1300 Menschen demonstrieren gegen das Verpressen von Lagerstättenwasser

„Ein Berg an Gefahren“

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Ein langer Tross an Demonstranten zog vom Dea-Gelände in Schülingen bis nach Völkersen.

Völkersen - „Wir wollen nicht die Asse der niedersächsischen Erdgasindustrie werden“, das bekundeten geschätzte 1300 Bürger am Sonnabend mit ihrer Teilnahme an einer Demonstration in Völkersen. Dort plant die Dea AG, Lagerstättenwasser in eine ausgeförderte Lagerstätte in 5000 Metern Tiefe zu verpressen. Die fünf Bürgerinitiativen, die diese Demonstration organisiert hatten, wollen das verhindern, denn die Gefahren für die Umwelt, insbesondere für das Trinkwasser, seien nicht abschätzbar

„Einmal in den Untergrund verpresst, kann man diesen Giftmüll nicht mehr zurückholen. Das gilt es ohne Wenn und Aber zu verhindern“, sagte Thomas Vogel, neben Andreas Noltemeyer ist er Sprecher der BI „No Fracking“ in Völkersen, zu Beginn der Demo in Schülingen.

Dort hatten sich die Demonstranten um 14 Uhr in Sichtweite des Dea-Förderbetriebs Niedersachsen versammelt. „Kein Gift in unsere Erde“, stand auf diversen Plakaten und den weißen Luftballons, die mit Postkarten an das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) versehen waren. Dort hat die Dea eine Genehmigung für das Verpressen beantragt.

Mit Treckern und zu Fuß ging es unter lautstarkem Protest zu den dreieinhalb Kilometer entfernten Sportanlagen in Völkersen. Der Demonstrationszug erschien endlos. Als die letzten Teilnehmer auf die Landesstraße eingebogen waren, hatten die ersten schon fast Dahlbrügge erreicht. Überall an Bäumen hingen rote Xe als Zeichen des Protestes. „Wir stellen uns quer“, lautet die Botschaft der Bürgerinitiativen im Landkreis Verden, die sich gegen die Praktiken der Erdgasindustrie wenden.

Bei der Schlusskundgebung übergab Noltemeyer das Wort zunächst an die Bundestagsabgeordneten Christina Jantz (SPD), Andreas Mattfeldt (CDU) und Herbert Behrens (Die Linke) sowie an Andreas Brandt (Bürgermeister Flecken Langwedel). Für die fünf Bürgerinitiativen sprach Felix Stellfeldt aus Intschede.

„Die seit Jahrzehnten praktizierte Gasförderung verseucht unsere Umwelt, bringt giftiges Lagerstättenwasser in Grund und Böden, gasförderungsbedingte Erdbeben schädigen unsere Gebäude, bei einer Bohrlochreinigung werden zirka 100000 Kubikmeter Gas unvollständig abgefackelt“, berichtete er. In der Nähe von Erdgasförderstellen im Landkreis Rotenburg gebe es deutlich erhöhte Krebsraten. „Ein Strauß an Problemen, ein Berg an Gefahren und Schäden und nun noch ein Feldversuch am lebenden Objekt, Mensch und Natur“, so Stellfeldt. „Behörden und Politik folgen wieder dem Diktat der Industrie und verkaufen unsere Zukunft“, so seine Kritik.

Die große Beteiligung an der Demonstration sei ein klares Signal an die Dea, das LBEG und die Politik. „Wir stellen uns quer“, so Stellfeldt unter dem Applaus der Demonstranten.

wb

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