Ralf Sanges „Gründer 50plus“-Initiative in Reer schlägt europaweite Wellen

Unbekannt – hoch geschätzt

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Ralf Sange rief das Projekt „Gründer 50plus“ ins Leben . Von Reer aus sorgt es es inzwischen bundesweit für Furore.

Thedinghausen - BLENDER-REER · Selbst der sehr ortskundige Samtgemeindebürgermeister Schröder wusste auf Anhieb mit „Gründer 50plus“ in Reer nichts anzufangen. Dieses Projekt ist wie berichtet als einziges aus ganz Niedersachsen für den mit 120 000 Euro dotierten „Deutschen Alterspreis“der Robert Bosch Stiftung nominiert.

„Na, wir liegen ja auch etwas abgelegen und zehn Kilometer entfernt vom Ortskern Thedinghausen“, lacht der 53-jährige, in Hannover geborene Ralf Sange, der vor rund zwei Jahren von Martfeld hierher zog und „Gründer plus 50“ ins Leben rief. Es besteht an diesem Ort nur aus einem Raum im Haus, „und darüber wohne ich“, erläutert der Diplom-Sozialwissenschaftler.

Aus seiner beruflichen Tätigkeit als Outplacement-Berater für Transfergesellschaften – dabei hatte er ebenfalls viel mit älteren Menschen zu tun – entstand schon im Jahr 2007 die Idee zu „Gründer 50plus“. 2012 wurde sie Wirklichkeit in Form einer Unternehmergesellschaft (UG), also einer Art Mini-GmbH.

Interessierten Menschen über 50 Impulse und Hilfen zum Schritt in die Selbständigkeit zu vermitteln, ist das Ziel. Einleitend wird stets ein allgemeiner Infoabend angeboten. Weiter geht es dann in Intensiv--Workshops. Die Gründungsberatung führe „bis zur Entscheidung Ja oder Nein“ für den Einzelnen, so Sange.

Bei den Teilnehmern der Workshops handele es sich zumeist um berufserfahrene Menschen, in wirtschaftlich schwieriger Lage. Das heißt, sie haben zum Beispiel ihre Arbeit verloren, nur eine minimale Rente oder einen schlecht bezahlten Nebenerwerbsjob.

Der Schritt in die Selbständigkeit ist da oft ein lohnender Ausweg, wenn die Geschäftsidee passt. Der Älteste, der es über „Gründer 50plus“ schaffte, sei 62 Jahre gewesen, berichtet Ralf Sange. Dies sei aber doch eher ein Ausnahmefall.

Hier vorbereitete Neugründungen fallen vor allem in den Bereich Dienstleistungen, weniger in den des Handels und produzierenden Gewerbes.

Die Resonanz auf das „Gründer 50plus“-Angebot sei enorm, freut sich Sange. Inzwischen gibt es bundesweit acht Standorte der UG sowie rund 20 Kooperationspartner, die sich vor allem um die Organisation der Seminare kümmern. Fünf Mitarbeiter bilden das Kernteam der Initiative.

Starke finanzielle Unterstützung gibt es durch Spenden aus Unternehmerkreisen, aber auch aus öffentlichen Fördermitteln. Die Workshop-Gebühren sind bewusst sehr niedrig gehalten. „Wir sind ein Sozialunternehmen und arbeiten höchstens kostendeckend“, macht der Chef dieser Firma deutlich. Ohne Spendenbereitschaft geht es auch künftig nicht, denn die Einnahmen sind eher begrenzt.

Wegen der großen Nachfrage möchte Ralf Sange mit „Gründer 50plus“ weiter expandieren und dieses Angebot auch noch besser bekannt machen.

Nominierungen wie die jetzige zum renommierten Deutschen Alterspreis seien dabei natürlich sehr hilfreich, bekräftigt der 53-Jährige. Es wäre allerdings nicht die erste große Auszeichnung. Im Vorjahr wurde „Gründer 50plus“ bereits Bundessieger beim von der EU-Kommission ausgelobten Europapreis im Bereich „Activ Aging and Solidarity between Generations“. · la

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