700 Tests im Waldheim

Das Waldheim-Gelände ist Schauplatz eines bemerkenswerten Einsatzes: Ein Bundeswehrteam mit zwölf Soldaten führte innerhalb von 36 Stunden 700 Tests durch.
+
Das Waldheim-Gelände ist Schauplatz eines bemerkenswerten Einsatzes: Ein Bundeswehrteam mit zwölf Soldaten führte innerhalb von 36 Stunden 700 Tests durch.

Mit Massentests reagiert das Gesundheitsamt auf die hohen Infektionszahlen in einem der Corona-Hotspots Niedersachsens, im Landkreis Verden. Und das hat diesmal nicht nur beängstigende Ursachen. „Wir wollen klären, ob wir die Pandemie hier wirklich eingedämmt haben“, sagt Amtsärztin Jutta Dreyer. Für eine Entwarnung sei es allerdings deutlich zu früh. Gleichzeitig kristallisiert sich ein neuer Gefahrenherd heraus. Der Arbeitsplatz.

Verden/Achim – In den weitläufigen Anlagen des Waldheimes geht seit Tagen nichts mehr. Die Werkstätten befinden sich als Reaktion auf immer neue Corona-Fälle im absoluten Lockdown. Niemand, der reinkommt, niemand, der rauskommt. Seit Mittwoch kehrt jedoch so etwas wie Betriebsamkeit zurück. Das inzwischen auf zwölf Soldaten aufgestockte Bundeswehr-Team, das dem Gesundheitsamt zur Seite steht, hat die Arbeit aufgenommen. Zunächst wurden die Bewohner getestet, am gestrigen Donnerstag waren die Beschäftigten an der Reihe. „Seit einiger Zeit war es ruhiger geworden. Die Maßnahmen hatten Erfolg. Jetzt müssen wir klären“, sagt Dreyer, „ob das Waldheim tatsächlich coronafrei ist.“

Etwas komplizierter verhält es sich im betroffenen Achimer Pflegeheim. Noch am zurückliegenden Dienstag und Mittwoch waren drei Bewohner positiv getestet. Sie gehören nach Angaben aus dem Gesundheitsamt allerdings jener Abteilung an, die auch schon vorher betroffen war. Sämtliche Bewohner dieser Kohorte mit elf erkrankten älteren Menschen und drei infizierten Pflegekräften befinden sich in Quarantäne. Jetzt erfolge ein Screening in den bisher nicht betroffenen Gebäuden. Wie funktionierte die Abgrenzung? Ist es vielleicht zu Begegnungen von Mitarbeitern beider Bereiche gekommen? Das sind die bangen Fragen, auf die Antworten gebraucht würden. Für das gute Dutzend Soldaten eine kräftezehrende Angelegenheit. Gestern morgen die Waldheim-Mitarbeiter, kurze Verschnaufpause, und anschließend der Umzug mit Mann und Maus und Testgerätschaften nach Achim.

Und dann dauert es mehr als eine halbe Woche, ehe endlich die Screening-Ergebnisse vorliegen? Und alles ist schon wieder zu spät? „Wir haben eine Extra-Absprache mit dem Oldenburger Labor getroffen“, sagt Dreyer, „sie halten die Kapazitäten frei.“ Möglicherweise trudeln erste Resultate schon am heutigen Freitag im mächtigen Backsteinbau auf dem ehemaligen Verdener Kasernengelände ein. Und die vage Hoffnung: Bis zum Sonntagabend soll bereits ein klares Bild vorliegen.

Die 700 Tests in Cluvenhagen und 140 in Achim machen Sinn. „Wir müssen kontrollieren, wir dürfen trotz der schwierigen Lage nicht unvorsichtig werden“, sagt Dreyer. Gleichzeitig würden die jeweiligen Hygienevorschriften auf den Prüfstand gestellt. „Wie haben sie gearbeitet? Ist es gelungen, das Virus nicht bis zu den Bewohnern vordringen zu lassen? Auch diesen Fragen gehen wir nach.“ Ihr gehe es dabei keineswegs nur um die betroffenen Einrichtungen. „Die Gefahr weiterer Einträge in Alten- und Pflegeheimen ist extrem hoch“, sagt Dreyer. Ermutigend immerhin: Nachtestungen in Ottersberg, Thedinghausen und Dörverden waren negativ.

Fahrgemeinschaften häufiger betroffen

Das Infektionsgeschehen kreisweit bleibt indes ein Puzzle mit vielen Teilen. Es seien weiterhin alle möglichen Wohngebiete betroffen, vom sozialen Brennpunkt bis zur Einfamilienhaus-Siedlung, es seien größere Familien betroffen, mal bis zu vier Personen, aber andererseits auch wieder Einzelpersonen bis hin zum Studenten, es seien einzelne in größeren Unternehmen und einzelne in kleineren Betrieben mit langjähriger Mitarbeiterschaft betroffen. „Generelle Hotspots lassen sich daraus nicht definieren“, so Dreyer.

Wenn denn überhaupt irgendetwas auffällig sei, dann allenfalls Fahrgemeinschaften. „Da kann es zu Übertragungen kommen.“ Sie habe Verständnis, könne oder wolle man sich kein eigenes Auto leisten oder Sprit sparen, das müsse auch in Corona-Zeiten möglich sein, aber wenn doch Gemeinschaftsfahrten, dann habe ein klarer Grundsatz zu gelten: „Beide mit Maske, und der Mitfahrer sitzt hinten rechts.“

Von Heinrich Kracke

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Marie-Anne Raue: «Weihnachten wird bei mir gegrillt»

Marie-Anne Raue: «Weihnachten wird bei mir gegrillt»

Vom Exoten zum Mainstream-Stromer: Der BMW iX3 im Test

Vom Exoten zum Mainstream-Stromer: Der BMW iX3 im Test

Gute Hygiene schützt uns vor Salmonellen

Gute Hygiene schützt uns vor Salmonellen

Neymar trifft - RB Leipzig verpasst Coup bei PSG

Neymar trifft - RB Leipzig verpasst Coup bei PSG

Meistgelesene Artikel

Amazon in Achim: Pakete sollen ab Sommer das Logistikzentrum verlassen

Amazon in Achim: Pakete sollen ab Sommer das Logistikzentrum verlassen

Amazon in Achim: Pakete sollen ab Sommer das Logistikzentrum verlassen
Stoßseufzer über Corona-Belastungen

Stoßseufzer über Corona-Belastungen

Stoßseufzer über Corona-Belastungen
Viele Unfälle: Ab Verden Tempo 70 bis Langwedel

Viele Unfälle: Ab Verden Tempo 70 bis Langwedel

Viele Unfälle: Ab Verden Tempo 70 bis Langwedel

Ein Impfzentrum für den Landkreis

Ein Impfzentrum für den Landkreis

Kommentare