Corona-Pandemie

3G oder 2G – Corona-Regeln im Friseur-Salon: „Der Ton wird aggressiver“

Friseurinnen bei der Arbeit.
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Abstand zwischen den Frisiertischen, Maske im Gesicht: Noch lebt Ayleen Koppermann von Jens Müller Haare mit der 3G-Regel, und mit ihr die ganze Branche.

Die Corona-Regeln und ihre Anwendung belastet die Friseursalons in Verden. Ob nun 3G oder 2G – die aktuellen Regeln ärgern manche und führen zu Diskussionen.

Verden – In der ersten Etage an Verdens Oberer Straße 1 haben sie längst eine Strategie festgelegt. Geht es mal wieder ums Tragen von Masken oder um den Sinn oder Unsinn von G2, dann neigt der Chef zur Igeltaktik. „Jede Seite mag ja irgendwo Recht haben“, sagt Jens Müller vom gleichnamigen Friseurbetrieb, „ich wechsle dann schnell das Thema.“ Schönes Wetter heute, sage er.

Und meist gelinge es ihm, die explosive Mischung zu entschärfen, die dahinter steckt. Sicher ist das nicht. „Der Ton wird aggressiver“, heißt es aus der Branche, und nicht nur von dort.

Eigentlich sei die Lage doch klar, sagt Friseur-Obermeister Seman Papazoglu mit Salons in Achim und Posthausen, „zurzeit gilt die 3G-Regel. Geimpft, genesen oder getestet. Dann die Maske noch über Nase und Mund und die Daten hinterlassen.“ Allerdings wisse er leider nur zu genau, es halte sich nicht jeder daran. Nicht jeder, der durch die Eingangstür schreite, und auch nicht jeder Betrieb. Und das hat Gründe. „Kollegen haben Angst, Kunden zu verlieren. Noch mehr Kunden.“ Das Friseurhandwerk könne längst noch nicht an die Umsätze aus Vor-Corona-Zeiten anschließen.

Einführung der G2-Regel würde viele Friseur-Kunden ausschließen

Gewiss, der Verordnungstext sei umfangreich geworden und auch komplizierter, räumt Berit Härthe aus der Kreisverwaltung ein. „Aber Rückfragen aus den körpernahen Dienstleistungen hat es eigentlich nur vor ein paar Wochen nach der ersten Einführung der 3G-Regel gegeben. Da lag das Informationsbedürfnis hoch.“ Inzwischen reduziere sich das Aufkommen auf Veranstalter-Kreise. „Welche Auflagen sind bei kleineren oder größeren Events zu erfüllen, welche Abstände müssen eingehalten werden? Das sind die Fragen, auf die in Einzelfällen Antworten gesucht werden.“

Das Problem ist eben, sie könnten auf G2 umstellen, die körpernahen Dienstleister, die Friseure. Zugang nur noch für Geimpfte und Genesene. Fürsprecher hätten sie. Papazoglu: „Das würde vieles erleichtern.“ Allerdings räume er ein, er würde Kunden verlieren. „Nicht so häufig zwar, aber gelegentlich hört man schon, die Fronten haben sich verhärtet“, berichtetet der Innungsobermeister, „am Telefon müssen sich Kollegen schon mal anhören, man werde sich doch nicht irgendein Gift spritzen lassen, um die Tür zum Friseursalon passieren zu dürfen.“ Unklar indes noch, wie lange die Zweigleisigkeit aufrechterhalten bleibt. Papazoglu hätte da mal einen Tipp: „Ich gehe davon aus, jetzt nach der Bundestagswahl wird die Politik Geimpften mehr Vorteile gewähren.“ Oder noch konkreter: „Ich gehe von 2G aus. Das kommt.“

Einige Sessel in Friseur-Salons wegen Abstandsregel weiterhin gesperrt

Seine Begründung: „Da geht es nicht nur um ein schnelleres Ende der Pandemie, da geht es auch darum, die Wirtschaft nur noch so kurz wie möglich einzuschränken.“ Wieder das Beispiel Friseurbetriebe. „Bei uns gelten weiterhin die Abstandsregeln. Heißt also, einige der Friseursessel bleiben gesperrt.“ Keine Einzelsorge. „Es trifft schon zu“, sagt Jens Müller, „die Umsätze sind spürbar rückläufig und wegen der Hygienemaßnahmen auch nicht steigerbar. Uns fehlt einfach der Platz.“

Das Wichtigste aus dem Landkreis Verden: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Besonders leiden allerdings die Herrensalons. Papazoglu macht zwei Begleiterscheinungen aus. „Einerseits weniger Familienfeiern, man muss gar nicht mehr so oft zum Friseur, andererseits immer noch viel Schwarzarbeit.“ Phänomene, die seit anderthalb Jahren zu beobachten seien, nur kühnste Optimisten gingen noch von einem baldigen Ende aus. Inzwischen lässt sich die Zukunftssorge der immer noch zahlreichen Friseure kreisweit sogar an konkreten Zahlen festmachen. Im Ausbildungsbereich. Die neue Berufsschulklasse käme mit Wohnzimmer-Ausmaßen zurecht. Nur noch zehn junge Leute versammeln sich dort. Vier davon aus dem Hause Papazoglu, zwei von Jens Müller. „Das ist ein echtes Alarmsignal.“

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