Nikotinsucht führt zu Arterienverkalkung: Mit operativen Eingriffen lässt sich der Schlaganfall vermeiden

Unfreiwilliges Verweilen vor den Schaufenstern

Offenbach-Post

Achim - BREMEN n Im vergangenen Jahr, genau gesagt am 11. Juli 2007, hat der Landtag in Hannover das Niedersächsische Nichtraucherschutzgesetz verabschiedet. Wenige Monate später, am 18. Dezember, zog die Hansestadt Bremen nach: Seit dem 1. Januar darf in Gaststätten und Diskotheken nicht mehr geraucht werden.

Bei uns im Krankenhaus des Klinikums Bremen-Nord war das Rauchen schon seit dem Sommer zuvor untersagt. Das hat zu vielen Diskussionen Anlass gegeben.

Aus der Sicht eines Gefäßmediziners im Gefäßzentrum des Klinikums Bremen-Nord, aber auch aus der Sicht eines Arztes, der sich mit der Behandlung von Krebs auseinandersetzt, möchte ich die Situation darstellen: Rauchen ist der Hauptrisikofaktor für die Arterienverkalkung, die wir als Arteriosklerose bezeichnen. Je nach dem Auftreten der Arteriosklerose kann sie an den Halsschlagadern zum Schlaganfall führen, an der Bauch- und Beckenschlagader zur „Schaufensterkrankheit“, an den Eingeweideschlagadern zur Funktionsstörung von Nieren, Leber oder Darm bis hin zum völligen Funktionsausfall.

Operative Eingriffe an den verkalkten und verschlossenen Arterien können aufgrund der beschriebenen Funktionsstörung oder des Funktionsausfalls erforderlich sein – etwa um ein amputationsbedrohtes Bein zu retten oder ein Organ, beispielsweise die Niere, deren Funktionsverlust zur Dialyse führt. Andere Operationen werden in prophylaktischer Intention ausgeführt, etwa um einen Schlaganfall zu vermeiden.

1997 haben wir im Bremer Ärztejournal darauf hingewiesen: Jahr für Jahr treten in Deutschland etwa 15 000 Schlaganfälle bei Patienten mit zuvor symptomloser Einengung der Halsschlagader auf. Anfang des Jahrtausends wurde in Deutschland eine große epidemiologische Studie aufgelegt, die die Häufigkeit arteriosklerotischer Veränderungen in der Bevölkerung aufzeigen konnte: Bei über 70-Jährigen finden sich in 29% der Untersuchten Kriterien der Arteriosklerose. Nur 11% der Untersuchten hatten Symptome oder Beschwerden (zumeist Schaufensterkrankheit) und bei der Hälfte der 6979 Untersuchten wurde die Krankheit neu entdeckt.

Heute sind die Sinne für die Frühstadien der Arterienverkalkung, die medikamentös beeinflusst werden können geschärft. Im Januar 2008 wurde im Deutschen Ärzteblatt über die Heinz Nixdorf Recall Studie berichtet, die sich ebenfalls mit den Zeichen der „subklinischen Arteriosklerose“, also den Gefäßumbauvorgängen, die noch keine Beschwerden verursachen, beschäftigt. In dieser Studie, die sich insbesondere auch mit den Herzkranzgefäßen beschäftigt, fand man bei 43% der Männer und 30% der Frauen eine Veränderung der Halsschlagadern.

Patienten, die sich wegen einer Gefäßeinengung einem Eingriff an den Halsschlagadern unterziehen müssen, werden immer zahlreicher. Gleiches gilt für Patienten, die unter der Schaufensterkrankheit leiden und für die, bei denen eine Aussackung der Hauptschlagader festgestellt wurde: Das „Aortenaneurysma“ kann eine lebensbedrohliche Situation bewirken, wenn es zu platzen droht oder schon geplatzt ist.

Seit 1998 bieten wir Patienten, die unter einem behandlungspflichtigen Bauchaortenaneurysma leiden, neben der konventionellen Operation die Stentprothesenimplantation an. Die Aneurysmen müssen vor solch einer Stentprothesenimplantation genau vermessen werden, da die Prothesen „maßgeschneidert“ geliefert und implantiert werden. Für Interessierte zeigen wir diese Behandlungsoptionen wieder im Rahmen des Gefäßtages, der für dieses Jahr am 18. Oktober geplant ist.

Unter der „Schaufensterkrankheit“ versteht man eine arterielle Verschlusserkrankung. Kennzeichnend sind für sie die schmerzbedingten Ruhepausen auf längeren Wegstrecken. Ihr Name beruht auf einer typischen Verhaltensweise vieler Patienten. Aus Scham versuchen Betroffene, in der Öffentlichkeit die erzwungenen Pausen zu kaschieren, indem sie vermeintlich interesssiert Schaufenster-Auslagen betrachten. Kurzstreckige Einengungen oder Verschlüsse, wie sie bei der „Schaufensterkrankheit“ auftreten, behandeln wir durch Ballonaufdehnung und Gefäßstützen, langstreckige durch Bypassanlagen oder Ausschälplastiken. Im Einzelfall wird die richtige Behandlung für den individuellen Fall in einem gemeinsamen Gefäßkolloquium besprochen, zu dem Gefäßchirurgen, Angiologen und Radiologen treffen und auch die Hausärzte eingeladen sind.

Rauchen schädigt aber nicht nur die Blutgefäße. Wir wissen, dass Rauchen auch Krebs verursacht. Gefäßerkrankungen und Krebs sind heute die Haupttodesursachen in Deutschland. Es ist nie zu spät, aufzuhören. Sie schaffen das auch.

nSchmerzbedingte

nRuhepausen

nEinengung der

nHalsschlagader

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