Guten Morgen!-Kolumne

So war es bei der Fußball-WM 1982: „Sevilla, quel malheur!“

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Die Fußball-WM 1982 ist Volkmar Koy noch gut im Gedächtnis.

Ein Kolumnen-Beitrag von Volkmar Koy. Es gibt Dinge und Tage, die werde ich ein Leben lang nicht vergessen. Am heutigen Abend schon gar nicht.

Der 8. Juli 1982 im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán in Sevilla ist so einer. Das in Geschichtsbüchern als Thriller von Sevilla eingetragene WM-Halbfinale Deutschland-Frankreich war so ein Jahrhundertspiel, das zumindest den Augenzeugen für alle Zeiten ein Live-Erlebnis der ganz besonderen Güteklasse beschert hat. Wir waren damals mit einem anderen Jahrhundert-Spiel im Gepäck (Deutschland-Österreich in Gijon) nach Sevilla gereist. Über Jerez de la Frontera ging es weiter mit dem Zug, nicht ahnend, was die Nacht als gnadenloser Fußball-Hitchcock sich aufgehoben hatte. Es endete damit, dass ich im Stadion vor lauter Aufregung einem spanischen Zuschauer das nagelneue Hemd (mit einer Zigarette!) verbrannt hatte. Die mitgereiste Gattin musste alles geben, um die deutsch-spanische Freundschaft zu retten. Was mich in diesem Moment nicht die Bohne interessierte. Unterdessen hatte Toni Schumacher einen gewissen Franzosen namens Battiston krankenhausreif geschlagen. Klaus Fischer beendete die spannendste Verlängerung aller Zeiten mit seinem Fallrückzieher zum 3:3. Und Horst Hrubesch verwandelte den entscheidenden Elfmeter. Das Hemd des Spaniers vor mir auf der Tribüne qualmte immer noch, roch jedenfalls reichlich verschmort. Übrigens: beim Abpfiff fiel mir der Mann um den Hals, bejubelte den Einzug der Deutschen ins Finale. Ich war schlichtweg zu schwach zum Jubeln. Am nächsten Morgen stand bei der Rückreise nach Barcelona ein Franzose auf meinem Flugsteig. „Sevilla, quel malheur!“, rief er gen Himmel. Durchaus möglich, dass sich die Dinge heute wiederholen.

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