Biographie von Ursula Löwe / Teil der Geschichte des Heisenhofs

Ein ungewöhnliches Leben

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Die Biographie von Ursula Löwe ist eng mit dem Heisenhof verbunden.

Bomlitz - „Ursula wurde als ungewolltes Kind einer Bauerntochter und eines Zuhälters geboren.“ Schon dieser erste Satz wirft ein grelles Licht auf die zentrale Gestalt einer neuen Biographie. Erzählt wird die Lebensgeschichte von Ursula Löwe, die mit ihren Irrungen und Wirrungen eine gute Vorlage für einen spannenden Film bieten würde.

Nicht nur die Zeugung von Ursula 1924 war ziemlich ungewöhnlich, sondern auch ihr weiteres Leben sollte es bleiben.

Ursula wuchs zunächst in der von Krisen geplagten Weimarer Republik auf, erlebte die Veränderungen durch den Nationalsozialismus und begeisterte sich für das neue System. Ab Sommer 1940 absolvierte sie ihr Pflichtjahr bei der Familie des Chemikers Dr. Konrad Schmidt, der für die große Pulverfabrik Eibia GmbH arbeitete. Sie blieb auch bei der Familie, als sie auf den Heisenhof nach Dörverden zog, wo Dr. Schmidt die Betriebsleitung des dortigen Eibia-Standortes übernahm. Drei Jahre verbrachte sie auf dem Heisenhof, eine Zeit, die sie nachhaltig prägte.

Der Krieg brachte viel privaten Kummer, bestärkte Ursula aber auch in ihrem Entschluss, als Wehrmachtshelferin, im Volksmund zumeist nur Blitzmädel genannt, etwas für ihr Land tun zu wollen. In Dörverden meldete sie sich freiwillig zum Funkdienst und kam nach einer kurzen Ausbildung gegen Ende des Krieges noch auf einem kleinen Flughafen in Dänemark zum Einsatz. Sie gehörte damit zu einer halben Million Wehrmachtshelferinnen, die in der Militärgeschichte bis heute kein Thema sind.

Nach der alliierten Besetzung geriet Ursula Löwe kurz in Kriegsgefangenschaft und kehrte auf abenteuerliche Weise wieder in ihre Heimat zurück, wo sie mit den Verbrechen des Nationalsozialismus konfrontiert wurde. Im Herbst 1945 lernte sie einen ehemaligen niederländischen Zwangsarbeiter der Pulverfabrik Eibia kennen, der als Dolmetscher in britischen Diensten stand. Sie verliebten sich ineinander und gründeten eine Familie.

Eine solche Verbindung wurde nach dem Krieg nicht gern gesehen und so gab es viele Hürden zu überwinden, bis das Paar heiraten und in Rotterdam als Familie leben konnte. Lange Zeit musste Ursula ihre Vergangenheit in der neuen Wahlheimat verschweigen und litt unter der deutschfeindlichen Haltung vieler Niederländer.

Erstmalig war die Lebensgeschichte von Ursula Löwe im Jahre 2002 auf Niederländisch erschienen, geschrieben von ihrem Schwiegersohn Dr. Jan Willem van Borselen. Nach ihrem Tod 2009 wollte die Familie das Buch auch auf Deutsch veröffentlichen. Sie suchten ab 2010 in der Gemeinde Bomlitz nach Ansprechpartnern, die sie in der Historikerin Edith–Gabriele Gottlieb (Übersetzung) und dem Historiker Thorsten Neubert-Preine (Redaktion und Lektorat) vom Verein Stiftung Geschichtshaus Bomlitz fand.

Nach gut zwei Jahren liegt nun die spannende und reich illustrierte Biographie von Ursula Löwe in Deutsch vor, die in sehr ansprechender Weise von Lars Przybylski gestaltet wurde. Das 306-seitige Buch mit dem Titel „Blitzmädel. Eine Lebensgeschichte zwischen Verführung und Erwachen“ kann beim Vorstand des Geschichtshausvereins, im Bürgerbüro der Gemeinde Bomlitz, im Postshop von Marlies Galts in Benefeld und im Walsroder Buchhandel (Heine und Kappe) zum Preis von 15 Euro erworben werden.

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