geschehe daher mitnichten aus Eigennutz, sondern aus Gründen der Nachhaltigkeit.

90.000 Jungaale in Aller und Weser ausgesetzt

„Unser Verein tut schon lange etwas. Das niedersächsische Fischereigesetz schreibt für den Aal ein Schonmaß von 45 Zentimetern vor, und die Pachtgemeinschaft Weser IV hat auf freiwilliger Basis vom 1. Oktober bis 31. März eine Schonzeit für den Aal eingerichtet“, berichten Becker und Kracht, die wie alle Sportfischer hoffen, dass möglichst viele Fische die Sargasso-See auch erreichen und so selbst für den Erhalt ihrer Art sorgen. - nie

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